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Vogelgrippe : Drei Bundesländer verbannen Geflügel in den Stall

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Aus Furcht davor, daß die Vogelgrippe durch Zugvögel in Deutschland eingeschleppt werden könnte, haben drei Bundesländer vorsorglich die Freilandhaltung von Geflügel bis November ausgesetzt. Der Sinn der sogenannten Aufstallungsrichtlinie ist jedoch umstritten.

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          Aus Furcht vor der in Asien grassierenden Vogelgrippe ist an diesem Donnerstag in drei Regionen Nordrhein-Westfalens ein zeitlich begrenztes Verbot der Freilandhaltung von Geflügel in Kraft getreten.

          Am Niederrhein, in drei Orten des Westmünsterlandes und im Raum Petershagen bei Minden darf Federvieh bis zum 30. November nur in Ausnahmefällen im Freien gehalten werden. Die betroffenen Gebiete werden von Zugvögeln aus Rußland als Rast- und Nistplätze aufgesucht. Über die Ansteckungsgefahr mit dem Virus sind sich Experten uneinig. Der Sinn der Aufstallungsrichtlinie ist umstritten.

          „Das Gefährdungspotential ist nicht belegt“

          Das CDU-geführte Agrarministerium in Düsseldorf will nach eigenem Bekunden mit größtmöglicher Sicherheit vermeiden, daß Vogelgrippe-Viren in einheimische Bestände eingeschleppt werden. Die NRW-Richtlinie geht in einigen Punkten über die Vorgaben von Bundesverbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) hinaus. Künast hatte deshalb am Mittwoch von einem Alleingang der Länder gesprochen, der in Übereinstimmung mit den anderen EU-Staaten, Forschern und der Mehrheit der Länder nicht angemessen sei.

          Drei Bundesländer sperren Geflügel vorerst ein
          Drei Bundesländer sperren Geflügel vorerst ein : Bild: dpa/dpaweb

          Auch der Deutsche Tierschutzbund hält die Maßnahmen für völlig verfrüht. „Das Gefährdungspotential durch Wander-Zugvögel ist wissenschaftlich nicht belegt“, sagte der Präsident des Tierschutzbundes, Wolfgang Apel. „Wir brauchen Tierschutz mit Augenmaß“, sagte er. Auch die Leiterin des Nationalen Referenzlabors für Vogelgrippe in Riems (Mecklenburg-Vorpommern) bezweifelte, daß die Maßnahmen sachgerecht sind. Es sei sehr fraglich, ob erkrankte Tiere tatsächlich das Virus über den Vogelzug einschleppen können, sagte Ortrud Werner der Nachrichtenagentur dpa. „Am Vogelzug nehmen nur gesunde und leistungsstarke Tiere teil.“

          Stichproben durch Tierärzte

          Von dem so genannten „Aufstallungsgebot“ für Geflügel wie Enten, Gänse, Puten und Hühner sind in Nordrhein-Westfalen nach Angaben des Agrarministeriums in Düsseldorf 150 gewerbliche Betriebe in den Kreisen Wesel, Kleve, Borken und Minden-Lübbecke betroffen. Sie halten 35.000 Tiere in Freilandhaltung. Meldungen über Schwierigkeiten bei der Umsetzung seien noch nicht eingegangen, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Im Kreis Borken war bis zum Nachmittag noch kein Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung eingegangen, sagte Amtstierarzt Albert Groeneveld. Auch im Kreis Wesel lief die Umsetzung der Richtlinie ruhig an. Vor allem die größeren Betriebe hätten sich längst gewappnet, sagte Kreissprecher Gerhard Patzelt. „Das ist ja in deren ureigenem Interesse.“

          Tierärzte und Fachpersonal seien jedoch in den nächsten Tagen völlig ausgelastet, um die Umsetzung zu kontrollieren. Stichprobenweise würden erst die Großbetriebe unter die Lupe genommen, dann die mittleren und erst danach die vielen Hobby-Halter. Tierhalter, die keine Stallungen haben, dürfen in Ausnahmefällen die Laufgehege mit Netzen überspannen, um das Geflügel auf diese Weise von Wildtieren fern zu halten. Diese Haltungsform muß dann von regelmäßigen Untersuchungen der Tiere und deren Blut begleitet werden.

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