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HIV-Vorsorge : Eine Pille für die Lebensqualität

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Das amerikanische Original: Truvada-Tabletten. Bild: DR P. MARAZZI/SCIENCE PHOTO LIBR

Seit kurzem ist in Deutschland ein Arzneimittel zugelassen, das Neuinfektionen mit HIV verhindern kann. Das Medikament hat seinen Preis – und ob Risikogruppen es von den Kassen bezahlt bekommen sollen, ist umstritten.

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          Zaudern liegt nicht in Erik Tenberkens Natur. Zumindest nicht, wenn es um sein Lebensthema HIV geht. Der Apotheker aus Köln ist die treibende Kraft hinter einer Kooperation zwischen einem Arzneimittelhersteller und Apotheken, die einen Meilenstein in der Reduktion von HIV-Neuinfektionen in Deutschland bedeuten kann: die sogenannte PrEP. Das Kürzel steht für Prä-Expositions-Prophylaxe. Dahinter versteckt sich eine medikamentöse Prävention gegen HIV. Hauptzielgruppe der PrEP sind gesunde, homosexuelle Männer mit einem sogenanntem Risikoverhalten. Bedeutet: Sie haben regelmäßig Sex mit wechselnden Partnern und das auch mal ohne Kondom. Schützt Mann sich nun täglich mit der PrEP, kann sich der Virus in seinem Körper nicht vermehren. Der Mann bleibt HIV-negativ. So die Idee.

          In den Vereinigten Staaten wurde PrEP bereits 2012 zugelassen, zahlreiche Studien schreiben ihr eine mindestens 85-prozentige Wirksamkeit zu. Werden die Vorsorge-Pillen absolut verlässlich eingenommen, liegt der Schutz bei nahezu hundert Prozent.

          Als 2016 das amerikanische Originalpräparat Truvada auch auf den deutschen Markt als PrEP kam, hat Erik Tenberken die Nachfrage in seiner Kölner HIV-Schwerpunktapotheke persönlich mitbekommen. Sobald er den Kunden jedoch die monatlichen Kosten von 820 Euro für das Präparat am Verkaufstresen nannte, „haben die uns alle verstört angeguckt. Sorry, wer kann das bezahlen?“ Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht.

          Seit Oktober ist PrEP in Deutschland erhältlich

          Auch der Ablauf des Patents für Truvada in diesem Sommer hat nur einen geringen finanziellen Vorteil gebracht. Die Generika kosten noch immer rund 470 Euro monatlich. Tenberken wollte das so für seine Kunden nicht akzeptieren. „Ich habe dann überlegt: Wie kann man diesen Preis senken?“ Und er fand eine Lösung. Sie ist aber so komplex, dass man als Laie nur schwer folgen kann, wenn Tenberken loslegt und erzählt. Im Groben geht es um das Zusammenspiel und die Abrechnungsmodalitäten zwischen Arzneimittelherstellern, Krankenkassen und Apotheken in Deutschland. Es geht um Rabatte, die Tenberken über die Herstellungserlaubnis seines Zentrums für die Verblisterung von Medikamenten gewährt werden können. Grundvoraussetzung jedoch ist, dass die Tabletten verblistert, das heißt, patientenindividuell und ausschließlich für die PrEP verpackt werden. Genau für diesen Weg konnte er am Ende den Generika-Hersteller Hexal gewinnen. Tenberken konnte mit dem Hersteller einen Preis für PrEP verhandeln, der mit den Kosten des Präparates, die man halb legal im Internet zahlen muss, mithalten kann. Die 50-Euro-PrEP für Deutschland war geboren; seit Oktober ist sie erhältlich.

          Steve Willich nimmt diese 50-Euro-PrEP seit zwei Wochen. Gemeinsam mit Sebastian Lange sitzt er an einem runden Tisch in den Räumen der Aids-Hilfe Frankfurt, die sich über dem Vereinscafé in der Innenstadt befinden. Der 34-jährige Soziologe arbeitet hier und ist unter anderem für das „Betreutes Wohnen“-Projekt der Aids-Hilfe zuständig. Er schluckt seine tägliche Tablette mittags nach dem Essen und hat bisher weder ein Problem damit, sich an die neue Routine zu gewöhnen, noch spürt er Nebenwirkungen. Diese allerdings kann es geben, immerhin „sprechen wir hier nicht von Kamellen“, wie es der Kölner Tenberken ausdrückt, „sondern von einem hochwirksamen, verschreibungspflichtigen Arzneimittel“.

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