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UN-Konferenz : Jeder dritte Aidskranke in Therapie

Etwa zehn Millionen Menschen benötigen eine Behandlung Bild: dpa

Generalsekretär Ban Ki-moon hat auf der UN-Aidskonferenz eine durchwachsene Bilanz gezogen: Die Zahl der Neuinfektionen sei in den vergangenen Jahren zwar zurückgegangen - doch das Ziel, bis 2010 jedem Aidskranken Therapie und Pflege zukommen zu lassen, sei nicht mehr zu erreichen.

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          Zwei Jahre nach einer ersten UN-Aidskonferenz mit Regierungsvertretern aus fast allen Mitgliedstaaten hat der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki-moon, am Mittwoch abermals eine durchwachsene Bilanz gezogen. Einerseits habe die Weltgemeinschaft zwar beachtliche Erfolge erzielt.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          So sei die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen Jahren genauso zurückgegangen (von 3,2 Millionen im Jahr 1998 auf nunmehr 2,5 Millionen) wie die Zahl der Aidstoten - 2001 starben noch 3,9 Millionen Menschen an dem HI-Virus, im vergangenen Jahr waren es 2,1 Millionen. Auch habe von den nach Schätzungen etwa zehn Millionen Menschen, die eine Behandlung benötigen, fast jeder dritte Zugang zu den lebensverlängernden Medikamenten. Doch das UN-Ziel, bis 2010 jedem Aidskranken Therapie und Pflege zukommen zu lassen, sei nicht mehr zu erreichen, sagte Ban auf der zweitägigen Aidskonferenz, zu der die UN nach New York eingeladen hatten.

          Einreisebeschränkungen aufheben

          Nach Angaben des Generalsekretärs waren Ende 2007 rund 33 Millionen Menschen mit HIV infiziert. Trotz aller Anstrengungen übersteige die Zahl der Neuinfektionen noch immer die Zahl der Patienten, die eine Therapie bekämen. „Das ist nicht hinnehmbar“, sagte Ban. Er sprach sich am Mittwoch dafür aus, die Einreisebeschränkungen für HIV-Infizierte aufzuheben, die in mehr als 70 Ländern, darunter den Vereinigten Staaten, gelten.

          Ban Ki-moon: „Das ist nicht hinnehmbar”

          Knapp zehn Milliarden Dollar (etwa 6,4 Milliarden Euro) hat die Weltgemeinschaft im vergangenen Jahr für den Kampf gegen Aids aufgebracht. Ban rief dazu auf, die finanziellen Zusagen nicht nur aufrechtzuhalten, sondern noch weiter zu steigern. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD), die für Deutschland vor der UN-Generalversammlung sprach, bedauerte ebenfalls, dass das international vereinbarte Ziel, bis 2010 allen Betroffenen eine adäquate Behandlung und Pflege zu garantieren, nicht mehr einzuhalten sei.

          Sie verwies auf die unter der deutschen G8-Präsidentschaft gestartete Initiative, in deren Folge 60 Milliarden Dollar (38,6 Milliarden Euro) für den Kampf gegen HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria zusammengekommen seien. Deutschland werde vier Milliarden Euro bis 2015 beisteuern, darin enthalten seien auch die 300 Millionen, mit denen Berlin den deutschen Beitrag für den „Global Fund to Fight Aids, Tuberculosis and Malaria“ bis zum Jahr 2010 auf 600 Millionen Euro verdoppeln werde.

          Täglich infizieren sich 7000 Menschen

          Im Jahr 2007 ist die Zahl der Patienten, die erstmals Zugang zu einer medikamentösen Behandlung hatten, nach Angaben der UN um 42 Prozent gestiegen. Michel Kazatchkine, Direktor des „Global Fund“, sprach von nun drei Millionen Erkrankten in Therapie. Rund 1,75 Millionen von ihnen finanziere der „Global Fund“ über regionale Programme. Der Franzose Kazatchkine sprach von einer bedeutenden Leistung der Weltgemeinschaft, die zeige, „was möglich ist“, wenn der politische Wille vorhanden sei.

          Der Generalsekretär von UN-Aids, Peter Piot, verwies in seiner Rede darauf, dass noch immer zu viele Menschen zu wenig über die Übertragung von Aids wüssten und sich daher auch nicht dagegen schützen könnten. „Täglich infizieren sich deswegen 7000 Menschen mit HIV“, sagte Piot, der, wie Ban Ki-moon auf der Konferenz ankündigte, noch in diesem Jahr seinen Posten nach 13 Jahren an der Spitze der UN-Aidsorganisation aufgeben wird.

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