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Psychische Erkrankungen : Lass dir doch bitte endlich helfen!

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Für psychisch Kranke ist die Entscheidung, sich in der Psychiatrie therapieren zu lassen, oft schwierig. Angst und Stigmatisierung spielen eine Rolle. Bild: ddp Images

Wenn psychisch kranke Menschen sich nicht therapieren lassen wollen, fühlen sich ihre Angehörigen in unserem Versorgungssystem oft alleingelassen. Wie kann das sein?

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          Ein Leben wie aus dem Bilderbuch, weitgehend sorgenfrei und fröhlich. So konnte man den Alltag von Monika und Frank Graf (beide Namen geändert) lange beschreiben, wenn man aus Nachbars Garten in ihr modern eingerichtetes Wohnzimmer blickte. Ihre beiden Kinder waren aus dem Gröbsten raus, der kleine Garten mit Teich sein Hobby, Volleyball spielen ihr Vergnügen, gemeinsam besuchten sie Ausstellungen, Konzerte und Restaurants – zumindest so lange, bis Monika Graf anfing, sich immer mehr zurückzuziehen.

          Lucia Schmidt

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ihr Interesse an gemeinsamen Familienausflügen war wie verflogen, stattdessen war sie ständig geschafft von der Arbeit, von den Kindern, vom Leben. Oder sie wollte nur noch allein mit Freundinnen etwas unternehmen, entdeckte das Langstreckenschwimmen für sich. Unter der Bademütze abgeschottet für Stunden.

          Ansprechen brachte kein Ergebnis

          Frank Graf stand in dieser Zeit oft verwundert neben seiner Frau, saß neben ihr im Auto und ertrug ihr Schweigen. Auf seine Fragen, wie es ihr eigentlich gehe, was sie bedrücke, konterte sie mit Anschuldigungen.

          Frank Graf war schnell klar, bei seiner Frau stimmte etwas nicht. Er recherchierte im Internet, kaufte Fachbücher, sprach mit befreundeten Medizinern und kam zu dem Schluss: Seine Frau entwickelte eine Depression. Nach Wochen des Abwartens konfrontiere Frank Graf seine Frau mit dieser Vermutung. Sie winkte ab, schob alles auf veränderte Bedürfnisse in ihr. Einen Arzt deswegen zu besuchen, gar einen Psychiater, das kam für sie nicht in Frage. Lieber färbte sie sich die Haare, kaufte eine neue Brille sowie flippige Klamotten und demonstrierte, schaut her, ich bin jetzt eine andere. Frank Graf sprach sie immer wieder auf dieses wechselhafte Verhalten an, doch erreichte sie nicht. Irgendwann fing er an, richtig Angst um sie zu bekommen. Doch Monika Graf war nicht zu bewegen, einen Arzt aufzusuchen. Monatelang ging das so.

          Angehörige sind oft hilflos

          Psychische Leiden verändern Menschen oft mehr als körperliche Erkrankungen. Sie beeinträchtigen Denken, Fühlen und Handeln. Ein depressiver Mensch kann sich für nichts mehr begeistern. Ein Maniker geht auf einmal unkalkulierbare Risiken ein, eine akute Psychose kann dazu führen, dass Menschen Halluzinationen haben und etwa mit Stimmen sprechen, die niemand sonst hört. Das alles ist schwer nachzuvollziehen für Angehörige, macht sie hilflos, gerade wenn der Betroffene jede Hilfe ablehnt.

          Frank Graf rief bei Psychiatern und psychiatrischen Ambulanzen an. Die hatten meist keinen Termin in absehbarer Zeit frei oder erklärten ihm, seine Frau müsse schon selbst anrufen, wenn sie einen Termin wolle. Das wollte sie aber nicht.

          Betroffene sehen sich meist selbst nicht als krank an

          Sich behandeln zu lassen oder eine Therapie in Anspruch zu nehmen sind freiwillige Entscheidungen. Beim Umgang mit einer Gallenblasenentzündung oder einem gebrochenen Fuß kann man davon ausgehen, dass dem Betroffenen sein gesundheitlicher Zustand bewusst ist und dass er dementsprechend handelt. Bei psychischen Erkrankungen ist das nicht selbstverständlich. Leidet jemand an einer Angsterkrankung, schafft er es vielleicht gar nicht erst aus dem Haus zum Arzt.

          Leidet einer an einer Psychose, fehlt ihm die „Krankheitseinsicht“, oft gilt das auch bei Sucht. Angehörige können dann nur wenig tun. Denn dem natürlichen Wunsch, sich um einen anderen zu kümmern, sein offenkundiges Leid zu beheben, steht Artikel 2 des Grundgesetzes entgegen, in dem zusammengefasst in etwa zu lesen ist: Der Mensch hat einen freien Willen, seine Selbstbestimmung steht an oberster Stelle. Davon gibt es eine Ausnahme: Nur wer sich selbst oder andere aufgrund einer psychischen Erkrankung in Gefahr bringt, dem darf gegen seinen Willen geholfen werden – was letztlich eine Zwangseinweisung in die Psychiatrie bedeutet.

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