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Medikamente für Kinder : Auf die Dosis kommt es an

  • -Aktualisiert am

Die Medizin scheint nicht bitter zu sein. Bild: www.plainpicture.com

Immer mehr Medikamente sind speziell für Kinder zugelassen. Aber auch Hausmittel haben ihre Berechtigung. Doch was sollten Eltern anwenden?

          4 Min.

          Wie halten Sie es, liebe Eltern, wenn Ihr Kind kränkelt? Kennen Sie auch dieses unsichere Gefühl, wenn es zum achten Mal in Herbst- und Winterzeit eine Schnupfennase hat und Sie sich fragen, ob ein Nasenspray Linderung bringen könnte? Oder ob Sie wirklich jedes Mal ein Fieberzäpfchen verabreichen sollten, wenn die Stirn glüht? Falls ja, sind Sie damit nicht allein.

          Gerd Glaeske ist Arzneimittelexperte und hat an der Uni Bremen eine Professur für Public Health inne. Auf der „Hitliste“ der gewöhnlichen Kindererkrankungen nennt er nach den Infekten, die Kinder spätestens ab dem Kitabesuch zwischen sechs- und zwölfmal im Jahr bekommen, Allergien. Sie sind häufig auch mitverantwortlich für das Auftreten von Asthma und Hauterkrankungen. Zudem haben Kinder immer wieder mit Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts zu kämpfen.

          Nicht alle pflanzlichen Arzneimittel gut für Kinder

          Glaeske erlebt, dass sich speziell junge Eltern sehr viele Gedanken darüber machen, ob sie ihrem Kind ein Medikament verabreichen sollen. „Viele fragen, ob es nicht auch Alternativen gibt“, berichtet er und findet das auch gut so. Denn die grundsätzliche Empfehlung des Pharmazeuten lautet: Wer in der Apotheke rezeptfreie Medikamente für Kinder kauft, sollte das zurückhaltend tun. Aus seiner Sicht ist es wichtig, Kinder nicht automatisch daran zu gewöhnen, dass es für jedes Symptom ein Arzneimittel gibt. Und auch nicht an die rasche Reaktion des Körpers auf die Wirkstoffe. „Viele Hausmittel, die unsere Mütter oder Großmütter noch kannten, sind heute nicht mehr so geläufig“, stellt Glaeske fest, möchte Eltern aber ermuntern, sich mit ihnen zu beschäftigen.

          Das können sie unter anderem – in der Apotheke. Denn wer zwar schon einmal gehört hat, dass Wadenwickel bei erhöhter Temperatur bis zu 38,5 Grad den Körper entlasten können, aber nicht weiß, wie man sie anwendet, bekommt seine Fragen dort mutmaßlich gelassener beantwortet, als wenn er zur Stoßzeit in der Kinderarztpraxis anruft. Apotheker würden sich mit Alternativen zum Beispiel zu Schmerzmitteln in aller Regel gut auskennen, sagt Glaeske. Und da er selbst einer ist, weiß er zu berichten, dass Eltern beim Wadenwickel beispielsweise beachten sollten, dass die Temperatur des Wassers sechs bis acht Grad hat. Und dass der Wickel alle 20 Minuten gewechselt werden muss.

          Weitere Handreichungen vom Pharmazeuten lauten: Wenn Kinder nach dem Stillen oder Essen Krämpfe haben, den Bauch mit Anis- oder Fenchelölen massieren. Leiden Kinder über acht Jahren an Zahnschmerzen, ist Nelkenöl, das vorsichtig mit einem Wattestäbchen aufgetragen wird, eine Option zur lokalen Betäubung. Und drückt der Kopf, kann eine Stirnmassage mit Pfefferminzöl die Schmerzen lindern. Läuft die Nase, sind Kinder ab einem Alter von etwa vier Jahren in der Lage, zu inhalieren: Heißes Wasser in eine Schüssel geben, Kopf drüber und Schüssel und Kopf mit einem Handtuch bedecken. Wenn überhaupt sollte man nur Eukalyptus hinzugeben, denn nicht jedes ätherische Öl ist für Kinder geeignet. Kampfer und Menthol sind es zum Beispiel nicht. Und auch nicht alle pflanzlichen Arzneimittel sind gut für Kinder. Ein bekanntes Magenmittel beinhaltet beispielsweise Schöllkraut. „Das würde ich persönlich weder für Kleinkinder noch für ältere Kinder empfehlen, deren Leber weniger aushält, weil sie sich noch in der Entwicklung befindet.“

          Doch auch wenn die Schnupfennase des Nachwuchses fast eine Gewohnheit ist, kann es ab und an auch angezeigt sein, Erkältungssymptome mit einem Medikament zu behandeln. Da es sich zum Beispiel besser schläft, wenn die Nase frei ist, sind abschwellende Nasentropfen eine Behandlungsmöglichkeit. „Aber die niedrig dosierten“, betont Gerd Glaeske, „nicht die, die noch im Arzneischrank liegen, weil man sie selbst mal genutzt hat.“

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