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Was tun bei Läusen? : Hilfe, es juckt am Kopf!

  • -Aktualisiert am

Alles nur für die Psyche: Kuscheltiere in luftdichten Tüten in den Gefrierschrank zu stecken ist nicht nötig bei Läusen Bild: plainpicture/Julia Droop

Läuse haben immer die anderen - und wenn, dann doch nur die Kinder. Doch was passiert, wenn die Eltern betroffen sind? Eine Mutter erzählt.

          6 Min.

          Mein Kopf juckt, sehr unangenehm, seit vielleicht zwei Wochen schon. Ich habe es gestern Abend meiner Freundin erzählt, heute schickt sie eine SMS: „Könnten es Läuse sein?!“ Darauf bin ich bisher nicht gekommen, in mir steigt diese leichte Panik von Westeuropäern auf, die in gediegenen Altbauwohnungen leben. Man hat vieles im Griff, aber bei Läusen wird einem ganz anders.

          Warum diese Panik? Vielleicht liegt es daran, dass ich Läuse bisher nur makroskopisch auf Abbildungen gesehen hatte, die Details schön-schaurig vergrößert. Ich hatte dann immer schnell weggeschaut. Die Vorstellung, dass diese Sechsbeiner auf meinem eigenen Kopf oder auf dem meiner Kinder wimmeln und Blut saugen könnten: grässlich.

          Direkt in Erinnerung kommen mir auch die schönen Horrorgeschichten, die unter Eltern gerne an Kinderfesten zum Besten gegeben werden: über Familien, die in eine Ferienwohnung flüchten, um die Viecher auszuhungern. Über Mütter, die Kuscheltiere und Mützen, in luftdichte Tüten verpackt, 48 Stunden in den Gefrierschrank stecken. Über hysterische Kinder, deren zotteliges Haar penibel, Strähne für Strähne, durchgekämmt werden muss. Über Hausmittelexperimente, zum Beispiel Öl, Essig, Zitrone oder Lavendel - auf dem Kopf.

          Souvenirs aus den Ferien

          Als ich anfange, nachzuforschen, was nun zu tun sei, höre ich auch von einem Gebräu aus Eiern und Bier, von Wäschebergen und Staubsaugerorgien. Davon, dass die Laus weg ist, unverhofft zurückkehrt und das Ganze wieder von vorne losgeht. Und ich lese von verzweifelten Eltern, die Spiritus verwenden, die in die Sauna gehen, die den Viechern mit dem Föhn zu Leibe rücken, was sie mal besser lassen sollten, denn gewisse Läusemittel sind entflammbar!

          Mir wird schnell klar: Unheimlich ist die Laus auch, weil über sie nicht gesprochen wird. Läuse haben immer nur die anderen. Der Horror ist aus zweiter Hand. Wer betroffen ist, schämt sich und schweigt lieber, versteckt Hinweise auf familiären Lausbefall diskret im Badezimmerschrank.

          Warum ist das so? Warum gibt es dieses Tabu, trotz unserer Aufgeklärtheit? Wir wissen, dass Läuse harmlos sind und keine Krankheiten übertragen. Und wir wissen auch, dass sie kein Zeichen für mangelnde Hygiene sind, das sind dann schon eher die Krätze oder Milben, die in uralten Matratzen hausen. Die Laus kann weder springen noch fliegen. Aber sie ist flink. In Kindergärten oder Schulen kann sie sich daher extrem schnell ausbreiten. Besonders aus den Ferien kommen die blinden Passagiere in Truppen mitgereist, hört man.

          Eine zweite Behandlung ist nötig

          Oder man liest es. Wer kennt nicht den etwas verschämten Aushang am Brett der Kita: „Wir haben Läuse.“ Kein Mensch kommentiert den Zettel, alle gucken auf den Boden, als würde jeder sagen: Wir? Sind! Es! Nicht! Und denken: Wer ist es aber dann? Könnte zu den XYZs passen! Ja, bestimmt sind die es!

          Derlei unkooperative Geheimniskrämerei ist gefährlich, denn bei Lausbefall ist eine intelligente Kriegsführung extrem wichtig. Nur wenn Läuse früh entdeckt und nur wenn sie richtig behandelt werden, kann der Kreislauf beendet werden. Aber weil die Sache mit einem Tabu belegt ist, kursiert auch viel halbseidenes Expertentum. Ich beschließe, den anderen Weg einzuschlagen.

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