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Epidemie in Westafrika : Vereinte Nationen fürchten Kollaps der Ebola-Staaten

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Viele Menschen in Westafrika wissen kaum etwas über Ebola, Liberia versucht mit Schaubildern aufzuklären Bild: dpa

Die Vereinten Nationen warnen vor einer humanitären Krise in den Ebola-Gebieten. Es müsse schnell und entschieden gehandelt werden. Helfer werfen den Regierungen dagegen Untätigkeit vor.

          Die Vereinten Nationen (UN) haben vor einem möglichen Zusammenbruch der von der Ebola-Epidemie erfassten Staaten Westafrikas gewarnt. „Es handelt sich längst um viel mehr als um einen Gesundheitsnotstand“, erklärte die UN-Koordinatorin für humanitäre Hilfe, Valerie Amos, am Dienstag in Genf. „Wenn nicht schnell gehandelt wird, droht den betroffenen Ländern eine massive humanitäre Krise.“

          Zunächst müsse verhindert werden, dass die Gesundheitsversorgung in den besonders betroffenen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone zusammenbreche. Dies gelte auch für die Bekämpfung anderer Krankheiten als Ebola. Wichtig sei zudem die Versorgung mit Nahrungsmitteln und Wasser. Die Kosten für die Bewältigung der Ebolakrise schätzen die UN auf gut eine Milliarde Dollar. Davon sei bisher ein knappes Drittel gedeckt, sagte der zuständige UN-Koordinator David Nabarro. Er lobte die gemeinsamen Anstrengungen einer Koalition aus Regierungen und privaten Organisationen, die am Dienstag in Genf über Hilfen beraten hatte.

          Ärzte ohne Grenzen kritisieren Regierungen

          Die Vorsitzende der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“, Joanne Liu, warf Regierungen beim gleichen Treffen Untätigkeit vor. In den vergangenen Wochen hätten nur einige wenige Länder die nötigen Hilfen zugesagt, kritisierte sie laut Redemanuskript. „Das Zeitfenster, um diese Epidemie zu stoppen, schließt sich“, so Liu. Die Zahl der Infizierten steige exponentiell an. Liu begrüßte Berichte, nach denen die Vereinigten Staaten 3000 Soldaten in die betroffenen Länder entsenden wollen.

          Derweil hat die Weltbank eine Hilfszahlung von 105 Millionen Dollar (77 Millionen Euro) für die von der Ebola-Epidemie betroffenen Staaten Westafrikas beschlossen. Die Hälfte des Geldes soll Liberia erhalten, wo bislang die meisten Infektionen verzeichnet wurden, wie die Weltbank am Dienstag mitteilte. Sierra Leone bekommt demnach 28 Millionen Dollar, Guinea 25 Millionen Dollar. Das Geld wird den Gesundheitsbehörden der drei Länder zur Verfügung gestellt sowie für zusätzliches medizinisches Fachpersonal und Nahrungsmittelhilfen für die Quarantänegebiete.

          Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte vor einem dramatischen Anstieg der Infektionen. „Wir können es schaffen, dass die Zahl der Infizierten fünfstellig bleibt, aber dafür brauchen wir eine sehr viel schnellere Reaktion“, sagte der stellvertretende Generaldirektor der Organisation, Bruce Aylward. Ende August hatte die WHO noch mit etwa 20.000 Ebolafällen gerechnet. Nach Ansicht von amerikanischen Experten könnte die Ebola-Epidemie dieses Krisenszenario der WHO aber bei weitem übersteigen. Das Virus werde noch mindestens zwölf bis 18 Monate grassieren und könnte Hunderttausende Menschen infizieren. Nach WHO-Angaben haben sich bis zum Dienstag 4985 Menschen mit dem Ebolavirus infiziert, davon sind 2461 bereits gestorben.

          Die meisten Toten hat bisher Liberia zu beklagen. Nach früheren Aussagen von Regierungsvertreten, wonach die Epidemie die Existenz des Landes bedrohe, hat nun Botschafterin Ehtel Davis die Welt in einem dramatischen Appell zur Hilfe aufgerufen. „Ich möchte heute einen Appell richten an die Bürger dieser Welt, der Bevölkerung Liberias zu helfen. Sie sterben, sie sind krank“, sagte sie am Dienstag bei einem Besuch im Medikamentenhilfswerk action medeor im niederrheinischen Tönisvorst während sie um Fassung rang. Das Land sei hilflos gegenüber Ebola und wisse nicht, wie es den gefährlichen Virus eingrenzen könne. „Unser Gesundheitssystem ist im Moment überlastet“, sagte sie. Berichte, wonach Liberias Staatspräsident Ellen Johnson-Sirleaf die deutsche Bundesregierung um Unterstützung gebeten hat, konnte die Botschafterin nicht bestätigen. „Es ist möglich“, sagte sie.

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