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Wegen Corona ungeimpft : Viele Kinder sind nicht gegen Masern und Polio geschützt

Im Vergleich zum Vorjahr hätten 3,5 Millionen mehr Kinder 2020 nicht die erste Dosis des Impfstoffs gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten (DTP-1) und drei Millionen weitere nicht gegen Masern bekommen. Bild: dpa

Das Corona-Jahr 2020 wirkte sich laut WHO und Unicef auch auf Routineimpfungen von Kindern aus. Demnach wurden wesentlich weniger Dosen verabreicht als im Jahr zuvor. Doch schon zuvor sei die globale Impfrate stagniert.

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          Im Corona-Jahr 2020 haben wesentlich mehr Kinder ihre Routineimpfungen verpasst als im Jahr zuvor. Wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) am Donnerstag berichteten, stieg die Zahl noch einmal um 3,7 Millionen auf nunmehr 23 Millionen Kinder, die im vergangenen Jahr gegen Krankheiten wie Masern oder Kinderlähmung nicht geimpft worden sind. Am stärksten betroffen waren Südostasien und der östliche Mittelmeerraum. Allerdings konnten Kinder 2020 in fast allen Regionen der Welt lebenswichtige Impfdosen nicht bekommen.

          Hauptgrund sei der eingeschränkte Zugang zu Gesundheitsdiensten und Impfprogrammen gewesen, teilten WHO und UNICEF weiter mit. So hätten im Vergleich zum Vorjahr 3,5 Millionen mehr Kinder 2020 nicht die erste Dosis des Impfstoffs gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten (DTP-1) und drei Millionen weitere nicht gegen Masern bekommen. In gleich elf Ländern stieg die Zahl der Kinder, die keine erste DTP-1-Dosis bekamen, stark an – zum Teil verdoppelte sie sich sogar: in Indien, Pakistan, Indonesien, auf den Philippinen, in Mexiko, Mosambik, Angola, Tansania, Argentinien, Venezuela und Mali.

          Unterbrechungen von Impfprogrammen

          Schon vor der Covid-19-Pandemie hatte die globale Impfrate gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Masern und Kinderlähmung bei rund 86 Prozent stagniert. Damit lag sie weit unter den von der WHO empfohlenen 95 Prozent zum Schutz vor Masern; das ist häufig die erste Krankheit, die wieder ausbricht, wenn Kinder nicht mit Impfstoffen erreicht werden. Während der Pandemie kam es dann zusätzlich zu Unterbrechungen von Impfprogrammen, weil etwa das medizinische Personal für den Kampf gegen Covid-19 eingesetzt wurde oder Mädchen wegen Schulschließungen nicht gegen humane Papillomviren (HPV) geimpft werden konnten, was sie vor Gebärmutterhalskrebs schützen soll.

          „Die Covid-19-Pandemie und die damit verbundenen Unterbrechungen haben dazu geführt, dass wir an Boden verloren haben“, sagte Henrietta Fore, die Exekutivdirektorin von UNICEF. Die Konsequenzen müssten nun diejenigen „mit ihrem Leben und ihrem Wohlergehen tragen“, die sowieso schon am verletzlichsten seien. Zugleich wies Fore aber auch darauf hin, dass es schon vor Corona alarmierende Zeichen gegeben habe, dass die Weltgemeinschaft bei der Immunisierung von Kindern gegen vermeidbare Kinderkrankheiten zurückfalle. Das hätten etwa die weitverbreiteten Masernausbrüche vor zwei Jahren gezeigt. „Jetzt, wo wir die gerechte Verteilung der Covid-19-Impfstoffe im Hinterkopf haben, müssen wir daran denken, dass die Verteilung von Impfstoffen schon immer ungerecht war, aber nicht sein muss.“

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