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Vorsorge : Virustest zum Krebs-Screening erfolgreich

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Humane Papillomviren unter dem Mikroskop: Zur Hausen hatte sie entdeckt, sie gelten als Auslöser für Gebärmutterhalskrebs Bild: dpa

Bei der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs gilt bei Frauen der sogenannte Pap-Test, eine Untersuchung gefärbter Schleimhautzellen, als Non-Plus-Ultra. Nun haben indische Forscher eine neue Methode entdeckt. Damit geht der Streit, ob die herkömmliche Methode noch zeitgemäß ist, in eine neue Runde.

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          Der Papanicolaou-Test (kurz Pap-Test genannt), die Untersuchung gefärbter Schleimhautzellen zum Screening auf Gebärmutterhalskrebs, ist seit Jahrzehnten so verbreitet, dass der Name lange Zeit gleichbedeutend mit jeglicher Krebsvorsorge der Frau war. Der Streit, ob diese Früherkennungsmaßnahme noch zeitgemäß ist, geht jetzt in eine neue Runde. Soeben veröffentlichte Rengaswamy Sankaranarayanan federführend für die „International Agency for Research on Cancer“ in Lyon eine Untersuchung, die die Überlegenheit der Virustestung über die zytologische Auswertung von Gebärmutterhalskrebszellen nach Georgios Papanicolaou belegt.

          In 52 Dörfern und Ansiedlungen in Indien wurden 131.746 Frauen in vier Gruppen unterteilt. Bei der ersten Gruppe wurde mittels des Virustests festgestellt, ob die Schleimhaut der Frauen mit Humanen Papillom-Viren (HPV) infiziert ist. Diese Viren gelten als Auslöser des Gebärmutterschleimhautkrebses. Der verwendete Test erfasst 13 der 15 bekannten HPV-Krebsviren und deckt somit zuverlässig fast das gesamte Spektrum der ursächlichen Erreger ab. Die zweite Gruppe der Frauen erhielt den Papanicolaou-Test, bei der dritten wurde die Schleimhaut gefärbt und ohne Gewebeuntersuchung mit dem bloßen Auge bewertet, die vierte Gruppe diente der Kontrolle und wurde keiner eigenen Krebsvorsorgemaßnahme unterzogen.

          Weniger Todesfälle nach HPV-Testung

          Jene Frauen, bei denen Vorstufen von Krebs oder eine schon fortgeschrittene Wucherung entdeckt wurde, wurden behandelt. Nach dieser jeweils einmaligen Testung überprüfte man nach acht Jahren, wie viele der Frauen später an Gebärmutterhalskrebs erkrankten. Dies waren 39 Fälle nach HPV-Testung und 82 bei den nicht weiter getesteten Kontrollen. Nach bloßer Inspektion traten 86 Krebserkrankungen auf und nach einem Papanicolaou-Test noch 58. Gleichzeitig gab es nach der HPV-Testung auch merklich weniger Todesfälle. Da die zu Beginn der Studie getesteten Gruppen etwa gleich groß waren, bedeutet dies, dass eine einmalige HPV-Testung die Risikorate weit mehr zu senken vermag als die anderen Maßnahmen. Zudem wurden viel weniger Tumoren und deren Vorformen übersehen - dem Virustest entgingen nur acht Erkrankte, dem Screening nach Papanicolaou jedoch 22 und der bloßen Betrachtung 25 (New England Journal of Medicine Bd. 360, S. 1385).

          Die Bedeutung der Studie, heißt es in dem dazugehörigen Kommentar von Mark Schiffmann vom „National Cancer Institute“ in Bethesda, gehe weit über Indien hinaus. Überschaut man die Debatten der vergangenen Jahre, so sind solche Töne nicht neu. Die Frage, ob es endlich an der Zeit sei, die jährliche Vorsorge mittels Abstrich aufzugeben, wurde schon öfter gestellt und mit jeweils guten Argumenten. Schließlich gibt es auch in westlichen Ländern schon Vergleichsstudien zwischen den Früherkennungsverfahren und Fachleuten, die die Virustestung propagieren.

          Ein Segen für Entwicklungsländer

          Während jedoch der Papanicolaou-Test fest in der Krebsfrüherkennung verankert ist, übernehmen in Deutschland derzeit nur die privaten Krankenkassen die Kosten für den Virustest. Eine klare Empfehlung, ob ein negativer HPV-Test - der bezeugt, dass die Frau nicht infiziert ist - wirklich dazu berechtigt, auf die jährliche Früherkennung zu verzichten, gibt es ebenfalls nicht. Allenfalls heißt es, die Patientin könne sich dann eine längere Pause zwischen den Vorsorgeuntersuchungen leisten. Der Papanicolaou-Test ist die heilige Kuh der Krebsfrüherkennung.

          Die Angst, dieses Symbol in den westlichen Ländern mit ihren etablierten Vorsorgeprogrammen anzugreifen, könnte dazu führen, dass die Virustests den Frauen in Entwicklungsländern eher zugutekommen. Denn dort kann man sich kein aufwendiges jährliches Screening leisten. Der in dieser indischen Studie verwendete Test hat sich nach kurzer Unterweisung des Personals schon als leicht handhabbar erwiesen. Zudem wird gerade eine weitere Version entwickelt, die für Regionen ohne fließendes Wasser und Strom geeignet ist.

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