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Wespenplage : Das bringt doch alles nichts!

  • -Aktualisiert am

Im Anflug: Wespen steuern ihr Nest an. Bild: dpa

Es herrscht Wespenalarm in Deutschland. Ganze Bäckerstände müssen schließen, Fußgänger werden attackiert, Menschen fliehen ins Innere. Wir verraten, was gegen Wespen hilft - und was nicht.

          Die Wespen kommen. Nirgends ist man vor ihnen sicher, ob im Biergarten, im Restaurant oder auf dem Balkon. Überall verzweifelt fluchende, um sich schlagende Menschen. Die Wespenhysterie hat Deutschland fest im Griff, dabei ist es jedes Jahr das Gleiche: Im Spätsommer stirbt die Königin eines Wespenvolks, anschließend werden ihre Arbeiterinnen arbeitslos und begeben sich auf Nahrungssuche. Süße und energiereiche Lebensmittel stehen ganz oben auf ihrer Liste. Und so wurde auch für 2015 wieder ein „Superwespenjahr“ ausgerufen.

          Aber ist das nur eine Nachricht aus dem Sommerloch, oder ist da wirklich was dran? „Wir können das nur bedingt bestätigen“, sagt Bernhard Traulich vom Frankfurter Umwelttelefon - er ist dort zuständig für die Wespenberatung. Wegen des warmen Frühlings und bislang trockenen Sommers gebe es etwas mehr Wespen als sonst, allerdings sei das nichts Dramatisches, und schon gar nicht seien sie aggressiver. Vor allem sind die Wespen früher dran: „Wir kriegen schon seit Ende Juli vermehrt Anrufe, normalerweise geht das erst Mitte August los.“

          Was aber tun gegen die schwarzgelben Plagegeister? An sogenannten „Wespentipps“ mangelt es nicht, doch hilft all das, was im Netz und in Ratgebern kursiert?

          Wespen töten

          Ein kleiner Schlag mit der Sonntagszeitung, und tot ist sie. Problem gelöst? Mitnichten. Denn der Zusammenhalt unter Wespen ist stärker, als man glaubt: „Tötet man eine Wespe, werden die anderen nur aggressiver“, stellt Lars Krogmann, Biologe und Wespenforscher am Stuttgarter Naturkundemuseum, fest. Seit Jahren forscht er zu den Insekten und kann nur davor warnen, ihnen das Leben zu nehmen. Bei einem Tötungsversuch wechselt die Wespe vom Verteidigungs- in den Angriffsmodus, und die Gefahr, gestochen zu werden, steigt. Auch von Fallen, etwa aus Sirup oder ähnlich süßen Flüssigkeiten, rät er ab. Darin verenden sie qualvoll, und dann gibt die sterbende Wespe auch noch ein Pheromon ab, das weitere kampfeslustige Artgenossen anlockt.

          Kaffeepulver anzünden

          Angeblich ein alter Trick. Kaffeepulver oder -bohnen in eine feuerfeste Schale geben, ein brennendes Streichholz hineintun und warten, bis der Kaffee anfängt zu glühen. Dieses kleine Feuerchen setzt Röstaromen frei, von denen die Wespen angeblich Abstand nehmen. Für zwei Stunden, so heißt es. Wespenforscher Krogmann ist aber skeptisch: „Wespen haben so feine Riechorgane, dass sie geringste Duftmoleküle wahrnehmen. Brennendes Kaffeepulver wird sie ganz sicher nicht irritieren.“ Zumindest unangenehm riechen dürfte der Rauch nicht.

          Kupfermünzen, Essen abdecken oder gleich totschlagen? Nicht alles hilft gegen Wespen.

          Ablenkfütterung

          Vor ein paar Jahren schien es, also ob zwei Schülerinnen im Rahmen des Wettbewerbs „Jugend forscht“ den Kampf gegen Wespen gewonnen hatten: mit überreifen Weintrauben. Die soll man in einer Schale fünf bis zehn Meter vom Ort des Geschehens entfernt aufstellen; Ablenkfütterung nennt der Tierschützer das. Wespenforscher Krogmann sagt anerkennend: „Sollten Wespen lernen, dass es an einem bestimmten Ort viel Nahrung gibt, werden sie diesen gezielt anfliegen. Dann werden die meisten nicht zum Kaffeetisch kommen, sondern daran vorbeifliegen.“ Er gibt aber auch zu bedenken, dass dadurch die „Attraktivität des Gebiets für die Wespen erhöht“ werde und so das Nest rascher wachsen könne, weil einfach mehr Nahrung da sei. „Dann begünstigen Sie eigentlich das, was Sie gar nicht haben wollen.“ Es kommen immer mehr Wespen, und ganz blind passieren diese den Kaffeetisch dann eben doch nicht.

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