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Vorsorge bei Kindern : Warst du bei der U?

Der Smiley ist das Logo des U-Heftes. Seit den siebziger Jahren bekommt jedes Kind schon im Kreißsaal das gelbe Vorsorgeheft mit auf den Lebensweg. Bild: Gemeinsamer Bundesausschuss G-BA

Das gelbe Vorsorgeheft begleitet Kinder von Geburt an. Jetzt wurde es reformiert. Das hat Folgen für Eltern, Kinder und Ärzte. Was ist neu und wo gibt es das Heft? Hier ein Überblick.

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          Eltern kennen die Frage. Kaum haben sie samt Nachwuchs den Tresen der Kinderarztpraxis erreicht, heißt es schon: „Haben Sie das U-Heft dabei?“ Seit den siebziger Jahren gehört das „Kinder-Früherkennungsprogramm“ zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherungen. Seitdem bekommt jedes Kind schon im Kreißsaal das gelbe Vorsorgeheft mit auf den Lebensweg. Bis etwa zur Einschulung begleitet dieses das Kind zu praktisch jedem Arztbesuch, aber vor allem zu den sogenannten „Vorsorgeterminen“. Neun Untersuchungen von der ersten Lebensstunde bis zum 64. Lebensmonat, U1 bis U9, sind darin vorgesehen.

          Lucia Schmidt

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Seit Anfang September gibt es nun eine grundlegend überarbeitete Version dieses Untersuchungsheftes. Wir haben uns angeschaut, was das für Eltern, Kinder und Ärzte bedeutet.

          Warum waren Neuerungen nötig?

          Laut dem Gemeinsamen Bundesausschuss, dem Beschlussgremium der Selbstverwaltung von Ärzten, Psychotherapeuten, Krankenhäusern und Krankenkassen, wurden die Untersuchungsinhalte zuletzt in den Jahren 1977 und 1987 grundlegend überarbeitet und seitdem kaum verändert. Lediglich neue Untersuchungstermine oder -verfahren wie etwa die U9 (Sprachentwicklung), U7a (Zahnentwicklung, Impfungen usw.) oder die Hüftsonographie für Neugeborene kamen dazu. Die Lebenswelt der Kinder jedoch hat sich wie auch die Möglichkeiten der Medizin in den vergangenen dreißig Jahren maßgeblich verändert, so dass es Experten zufolge höchste Zeit war, die Inhalte der Vorsorgeuntersuchungen zu reformieren. „Gedeihstörungen oder etwa Tuberkulose spielen heute eine geringere Rolle als früher“, sagt Barbara Mühlfeld, Fachärztin für Kinderheilkunde aus Bad Homburg. Auch schwere Fehlbildungen am Herzen oder anderen Organen würden heute meist nicht erst während der Vorsorge älterer Kinder, sondern häufig schon in der Pränataldiagnostik entdeckt.

          Was genau hat sich geändert?

          Die Änderungen betreffen vor allem die psychosoziale Entwicklung des Kindes. Mit zusätzlichen Sozialanamnesen sollen die Betreuungssituation und die Belastung der Familie erfasst werden, ebenso Konzentrationsstörungen oder Verhaltensauffälligkeiten. Gezielt wird ab jetzt nach Medienkonsum und sportlichen Aktivitäten des Kindes gefragt. Der Hörtest bei der U8 sowie die Sehtests werden durch neuere medizinische Techniken präziser.

          Hinzugekommen sind außerdem „primärpräventive Beratungsinhalte“, wie es in der Richtlinie heißt. Gemeint ist: Der Arzt soll die Eltern auf Unfallverhütung, UV-Schutz, problematisches Schreien, richtige Ernährung sowie auf regionale Unterstützungsangebote hin beraten. Ebenso soll er die Eltern auffordern, zu den zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen zu gehen. Weitere Änderungen betreffen die Entwicklung von Grob- wie Feinmotorik und der Sprache. In den ersten vier Lebenswochen wird nun bei jedem Kind ein Mukoviszidose-Screening durchgeführt sowie an die Eltern eine „Farbtafel“ ausgeteilt, anhand deren sie die Farbe des Stuhls des Kindes beurteilen können, um frühzeitig etwa Störungen der Gallenwege festzustellen.

          Was passiert mit all diesen neuen Daten über das Kind?

          Wie bisher fallen sie unter die Schweigepflicht des Arztes und werden, soweit verlangt, in dem gelben Heft notiert. Doch Kinder- und Jugendärztin Mühlfeld sieht hier durchaus Aufklärungsbedarf: „Mit den neuen Richtlinien werden auch sehr sensible Daten abgefragt“ - wie etwa bei der U3 die Interaktion zwischen Mutter und Kind oder fehlende „emotionale Kompetenzen“. Mühlfeld sagt: „Wir Ärzte müssen Eltern darauf hinweisen, dass das Heft solche Daten enthalten kann, falls sie es in Kindergärten oder bei Versicherungen vorlegen müssen.“

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