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Verpackungen im Supermarkt : Geht’s auch ohne?

  • -Aktualisiert am

Ein Einkauf, viel Plastik: Lässt sich nicht ein Teil davon vermeiden? (Symbolbild) Bild: Frank Röth

In einigen Märkten von Rewe und Edeka kann man jetzt mit der eigenen Frischhaltedose an der Fleischtheke einkaufen. Zieht das verpackungsfreie Einkaufen jetzt in die großen Supermärkte ein?

          Auf dem Weg zum Supermarkt klappern bei manchen Kunden im Ruhrpott und in Baden-Württemberg seit kurzem die Tupperdosen in den Einkaufstaschen. Noch sind sie leer, denn zum Beispiel im Rewe in Duisburg und im Edeka in Binzen können Kunden an der Frischetheke jetzt Wurst und Käse in die eigene Tupperdose gepackt bekommen. Die mitgebrachte Dose stellt der Kunde einfach auf ein Tablett, welches die Mitarbeiter hinter die Theke nehmen und auf die Waage stellen. Dank Tara-Funktion spielt das Gewicht der Frischhaltedose keine Rolle und die Mitarbeiter packen die Salami statt in Folie und Tüten direkt in die Dose, in die sie zu Hause ohnehin gekommen wäre. Das Tablett geht dann wieder zurück zum Kunden, der die Dose selbst verschließt und den Bon drauf klebt.

          Julia Anton

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          „Die Mitarbeiter hinter der Theke sollen mit nichts in Berührung kommen, bei dem man nicht weiß, wo es vorher stand“, sagt Andrea Hüls von Lebensmittelüberwachung im Kreis Wesel. „Da die Mitarbeiter so die Dose nicht anfassen müssen, wird eine Kontamination vermieden.“ Einige Marktleiter haben das Konzept auf eigene Initiative und Kundenwunsch entwickelt, mit den zuständigen Lebensmittelüberwachungsbehörden abgesprochen und testen es jetzt für die Großkonzerne. Hält damit die Unverpackt-Bewegung Einzug in die Supermärkte der großen Ketten? Die kostenfreie Plastiktüte haben sie ja auch schon abgeschafft.

          Der Trend wurde von mehr als 50 Unverpackt-Läden angestoßen, in denen man die Lebensmittel in eigene Behälter füllen kann. Die gibt es in Deutschland meist in den Großstädten. Der Haken: Noch ist der Einkauf in diesen Läden oft teurer, da die Händler nicht zu den gleichen günstigen Konditionen einkaufen können wie die Großmärkte. Der Vorteil: Die Waren sind meist bio und tragen unverpackt zur Reduzierung des Plastikmülls bei. Außerdem nimmt man meist nur so viel mit, wie man tatsächlich braucht und verschwendet weniger Lebensmittel. Zero-Waste ist ein Konzept, das immer mehr Leute interessiert, die gerne ihren täglichen Müll verringern würden. Für viele sind Aufwand und Kosten aber bisher noch zu hoch. Das könnten die großen Supermärkte ändern.

          Nicht nur an der Wursttheke kann Plastik ersetzt werden

          „Verpackungen müssen auf das Maß reduziert werden, wie es nötig und praktikabel ist, sowie Abfälle größtmöglich dem Wertstoffkreislauf wieder zugeführt werden“, sagt ein Rewe-Sprecher. Der Konzern testet beispielsweise Graspapier für Verpackungen, ein Laserlogo für Obst und Gemüse und hat die Plastiktüte von Bananen bereits durch eine Banderole ersetzt. Was die flächendeckende Einführung der eigenen Dose an der Fleischtheke angeht, äußert der sich der Sprecher aber noch vorsichtig: „Für qualifizierte Aussagen zur Resonanz ist es noch viel zu früh.“

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