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Drogenbericht : Wissenswertes aus Wien für die Cannabis-Lobby

In manchen Länder ist der Konsum von Marihuana legal. Bild: dpa

Die Zahl der Drogenkonsumenten nimmt zu. Das geht aus dem Bericht des UN-Büros für Drogen und Verbrechensbekämpfung hervor. Der liefert auch neue Erkenntnisse zur Legalisierung sogenannter weicher Drogen.

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          Eine Viertelmilliarde Menschen gebraucht Rauschgift, etwa 190000 Personen sind im Jahr 2013 daran gestorben. Das geht aus dem Drogenbericht des UN-Büros für Drogen und Verbrechensbekämpfung (Unodc) hervor, der am Freitag in Wien vorgestellt wurde. Die Zahl der Rauschgiftkonsumenten ist proportional zur Weltbevölkerung gestiegen. Der Konsum von Kokain ging etwas zurück (geschätzt 17 Millionen Konsumenten), der von Cannabis (180 Millionen) und opiumähnlichen Substanzen (32 Millionen) nahm zu. Der Anbau von Schlafmohn, aus dem Opium gewonnen wird (16,5 Millionen Konsumenten), hat den zweithöchsten Stand seit 1930 erreicht, was auf die Entwicklung in Afghanistan zurückgeführt wird.

          Stephan Löwenstein
          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          Besonders in Bezug auf Cannabis als vermeintlich weiche Droge nimmt auch in Deutschland der Druck von Lobbygruppen und Politikern zu, dieses Rauschgift zu legalisieren. So stellte die Bürgermeisterin des Berliner Bezirks Kreuzberg-Friedrichshain, Monika Herrmann (Grüne), am Freitag einen Antrag ans Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, den Verkauf von Haschisch und Marihuana durch kommunale Verkaufsstellen an registrierte Konsumenten zu erlauben. Angesichts dessen sind die Feststellungen im Unodc-Bericht zu Cannabis von Interesse. Demnach gibt es Anzeichen dafür, dass durchschnittlich der Anteil des Suchtstoffs THC in den gehandelten Cannabisprodukten in den vergangenen zehn Jahren gestiegen ist. THC wird mit Abhängigkeiten und psychischen Erkrankungen in Verbindung gebracht. Diese Entwicklung ist besonders in Europa zu beobachten, parallel zu einer Zunahme von „Heimprodukten“. Zugleich gebe es Anzeichen dafür, dass die Zahl von Gesundheitsproblemen zunehme, die auf Cannabis zurückzuführen sind. Die Zahl von Personen, die deswegen medizinische Hilfe in Anspruch nahmen, ist in Europa zwischen 2006 und 2012 von 45000 auf 49000 gestiegen.

          In dem Bericht wird auch die Entwicklung dort, wo Cannabis „legalisiert“ worden ist, unter die Lupe genommen. Ein Beispiel dafür ist der amerikanische Bundesstaat Colorado. Demnach ist der Gebrauch dort stärker gestiegen als im amerikanischen Durchschnitt. Die Zahl an Anrufen bei Gift-Notfallstellen ist sprunghaft gestiegen, ebenso die Inanspruchnahme der Notaufnahmen von Krankenhäusern wegen Verschluckens von (für den Verzehr vorgesehenen) Cannabisprodukten; zum ersten Mal traten auch Fälle auf, in denen Kinder solche Produkte verschluckten. Gesunken ist die Belastung für die Justiz, da der Cannabisbesitz ja nicht mehr strafbar ist. Ein weiterer Vorteil für den Staat: Die Steuereinnahmen daraus betrugen allein im Dezember 2014 rund 8,5 Millionen Dollar, und durch Verkauf, Lizenzen und Gebühren nahm Colorado im vergangenen Jahr 76 Millionen Dollar ein.

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