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Beckenboden : Trainieren unter der Gürtellinie

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Aufgespannt wie ein Trampolin: Der Beckenboden stützt die inneren Organe und schließt den Bauchraum nach unten ab. Bild: dpa

Solange er keine Schwierigkeiten macht, wird er kaum wahrgenommen: der Beckenboden. Dabei leiden viele Frauen unter Problemen. Warum es sich also lohnt, die Aufmerksamkeit auf die eigene Körpermitte zu richten.

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          Okay, jetzt die Kniebeugen. Die Beine hüftbreit auseinander, beim Einatmen runter in die Knie, beim Ausatmen den Beckenboden anspannen - und wieder hoch!“ Angestrengtes Ein- und Ausatmen erfüllt den mit Gymnastikmatten ausgelegten Raum mitten in Berlin, in dem heute ein Rückbildungskurs stattfindet. Die Gesichter der acht Frauen, die hier nach der Geburt ihren Körper wieder in Schwung bringen wollen, sind nach innen gerichtet. Auch wenn es von außen gar nicht so aussieht: Ihre Mimik zeugt davon, dass es offenbar große Konzentration benötigt, seinen Beckenboden wahrzunehmen oder gar zu trainieren.

          Den Beckenboden nach einer Schwangerschaft wieder in Schuss zu bringen, das ist gesellschaftlich akzeptiert, aber sonst spricht man über dieses Geflecht aus Muskeln am unteren Ende des Rumpfs eher nicht. Dabei sind Störungen in der Funktion des Beckenbodens ein weitverbreitetes Phänomen. Bis zu fünfzig Prozent aller Frauen sind im Laufe ihres Lebens von einem nicht intakten Beckenboden betroffen. Wenn diese Muskulatur geschwächt ist, können Rückenschmerzen die Folge sein, aber auch Einschränkungen der Sexualität, Senkungen innerer Organe oder Inkontinenz.

          Trainierter Beckenboden bringt zahlreiche Vorteile

          Bei Männern sind Probleme mit dem Beckenboden seltener, jedoch nimmt auch hier die Belastung auf den Beckenboden im Alter zu und macht sich mit Inkontinenz und erektiler Dysfunktion bemerkbar.

          Sei es, dass es ein so schambehaftetes Thema ist, sei es, dass die Probleme heruntergespielt werden: Obwohl die Zahlen zeigen, dass viele Menschen Probleme damit haben, findet nur ein geringer Teil der Betroffenen frühzeitig den Weg zu einem Arzt. Studien zufolge spielt auch die weitverbreitete Annahme eine Rolle, ein Phänomen wie Inkontinenz sei eine unabwendbare Alterserscheinung, die man eben so hinnehmen müsse. Dabei lässt sich in einem frühen Stadium oftmals noch mit einfachen Maßnahmen wie Beckenbodentraining, Verhaltensänderungen oder Medikation Abhilfe schaffen.

          Der Beckenboden ist eine jener Körperregionen, um die man sich erst sorgt, wenn sie nicht mehr so funktioniert, wie sie sollte - und das, obwohl er sehr vielfältige Aufgaben übernimmt. Im unteren Becken aufgespannt wie ein Trampolin, stützt er die inneren Organe und schließt den Bauchraum nach unten ab. Er wirkt stabilisierend auf die untere Wirbelsäule und übernimmt die Schließfunktionen um Blase und After. Beim Sex führt ein trainierter Beckenboden bei der Frau zu mehr Lustempfinden, während er beim Mann für eine bessere Durchblutung des Penis sorgt und somit die Potenz steigert.

          Schwangerschaft und Geburt fordern Beckenboden

          Der Beckenboden besteht aus Muskeln, Sehnen und Bindegewebe und ist aus drei Schichten aufgebaut, die wie ein überkreuztes Gitter übereinanderliegen. Vom Schambein bis zum Steißbein, also von vorne nach hinten, erstreckt sich die innere, breiteste Schicht, welche die Hauptlast der Organe trägt. Die zweite Schicht ist fächerförmig aufgebaut und verläuft quer zwischen den Sitzhöckern im vorderen Bereich des Beckens. Die äußere Muskelschicht spannt sich wieder wie die erste von hinten nach vorne. Durch diese netzartige Struktur ist der Beckenboden besonders stabil. Durch die zusätzliche Öffnung und weil sie für die Dehnung bei der Geburt mit mehr Bindegewebe unterfüttert ist, ist die weibliche Beckenbodenmuskulatur etwas störanfälliger als die männliche.

          Mit dem Alter lässt ganz natürlich auch die Straffheit des Beckenbodens nach. Dafür verantwortlich sind langes Stehen, schweres Heben, aber auch erschütterungsintensive Sportarten wie Joggen, Aerobic oder etwa Tennis. Eine Veranlagung für schlechtes Bindegewebe, Übergewicht, Diabetes mellitus, Verstopfung, chronischer Husten und Asthma sowie die hormonellen Veränderungen während der Wechseljahre bei der Frau gelten ebenfalls als Risikofaktoren. Auch Bauchoperationen wie Gebärmutter- oder Prostataentfernungen wirken sich auf die Funktionsweise des Beckenbodens aus. Prostataoperationen sind ein häufiger Grund für Probleme im Bereich des Beckenbodens beim Mann.

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