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Vioxx-Skandal : Merck & Co muß neun Millionen Dollar Strafe zahlen

  • Aktualisiert am

Vioxx: kleine Tablette, gefährliche Wirkung Bild: AP

Für Merck & Co bleibt der Skandal um das Herzmittel Vioxx eine teure Angelegenheit. In einem Prozeß hat die Jury das Unternehmen zu einer Strafe von neun Millionen Dollar verurteilt. Grund: Merck habe wissentlich Informationen der Gesundheitsbehörde vorenthalten.

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          Der amerikanische Konzern Merck & Co hat vor einem Gericht in New Jersey in einem Verfahren um
          schädliche Nebenwirkungen seines umstrittenen Schmerzmittels Vioxx eine weitere Niederlage einstecken müssen. Die Aktie des Pharmariesen kippte daraufhin ins Minus.

          Die Jury verhängte am Dienstag gegen das amerikanische Unternehmen Strafzahlungen in Höhe von neun Millionen Dollar. Die Geschworenen in Atlantic City sahen es als erwiesen an, daß Merck wissentlich Informationen zu Vioxx vor der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA zurückgehalten hat. Das Verhalten von Merck rechtfertige die Verhängung von Strafzahlungen, gab die Jury bekannt. Merck kündigte an, dagegen Berufung einzulegen.

          Merck bestreitet Verheimlichung von Daten

          Die Geschworenen hatten bereits vor knapp einer Woche in demselben Fall dem 77 Jahre alten Kläger John McDarby und seiner Ehefrau ein Schmerzensgeld von 4,5 Millionen Dollar zugesprochen. Strafzahlungen sind in New Jersey auf maximal das Fünffache des Schmerzensgeldes begrenzt. In diesem Fall wären es bis zu 22,5 Millionen Dollar gewesen.

          Der Kläger hatte Merck vorgeworfen, daß die Einnahme von Vioxx mitverantwortlich für seinen Herzinfarkt gewesen sei. Erstmals war dabei auch der ehemalige Chef des Pharmariesen, Raymond Gilmartin, in einem Vioxx-Verfahren in den Zeugenstand getreten. Gilmartin, der Merck & Co während der Entwicklung und auch zum Zeitpunkt des Marktrückzugs von Vioxx leitete, hatte die Verheimlichung von Daten bestritten. Gilmartin war vom Chefposten bei Merck im Mai 2005 zurückgetreten, ursprünglich sollte er erst 2006 in den Ruhestand gehen.

          Profite vor Patientensicherheit

          Merck hatte Vioxx im September 2004 vom Markt genommen, nachdem eine Studie ein erhöhtes Risiko von Herzproblemen durch das Medikament bei Patienten aufgedeckt hatte, die das Mittel mindestens 18 Monate einnahmen. Kläger argumentieren, daß das Unternehmen über Jahre hinweg nicht ausreichend auf mögliche Risiken durch das Mittel hingewiesen habe.

          Merck hingegen hatte stets bestritten, Ärzte oder Aufsichtsbehörden über die Risiken des Mittels getäuscht zu haben. Im Jahr 2003 machte Merck mit dem Medikament einen Umsatz von mehr als 2,5 Milliarden Dollar. Die Anwälte des Klägers McDarby hatten in dem Verfahren argumentiert, Merck habe bei der Vermarktung von Vioxx immer die Profite vor die Patientensicherheit gestellt.

          Strafzahlung wird weitere Kläger motivieren

          Die Merck-Aktie verlor im frühen amerikanischen Handel 0,50 Prozent auf 34,24 Dollar. „Ich bin überrascht, daß Investoren dies nicht mit mehr Pessimismus aufnehmen“, kommentierte Analyst Scott Henry von Oppenheimer & Co. Das Urteil sei zwar nur ein Punkt unter vielen, aber keinesfalls eine positive Entwicklung.“ Die Strafzahlung wird die Anwälte von Klägern wieder motivieren“, fügte er hinzu.

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