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Epidemie in Afrika : Auswärtiges Amt rät „dringend“ von Reisen in Ebola-Gebiete ab

  • Aktualisiert am

Up and away: Die Lufthansa fliegt täglich von Frankfurt aus zwei Ziele in Nigeria an - Lagos und Abuja Bild: dpa

Wegen des Ausbruchs von Ebola in mehreren afrikanischen Ländern rät das Auswärtige Amt „dringend“ vor Reisen in betroffene Länder ab. In Spanien haben Zehntausende die Rückkehr eines Ebola-Kranken gefordert.

          Das Auswärtige Amt rät wegen der Ebola-Epidemie in Westafrika „dringend“ von Reisen nach Sierra Leone, Liberia und Guinea ab. Es sei möglich, dass Ausreisemöglichkeiten aus diesen Ländern weiter beschränkt würden, heißt es in den am Dienstag aktualisierten Reise- und Sicherheitshinweisen für die drei Länder. Trotz internationaler Bemühungen sei ein Ende der Ausbreitung nicht absehbar. Von der schwersten je registrierten Ebola-Epidemie ist auch Nigeria betroffen, das mit Abstand bevölkerungsreichste Land Afrikas. Die Zahl der Toten geht auf die 1000 zu.

          Seit das Virus auch in Nigeria festgestellt wurde, gibt es erstmals direkte Flugverbindungen zwischen einem von Ebola betroffenen Land und Deutschland. Die Lufthansa fliegt täglich von Frankfurt aus zwei Ziele in Nigeria an: Lagos und Abuja. „Wir verfolgen die Situation aufmerksam“, sagte ein Lufthansa-Sprecher der Nachrichtenagentur dpa. „Wir planen derzeit aber keine Veränderung in unserem Angebot.“

          Der Flugbegleiter-Organisation Ufo ist nicht bekannt, dass das Kabinenpersonal der Airlines wegen Ebola besonders geschult worden wäre. Eventuell habe es ein Rundschreiben mit den Symptomen gegeben, Ebola scheine aber „kein Thema“ zu sein, sagte ein Ufo-Sprecher. Viele Fluggesellschaften hätten eine „Angstklausel“: Wer in ein bestimmtes Land nicht fliegen wolle, könne das für den Dienstplan anmelden und werde dann auf diesen Flügen nicht eingesetzt.

          Lange waren lediglich drei afrikanische Länder von Ebola betroffen: Guinea, Liberia und Sierra Leone. Dorthin gab es nach Angaben von Fraport keine Direktverbindungen. Am Montag gab das Gesundheitsministerium Nigerias bekannt, dass das Virus bei einem Arzt nachgewiesen wurde, der den infizierten Fluggast aus Liberia behandelt hatte. Mit Nigeria ist nun das mit Abstand bevölkerungsreichste Land Afrikas von der schwersten je registrierten Ebola-Epidemie betroffen.

          Außer Kontrolle

          Wegen der Epidemie setzte nach der arabischen Fluglinie Emirates am Dienstag auch British Airways die Flüge in das Krisengebiet aus. Zunächst bis Ende des Monats werden Sierra Leone und Liberia nicht mehr angeflogen, wie die Muttergesellschaft IAG am Dienstag mitteilte. Die Gesundheit und Sicherheit von Passagieren, Besatzung und Bodenpersonal habe höchste Priorität.

          Die Epidemie, die im Februar in Guinea ausgebrochen war, ist nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) außer Kontrolle geraten. Beim jetzigen Ausbruch sind bisher 887 Menschen ums Leben gekommen. Die Krankheit ist sehr ansteckend. Das Virus führt in 60 bis 90 Prozent aller Fälle zum Tod.

          Zehntausende Spanier protestieren

          Zehntausende Spanier haben von der Regierung in Madrid unterdessen die sofortige Rückkehr eines spanischen Geistlichen gefordert, der sich in Liberia mit dem Ebola-Virus infiziert hat. Die entsprechende Internetpetition war am Dienstagabend bereits von mehr als 75.000 Menschen unterstützt worden. Der 75 Jahre alte Johanniter , der seit acht Jahren in Liberia für eine Nichtregierungsorganisation tätig ist, sagte der Nachrichtenagentur efe, er fühle ich im Stich gelassen.

          Ein Test ergab am Montag, dass er Ebola hat. „Ich würde gern nach Spanien, weil wir hier sehr schlechte Erfahrungen gemacht haben. Man hilft uns nicht.“
          Die Situation im Krankenhaus sei sehr schlimm, ließ die spanische Nichtregierungsorganisation „Juan Ciudad“ wissen. Neben dem Geistlichen seien auch zwei Missionarinnen infiziert. Insgesamt seien seit dem 1. August sechs Missionare unter Quarantäne gestellt.

          Die Vereinigten Staaten haben bereits zwei infizierte Bürger des Landes aus Liberia ausgeflogen. In Madrid teilte das Außenministerium unterdessen mit, zuständig sei das Gesundheitsressort. Das wollte sich zunächst aber nicht äußern.

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