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Virologie : H5N1 - das Vogelgrippevirus

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H5N1 (braun) hat sich in Zellen festgesetzt Bild: dpa/dpaweb

Der wissenschaftliche Name für das Vogelgrippevirus erinnert an eine exotische chemische Verbindung. „H“ und „N“ sind jedoch Kürzel für zwei Proteine des Virus, denen entscheidende Bedeutung hinsichtlich seiner Gefährlichkeit zukommt.

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          Der Begriff H5N1, auf den man seit ein paar Tagen allenthalben stößt, erinnert an eine chemische Formel. In Wirklichkeit steht er aber nicht für eine exotische Verbindung aus Wasserstoff und Stickstoff, sondern für eine jener zahlreichen natürlichen Spielarten von Influenzaviren der Gruppe A, denen man aus gutem Grund argwöhnisch begegnen sollte. „H“ und „N“ sind die Kürzel für zwei Proteine des Virus, das Hämagglutinin und die Neuraminidase, denen entscheidende Bedeutung hinsichtlich der Gefährlichkeit zukommt.

          Das Hämagglutinin hilft dem Virus, sich einer Zelle anzulagern und mit ihr zu verschmelzen. Von diesem Eiweiß hängt es ab, in welchen Wirten sich das Virus vermehren kann. Das andere Protein, die Neuraminidase, fördert die Freisetzung der nächsten Virusgeneration. Die ebenfalls beim Menschen vorkommenden Influenzaviren der Gruppen B und C gelten als weniger gefährlich als diejenigen aus der Gruppe A.

          Alte Bekannte der Virologen

          Erreger, bei denen die Variante 5 des Hämagglutinins mit der Variante 1 der Neuraminidase kombiniert ist, sind für Virologen eigentlich alte Bekannte. Schon seit Jahrzehnten kursieren Influenzaviren dieses Typs in asiatischen Ländern bei Vögeln, insbesondere Wildenten und Hausenten sowie bei Gänsen. Den Tieren machte das aber nichts aus - und dem Menschen erst recht nicht. Influenzaviren neigen aber dazu, sich laufend zu verändern. Sie tauschen geradezu bereitwillig Teile ihres Erbgutes aus, wenn sie auf verwandte Stämme treffen. Auch ist ihr Erbmaterial besonders fehleranfällig. Die Mutationen können zu neuen Eigenschaften führen. So kann man es sich erklären, daß eine Variante des Vogelgrippevirus H5N1 plötzlich zur tödlichen Gefahr wurde - zunächst für Geflügel.

          Im Jahr 1997 infizierten sich in Hongkong sogar Menschen mit diesem abgewandelten Erreger. Von den 18 Personen, die als infiziert registriert wurden, starben sechs. In der Folge häuften sich alarmierende Meldungen aus Asien. Im Jahr 2002 war wieder Hongkong betroffen. Dort konnte man den Erreger durch systematisches Keulen von Geflügel stoppen. Doch Ende 2003 bis Anfang 2004 tauchten gefährliche H5N1-Viren auch andernorts in Asien auf. Mehr als 50 Menschen starben. Im Sommer 2004 wurden Vietnam und Malaysia heimgesucht. All das nährt die Befürchtung, daß der gefährliche Verwandlungskünstler eines Tages auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Eine weltumspannende Grippewelle, eine Pandemie, wäre dann nach Überzeugung von Experten so gut wie sicher.

          Bei der Influenzagrippe handelt es sich wahrscheinlich um eine noch recht junge Geißel der Menschheit. Es gibt Hinweise auf einen Ursprung gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Möglicherweise sind solche Influenzaviren damals zum ersten Mal vom Tier auf den Menschen übertragen worden. Vieles spricht dafür, daß es sich dabei ursprünglich um Vogelviren gehandelt hat.

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