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Prothesen aus dem 3-D-Drucker : Vom Krieg versehrt

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Auf dem Weg der Genesung: Die fünfjährige Najam aus dem Jemen mit Logopädin Rawan Arar. Bild: Hussein Amri/MS

Täglich verlieren in den Kriegsgebieten des Mittleren Ostens Menschen Arme und Beine – unter ihnen auch viele Kinder. In einem Krankenhaus in Jordanien werden sie nun mit Prothesen aus dem 3-D-Drucker versorgt. Ein großes Glück.

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          Es ist eine lachende Kuh, die mich aus der Fassung bringt. Ihr roter Kopf, ihr geöffnetes Maul rufen urplötzlich schöne Erinnerungen hervor. Das Substrat eines unbeschwerten Familienurlaubs in der Bretagne: das kleine Ferienhaus, der wellenreiche Atlantik, mein Bruder, der uns mit seinem Rennrad Baguette holt. Das wird mittags am breiten Sandstrand geteilt, dazu gibt es den Käse aus dem runden Karton, auf dem das Kuh-Konterfei und der Markenname stehen. Diese Bilder erscheinen mir in einer Deutlichkeit, die mich überrascht. Immerhin ist das alles mehr als 30 Jahre her. Auch die lachende Kuh habe ich seitdem nicht mehr bewusst wahrgenommen. Doch jetzt blickt sie mich unvermittelt an. Nicht sie selbst bereitet mir Unbehagen, es ist vielmehr der ganz andere Kontext, in dem ich ihr nun wiederbegegne. Und der mir so eindrücklich klarmacht, wie privilegiert ich lebe – schon immer gelebt habe.

          Genau diese Verpackung in den französischen Nationalfarben liegt nämlich nun etwa einen Meter von mir entfernt auf einem Tisch in einem kleinen Behandlungszimmer in einem Krankenhaus in Amman mitten in Jordanien. An dem Tisch sitzt der 30 Jahre alte Mohammad Al-Ta’ezy. Sein linker Unterarm endet in einem Stumpf. An der rechten Hand fehlen ihm der Daumen und die Endglieder von Mittelfinger und kleinem Finger. Neben ihm steht Rawan Arar, eine Ergotherapeutin. Sie hat den Käse an diesem Morgen gekauft. Mohammads Aufgabe lautet, eine der acht Streichkäseecken aus der Packung zu nehmen, sie von der Alufolie zu befreien und mit einem Plastikmesser auf einen Cracker zu streichen. Es gelingt ihm nicht wirklich gut.

          Der Jemenit ist seit rund zwei Wochen Patient im „Reconstructive Surgery Hospital“ von Ärzte ohne Grenzen, das auf Wiederherstellungschirurgie spezialisiert ist. 2006 startete die private Hilfsorganisation das Projekt, das als einziges seiner Art im Nahen Osten rekonstruktive Chirurgie und orthopädische Rehabilitation anbietet. Seit 2014 befindet sich die Klinik in einem achtstöckigen Gebäude im Osten der rund vier Millionen Einwohner zählenden Hauptstadt Jordaniens.

          Patienten aus dem Gazastreifen, Syrien und Irak

          Jordanien liegt als vermeintlich sicheres Land inmitten einer geopolitisch instabilen Region. Im Westen grenzt es an die palästinensischen Autonomiegebiete und an Israel, im Norden an Syrien, im Osten an den Irak. Die längste Grenze teilt sich Jordanien mit Saudi-Arabien. Die Hauptstadt des Jemen, Sanaa, liegt rund 2500 Kilometer südlich von Amman. Die meisten Patienten in der Klinik stammen heute von dort, zudem aus dem Gazastreifen, aus Syrien und noch vereinzelt aus dem Irak. Für die Versorgung dieser Kriegsverletzten wurde die Klinik ursprünglich gegründet, doch die verheerenden Gewaltausbrüche in der Region erfassten in den vergangenen zehn Jahren ein Land nach dem anderen.

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