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Vogelgrippe : „Der Erreger ist noch da“

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Thomas Mettenleiter: „Noch ein weiter Weg zu erhältlichem Impfstoff” Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die Gefahr einer neuen Vogelgrippewelle wächst. Durch den Vogelzug können infizierte Tiere die Seuche wieder ausbreiten. Im Interview mit der F.A.Z. spricht Thomas Mettenleiter, Präsident des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit, über die Gefahren.

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          Im Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (FLI) auf der Insel Riems wird auch die Vogelgrippe erforscht. Gerade hat der Vogelzug begonnen. Damit wächst die Gefahr, daß die Seuche in Deutschland abermals ausbricht. Auf dem Riems wurden seit Februar 344 Wildvögel, drei Katzen und ein Steinmarder positiv auf das Virus H5N1 getestet. Hinzu kam ein Putenbestand aus Sachsen. Zuletzt wurde am 3. August bei einem Trauerschwan aus dem Dresdner Tierpark das Virus nachgewiesen. Mit Thomas Mettenleiter, dem Präsidenten des Bundesforschungsinstituts, sprach Frank Pergande.

          Die ersten Zugvögel sind unterwegs. Steigt damit die Gefahr, daß es abermals zu einem Vogelgrippe-Ausbruch kommt?

          Wir wissen, daß der Erreger der Geflügelpest - in der Öffentlichkeit Vogelgrippe genannt - nicht einfach verschwunden ist. Er ist noch da. Erst Anfang August haben wir einen Trauerschwan aus Dresden positiv auf das Virus H5N1 getestet. Dieser Erreger hat sich seit 2003 von Asien aus nach Europa und Afrika ausgebreitet. Wir müssen also von einer Pandemie unter Wildvögeln sprechen. Wenn nun beim Vogelzug eine große Zahl empfänglicher Wildvögel auf engem Raum auftritt, kann der Erreger - egal, ob er von den Zugvögeln neu eingeschleppt wird oder in der einheimischen Wildpopulation noch vorhanden ist - auch leichter überspringen. Hinzu kommt, daß es kälter wird - und bei Kälte hält sich der Erreger länger.

          Wie kann der Gefahr begegnet werden?

          Hauptziel muß es weiterhin sein, die Nutztierbestände von Geflügelpest freizuhalten. Dazu dient auch das Aufstallungsgebot in Risikogebieten, die nahe an Rast- und Sammelplätzen von Wildvögeln oder in Gebieten mit viel Geflügel liegen. Wo ein Risikogebiet ist, das entscheiden die Bundesländer. Die Bundesverordnung, die dies vorschreibt, gilt seit Februar. Deutlich weniger als zehn Prozent des Bundesgebietes sind bisher als Risikozonen ausgewiesen. Hier müssen die Bundesländer überprüfen, ob die Einschätzung im Herbst noch zutrifft. In Mecklenburg-Vorpommern sind seit kurzem keine Ausnahmen vom Aufstallungsgebot mehr erlaubt. Es wäre überlegenswert, ob in einigen Risikogebieten, die nahe an Gewässern oder an bekannten Vogelrastplätzen liegen, überhaupt noch Freilandhaltung betrieben werden sollte. Das FLI hat soeben eine neue Risikobewertung herausgegeben. Auch das Wildmonitoring wird weitergeführt. Seit 2001 werden Wildvögel verschiedener Arten und aus verschiedenen Gegenden Deutschlands bei uns auf Grippeviren untersucht. Durch dieses Monitoring ist ja auch im Februar sehr schnell der Infektionsherd an der Wittower Fähre auf Rügen entdeckt worden.

          Wird es bald einen Impfstoff geben?

          Impfstoffe gibt es. Sie haben den Nachteil, daß infizierte von geimpften Tieren bislang nicht unterschieden werden können. Wir arbeiten an einem Impfstoff, der eine Unterscheidung erlaubt. Wir sind hoffnungsvoll, im nächsten Jahr mit den Feldversuchen beginnen zu können. Bis zu einem im Handel erhältlichen Impfstoff ist es freilich noch ein weiter Weg.

          Muß der Mensch sich wirklich vor dem Geflügelpest-Virus fürchten?

          Lange meinte man, die Geflügelpest sei nicht auf den Menschen übertragbar. Aber schon Mitte der neunziger Jahre wurden leichte Symptome bei Menschen nach Kontakt mit infiziertem Geflügel beschrieben. Die ersten Todesfälle durch H5N1 gab es 1997 in Hongkong. Inzwischen sind es fast 150, bislang alle in Asien. Allerdings ist 2003 auch ein niederländischer Kollege gestorben, der sich an Geflügel mit dem Virustyp H7N7 angesteckt hatte. Übrigens gibt es Hinweise darauf, daß der Erreger der Spanischen Grippe von 1918/19, bei der es mehr als 20 Millionen Tote gab, direkt vom Geflügel auf den Menschen überging. Grippeviren ändern schnell ihre Eigenschaften. Aus einem zunächst nur gering pathogenen Virus kann rasch ein hochpathogenes werden, wie bei H5N1 geschehen.

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