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Vogelgrippe : Der Sprung auf den Menschen

Mindestens 20 Millionen Menschen starben 1918 an Vogelgrippe Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Schon 1918 führte ein Vogelgrippevirus zur Pandemie, das vielleicht auch aus China stammte. Alle Wissenschaftler sind sich einig, daß der Menschheit wieder eine Influenza-Pandemie bevorsteht. Die Frage ist nur: wann?

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          Die Menschen ertranken - oft nach nur wenigen Stunden. Zuerst spürten sie einen dumpfen Schmerz im Kopf, die Augen brannten, der Körper wurde von einem heftigen Fieber geschüttelt. Trotzdem froren die Patienten, konnten sich bald schon kaum noch bewegen. Dann färbte sich ihr Gesicht bräunlich-violett, ihre Füße schwarz. Zum Schluß schnappten die Todgeweihten nur noch nach Luft, spuckten Blut, während sich die Lungen mit rötlicher Flüssigkeit füllten.

          Peter-Philipp Schmitt
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Die ersten, die starben, schienen Spanier zu sein. Tatsächlich war Spanien nur das erste Land, das den Ausbruch der Seuche nicht verheimlichte, wie es die anderen Staaten, meist noch im Krieg stehend, taten. Das damals unbekannte Virus läßt sich, so nehmen einige Wissenschaftler heute an, bis in eine Kaserne in Kansas zurückverfolgen. Von dort könnten es amerikanische Soldaten im Frühjahr 1918 an die französische Front und damit nach Europa eingeschleppt haben. Nur wenige Monate später löschte die Krankheit selbst entlegene Inuitdörfer in der Arktis fast ganz aus. Millionen Menschen wurden dahingerafft. Ein Drittel der Weltbevölkerung könnte von der Seuche betroffen gewesen sein. In einigen amerikanischen Militärcamps kam jeder dritte Soldat ums Leben. Die Lebenserwartung in den Vereinigten Staaten sank vorübergehend um zwölf Jahre.

          Influenza-Pandemie steht bevor

          Obwohl die Pandemie nur wenig mit der saisonalen Grippe gemein hatte und manche Ärzte sie für Cholera, Typhus oder sogar Denguefieber hielten, wurde sie schon bald Influenza genannt. Das Wort Influenza sollen Italiener im 18. Jahrhundert geprägt haben. Sie bezeichneten damit eine Krankheit, die sich jedes Jahr pünktlich zum Winterbeginn einstellte: „un influenza di freddo“. Die Kälte, so glaubten sie, sei schuld an den Ausbrüchen. Dieses Mal aber gab es im Frühling des Jahres 1918 eine Seuche, die zudem schlimmer war als jede bislang bekannte Influenza. Trotzdem ging sie als „Spanische Grippe“ in die Geschichte ein.

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          Alle Wissenschaftler sind sich einig, daß der Menschheit wieder eine Influenza-Pandemie bevorsteht. Die Frage ist nur: wann? Einiges spricht dafür, daß das seit etwa zwei Jahren in Ostasien grassierende Vogelgrippevirus A/H5N1 zu einem Ausbruch führen könnte. Auch 1918 waren die Menschen an der Infektion mit einem Vogelgrippevirus gestorben - zwischen 20 und 50 Millionen Personen. Das Virus vom Subtyp A/H1N1 konnte erst vor wenigen Monaten von amerikanischen Forschern um Jeffrey Taubenberger aus Gewebeüberresten von damaligen Grippeopfern rekonstruiert werden. Dabei bestätigte sich der Verdacht, daß es sich um ein reines Vogelgrippevirus handelte. Und noch etwas beunruhigt die Wissenschaftler: Der Erreger der „Spanischen Grippe“ ist Virenstämmen der derzeit grassierenden Vogelgrippe genetisch ähnlicher als jedes andere bekannte Influenzavirus.

          Noch geringe Übertragungsfähigkeit

          Im Jahr 1997 wurde erstmals die direkte Übertragung eines Virus (Subtyp A/H5N1) vom Vogel auf den Menschen beobachtet. Bis dahin hatten Mediziner geglaubt, Vogelgrippeviren müßten sich stets erst mit an den Menschen schon angepaßten Influenzaviren vermischen, um die Fähigkeit zu erlangen, sich von Mensch zu Mensch ausbreiten zu können. Die sogenannte Doppelinfektion kann besonders gut in Schweinen vonstatten gehen, die zugleich mit Menschen und Geflügel in Berührung kommen. Schweine sind bekannt als sogenannte Mischgefäße (“mixing vessels“). In der Wissenschaft spricht man von einem Reassortment, einer Neuzusammensetzung ganzer Gensegmente, wie es etwa bei den beiden anderen großen Influenza-Pandemien geschah: Im Jahr 1968 bildete sich ein neues Virus aus dem menschlichen A/H2N2-Virus und einem von einem Vogel stammenden (aviären) A/H3-Virus mit einem unbekannten N-Subtyp. Dieses A/H3N2-Virus führte zur dritten Pandemie im 20. Jahrhundert - nach 1918/19 und 1957 - mit mindestens einer Million Toten.

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