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Vogelgrippe : Die verhinderte Pandemie

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Vogelgrippe: Forscher glauben, drohende Pandemie verhindern zu können Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Der gefährliche Vogelgrippe-Virus vom Typ H5N1 hat Rußland erreicht und scheint sich Europa immer mehr zu nähern. Epidemologen glauben nun in Simulationen herausgefunden zu haben, wie die Ausbreitung der Erreger gestoppt werden könnte.

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          Nachdem in jüngster Zeit unabhängig voneinander in Südostasien und zuletzt in Rußland Vogelgrippeviren vom Typ H5N1 aufgetaucht sind, von denen einige auch für den Menschen hochgefährlich sind, ist die Sorge unter den Medizinern groß, daß eine tödliche Grippepandemie ausbrechen könnte. Sowohl eine Gruppe amerikanischer als auch europäische Epidemiologen haben jetzt in dem Zeitschriften „Science“ beziehungsweise „Nature“ Empfehlungen präsentiert, wie man ein globales Ausbreiten des Virus möglicherweise rechtzeitig unterbinden könnte.

          Die Vorschläge basieren auf mathematischen Modellen, in denen durch Simulationen versucht wird, die Ausbreitung des Erregers zu verhindern, sobald erkennbar ist, daß der Erreger von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Beide Forschergruppen stützen sich auf Erfahrungen, die man bei früheren Grippewellen gemacht hat. Außerdem orientieren sie sich an dem Fall, daß eine Epidemie in einem dünn besiedelten ländlichen Gebiet Thailands ausbricht.

          Viren könnten eingedämmt werden

          Wie die Berechnungen gezeigt haben, ist man offenbar nur mit einer Kombination aus mehreren Maßnahmen einigermaßen sicher in der Lage, die befürchtete Epidemie mit dem H5N1-Virus gleichsam im Keim zu ersticken. Die von Ira Longini geleitete Arbeitsgruppe von der Rollins School of Public Health der Emory University in Atlanta hat in ihrem Simulationsexperiment gezeigt, kann man durch die Ausgabe virushemmender Medikamente (Neuraminidasehemmer), zusammen mit Quarantänemaßnahmen - also der Isolierung von Infizierten und ihren Kontaktpersonen - und einer Impfung eine lokale Epidemie abfangen. Das gilt auch dann, wenn der Grippeimpfstoff noch nicht hundertprozentig maßgeschneidert ist.

          Die Forscher um Neil Ferguson vom Imperial College in London haben in ihrem Modell errechnet, daß die prophylaktische Gabe eines Neuraminidasehemmers an mehr als neunzig Prozent der Menschen in einem bestimmten geographischen Kreis, das Isolieren Infizierter und ihrer Kontaktpersonen, sowie das Unterbinden sozialer Kontakte in Schule oder Firma eine Pandemie verhindern könnten. Entscheidend sei die schnelle und richtige Diagnose, gefolgt von einer sofortigen medikamentösen Behandlung, die innerhalb der ersten zwei Tage nach dem Registrieren der ersten Fälle erfolgen sollte. Für Thailand müßten in einem solchen Fall drei Millionen Dosen Neuraminidasehemmer bevorratet sein, damit die Strategie erfolgreich sein könne. Darüber hinaus sei schon im Vorfeld eine enge internationale Kooperation unverzichtbar.

          Die Weltgesundheitsorganisation in Genf begrüßte die Empfehlungen. Sie ermahnte aber zugleich die am meisten betroffenen asiatischen Staaten, insbesondere die Überwachung der Vogelgrippe-Epidemie und die schnelle Meldung von Infektionen zu verbessern.

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