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Vereinigte Staaten : Der fatale Griff zur Spritze

  • -Aktualisiert am

Neue Gefahr für Jugendliche Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Immer mehr Jugendliche in Amerika nehmen anabole Steroide, um im Sport noch leistungsfähiger zu werden. Auch in Fitness-Studios kursiert der „Adonis-Komplex“. Für Dopingproben an Schulen und Colleges fehlt aber das Geld.

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          An den Tag im Herbst 2003, an dem Polizeibeamte zum Training kamen und einen seiner Footballspieler auf die Wache mitnahmen, kann sich Bobby Barnes noch gut erinnern. Damals wurde dem Sportlehrer klar, daß viele seiner Schüler an der Buckeye Union High School außerhalb von Phönix einen anderen Begriff von Körperertüchtigung haben als er.

          Eine Mutter hatte im Zimmer ihres Sohnes anabole Steroide gefunden und die Behörden alarmiert. Als Barnes, der das Team erst neun Wochen zuvor übernommen hatte, der Sache auf den Grund ging, stieß er auf das Ausmaß des Skandals: Insgesamt zehn junge Athleten hatten sich monatelang mit rezeptpflichtigen Mitteln vollgepumpt, die meist aus dem Nachbarland Mexiko in die Vereinigten Staaten geschmuggelt werden.

          Strafe das einzig richtige?

          Unlängst wurde Bobby Barnes wieder an den Fall erinnert. Da riefen ihn Reporter aus Texas an, wo an einer Vorstadtschule außerhalb von Dallas ein ähnlicher Fall mit neun jungen Nandrolon-Konsumenten aufgedeckt worden war. Barnes hatte einen praktischen Vorschlag für seinen Lehrerkollegen in Colleyville, der die Affäre heruntergespielt hatte. „Der beste Rat, den ich jemandem geben kann, lautet: Man muß mit den betreffenden Eltern reden und ihnen klarmachen, daß eine Strafe für ihre Kinder das einzig richtige ist.“

          In der kleinen Stadt Lakeland in Florida, wo in jedem Frühjahr die professionellen Baseballspieler der Detroit Tigers Station machen, um sich auf die Saison vorzubereiten, würde man auf solche Gespräche gerne verzichten. Deshalb verfiel der Schulausschuß des Schulbezirks auf eine neue, radikale Idee: Alle Oberstufenschüler, die an den nachmittäglichen Sportprogrammen teilnehmen, werden seit dem 18. Januar regelmäßig auf Steroide getestet.

          Regelmäßige Urintests an Schulen?

          Mit der Maßnahme gehört Lakeland zu den Pionieren einer Bewegung, die versucht, sich der epidemischen Ausbreitung des Dopings unter amerikanischen Jugendlichen entgegenzustemmen. Das Vorgehen in Polk County, einem alten Zitrusfrüchte-Anbaugebiet zwischen Tampa und Orlando, war die Reaktion auf eine wissenschaftliche Umfrage, die das „National Institute of Drug Abuse“ im Jahr 2003 gemacht hatte: Schon 2,5 Prozent aller vierzehnjährigen Schüler hatten demnach Steroide ausprobiert. Bei den älteren stieg die Zahl sogar auf 3,5 Prozent.

          Der ehemaliger Bürgermeister Frank O'Reilly, der den Antrag in den Schulausschuß einbrachte, alle Schüler regelmäßigen Urintests zu unterziehen, wußte nicht, wie groß das Problem wirklich ist. Kaum war er jedoch mit seinem Anliegen vor die Kameras des örtlichen Fernsehens getreten, klingelte sein Telefon: „Eltern erzählten, daß ihre Kinder wußten, was an den Schulen los ist. Eine Frau berichtete, daß sich auch Mädchen dopen.“

          Gefahr für die öffentliche Gesundheit

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