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Vergewaltigungsopfer in Köln : Ministerium prüft Abweisungsfall

  • -Aktualisiert am

Katholische Klink St. Vinzenz Bild: dapd

Nachdem ein mögliches Vergewaltigungsopfer von zwei katholischen Kliniken in Köln abgewiesen wurde, gibt es scharfe Kritik aus der Politik. Nun wird ein „Verstoß gegen den Versorgungsauftrag von Krankenhäusern“ geprüft.

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          Nach der Abweisung einer offenbar vergewaltigten Frau durch zwei katholische Kliniken in Köln prüft das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium, ob es „organisatorische Anweisungen“ gegeben hat, Vergewaltigungsopfer nicht zu behandeln. Wenn dies der Fall sei, „dann ist das ein Verstoß gegen den Versorgungsauftrag von Krankenhäusern“, sagte Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) der Zeitschrift „Spiegel“. Demnach erwägt die Ministerin Sanktionen gegen die Kliniken, im Extremfall könnten katholische Kliniken aus dem Krankenhausplan gestrichen werden. Ebenfalls im „Spiegel“ übte die stellvertretende nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann (Grüne) scharfe Kritik an den beiden Kliniken. „Die skandalösen Vorgänge in Köln widersprechen eklatant dem christlich-sozialen Auftrag dieser Krankenhäuser“, sagte Löhrmann, die seit kurzem auch Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken ist. „Einer vergewaltigten Frau nicht zu helfen ist ein Verstoß gegen die Menschlichkeit. Damit schadet sich die Kirche insgesamt.“ Frau Löhrmann kündigte an, den Kölner Fall im Zentralkomitee zu thematisieren.

          Mit dem katholischen Gedankengut nicht vereinbar

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Auch der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn übte scharfe Kritik. „Wer das Opfer einer Vergewaltigung abweist, verletzt grob seinen Versorgungsauftrag“, sagte Spahn der Zeitung „Welt am Sonntag“. Die „richtige Strafe für so viel Unmenschlichkeit“ so Spahn, sei eigentlich, die Krankenhäuser „vom Netz“ zu nehmen“. Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Karl Lauterbach, sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, die katholische Kirche habe sich im Kölner Fall keinen Gefallen getan: „Wenn sich das wiederholen sollte, müssen wir überlegen, ob die gynäkologische Notfallbetreuung überhaupt noch für katholische Krankenhäuser akzeptabel ist.“ Vergangene Woche war bekannt geworden, dass es zwei katholische Kliniken im Kölner Norden Mitte Dezember abgelehnt hatten, eine offenbar vergewaltigte 25 Jahre alte Frau aufzunehmen.

          Einer Notfallmedizinerin, die die Frau unter anderem zur Sicherung von Tatspuren einweisen wollte, teilten die beiden Kliniken mit, eine Untersuchung sei nicht möglich, weil im Arzt-Patienten-Gespräch auch über die „Pille danach“ aufgeklärt werden müsse. Das sei aber mit dem katholischen Gedankengut nicht vereinbar. Die Trägerin der beiden Kliniken, die Stiftung der Cellitinnen zur heiligen Maria, hatte sich vergangene Woche bei der jungen Frau entschuldigt. Es sei zu „Missverständnissen“ gekommen. Grund sei offenbar eine von Teilen des Klinikpersonals falsch ausgelegte, erst im November aufgestellte Handlungsrichtlinie des Trägers gewesen. In dem Regelwerk heißt es, dass außer der Abgabe der „Pille danach“ alle medizinischen Maßnahmen „sofort angeboten werden müssen“.

          Christoph Leiden, der Sprecher der Cellitinnen, wies einen Bericht der Zeitung „Kölner Stadtanzeiger“ zurück, wonach die Aktion einer Abtreibungsgegnerin ein Grund dafür gewesen sei, die Richtlinie im November neu zu fassen. Die Abtreibungsgegnerin hatte laut Bericht die Notdienstpraxis Köln-Nord nach angeblich ungeschütztem Geschlechtsverkehr aufgesucht und die „Pille danach“ verlangt und auch verschrieben bekommen. Danach habe sie den Vorgang dem Erzbistum Köln zur Kenntnis gebracht. Die Notdienstpraxis befindet sich zwar auf dem Gelände der katholischen St.-Vinzenz-Klinik, wird aber nicht von dem Klinikträger, sondern von der Kassenärztlichen Vereinigung betrieben.

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