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Hygiene im Urlaub : Das verteufelte Örtchen

  • -Aktualisiert am

Will man da wirklich hin im Urlaub? Damentoilette in Panama-Stadt. Bild: AFP

Urlaubszeit heißt auch Zeit der fremden Toiletten. Da trifft jeden, aber keiner redet darüber. Können Toiletten wirklich eine Gefahr für die Gesundheit sein?

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          Reise- und Urlaubszeit heißt auch Zeit der fremden Toiletten. Zugegeben, das ist kein angenehmes Thema, eher ein Tabuthema. Lieber spricht man in Sachen Ferien über staufreie Autobahnen und tolle Strandbesuche als über die Frage, wie man sich auf der Toilette der Raststätte oder in der Holzhütte neben den Dünen am vorbildlichsten hygienisch verhält.

          Besonders Kinder lassen sich ungern vorschreiben, wann oder wo sie ihre Notdurft verrichten. Mangels Alternative nimmt die Stimme der Eltern dann bei dem Anblick eines Dixi-Häuschens einen hysterischen Unterton an, der den Kleinen signalisiert, sich zu beeilen und nur ja nichts anzufassen.

          Doch was ist eigentlich dran an dieser Angst vor öffentlichen Toiletten, die von Generation zu Generation weitergeben wird? Dass es häufig nicht angenehm riecht und unsauber aussieht an diesen Orten, das ist die eine Seite. Aber sind sie auch wirklich eine Bedrohung für unsere Gesundheit? Und, wenn ja, wie schützt man sich am besten? Wir haben mit Hygiene-Experten gesprochen.

          Welche Erkrankungen werden auf der Toilette übertragen?

          Welche Krankheiten in öffentlichen Toiletten wirklich verbreitet werden, ist schwer zu sagen. „Das kommt darauf an, wer vorher drin war“, sagt Markus Egert, Professor für Mikrobiologie an der Hochschule Furtwangen in Villingen-Schwenningen. Er zählt auf, was er für wahrscheinlich hält: „Noroviren im Winter, Rotaviren bei Kindern, eventuell Hepatitis A. Denkbar sind auch Grippeerreger.“

          In China soll es bereits zu Zeiten der Han-Dynastie Spültoiletten gegeben haben. Der hygienische Zustand heutiger öffentlicher Toiletten in Peking gilt allerdings als wenig fortschrittlich. Bilderstrecke

          Aber eigentlich könne das keiner genau sagen, denn es ist schwer herauszufinden, ob und wie viele Menschen auf öffentlichen Toiletten schon einmal krank geworden sind. Um das systematisch zu untersuchen, müsste man Personen in vorher mit bestimmten Erregern infizierte Räume schicken und danach in Quarantäne, um zu sehen, wer erkrankt. Doch solche Experimente sind unethisch.

          Eins ist aber klar: Dass man sich eine sexuell übertragbare Krankheit auf der Toilette geholt hat, wird gern dem Partner erzählt, ist aber eine Ausrede fürs Fremdgehen. „Selbst Chlamydien müssen in die Schleimhaut eingerieben werden, um eine Infektion zu verursachen“, sagt Andreas Podbielski, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene der Universität Rostock. Auch ein Blaseninfekt sei nahezu ausgeschlossen. „Aber sonst kann man sich bis hin zu Typhus theoretisch alles holen“, meint er.

          Wie kann man sich anstecken?

          „Toilettenpapier ist nicht feuchtigkeitsdicht, und nach dem Abwischen sind die Hände naturgemäß mit Krankheitserregern kontaminiert“, erklärt Martin Exner, Direktor des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit in Bonn. Auch bei allen Oberflächen im Toilettenraum sei davon auszugehen, dass sie vorher ein anderer mit entsprechenden Keimen an den Händen angefasst hat.

          Aber das sei auch beim Bus- oder Bahnfahren oder beim Nutzen anderer öffentlicher Räume der Fall, die selten gereinigt werden. Toiletten würden immer verteufelt, dabei sei vielen Menschen gar nicht bewusst, dass sie auch an vielen anderen Stellen täglich mit einer Unmenge von Keimen konfrontiert seien.

          Mikroben sind überall unterwegs, und Ansteckung droht, wo viele Menschen verkehren. Das gilt unter anderem für Fahrstuhlknöpfe oder das Display des Geldautomaten. In Hotels sind vor allem Lichtschalter und die Fernbedienung des Fernsehers von Keimen besiedelt. Handys, Geld und Kreditkarten sind ein wahres Eldorado für Erreger.

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