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Tuberkulose : Neuer Kampf mit einem alten Leiden

Tausende Menschen demonstrierten anlässlich der „Union World Conference on Lung Health” Bild: dpa

Vier Jahrzehnte lang wurde wenig in die Tuberkuloseforschung investiert. In Afrika geht die Infektionskrankheit meist mit Aids einher. Nun gibt es vielversprechende Ansätze, wie eine Konferenz in Kapstadt zeigt. Von Peter-Philipp Schmitt.

          5 Min.

          Wohl mehr als 750.000 HIV-Kranke im südlichen Afrika werden sich in diesem Jahr mit Tuberkulose infizieren. Die seit mehr als einem Jahrhundert heilbare Infektionskrankheit, früher als Schwindsucht oder Morbus Koch (nach ihrem Entdecker Robert Koch) bekannt, ist noch immer Todesursache Nummer eins von HIV-Infizierten.

          Peter-Philipp Schmitt
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Während sich in Osteuropa und in einigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion, unabhängig von Aids, die multiresistente Form der Tuberkulose (MDR-TB) massiv ausbreitet, tritt auf dem afrikanischen Kontinent südlich der Sahara die Tuberkulose überwiegend in Verbindung mit einer HIV-Infektion auf. Der Erreger Mycobacterium tuberculosis hat bei den in ihrer Immunabwehr geschwächten Patienten leichtes Spiel. Gut 200 Aidskranke sterben täglich auf der ganzen Welt an der durch Tröpfchen übertragenen Krankheit.

          Tuberkulose und Aids

          Darum wurde schon im Untertitel der am Montag zu Ende gegangenen 38. „Union World Conference on Lung Health“ in Kapstadt auf den engen Zusammenhang zwischen HIV und Tuberkulose verwiesen. Aids und TB, so waren sich die mehr als 3000 Delegierten einig, können nicht mehr als zwei unterschiedliche Erkrankungen angesehen werden - zumindest nicht im Süden Afrikas, wo fast 80 Prozent der TB-Patienten HIV-positiv sind. Erst Aids hat seit den achtziger Jahren eine massive und noch immer ungehinderte Ausbreitung der Tuberkulose bewirkt.

          Wichtigster Tuberkulose-Erreger: Mycobakterium tuberculosis
          Wichtigster Tuberkulose-Erreger: Mycobakterium tuberculosis : Bild: Brinkmann/Schaible, MPI für Infektionsbiologie

          Inzwischen sterben fast zwei Millionen Menschen im Jahr an TB, im Laufe der nächsten zehn Jahre könnten es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bis zu 30 Millionen sein. Dabei ist die Krankheit heilbar, allerdings sind sowohl die Diagnose als auch die Therapie der TB veraltet. Schon der Nachweis der Krankheit ist zeitaufwendig: Es dauert mindestens sechs bis acht Wochen, um eine Bakterienkultur anzulegen und unter dem Mikroskop den Erreger zu entdecken. In bis zu 50 Prozent der Fälle ist das Ergebnis dann noch nicht eindeutig. Schuld daran ist die oft dürftige Ausstattung der Laboratorien in Entwicklungsländern.

          15 Jahre auf Medikamente warten

          Bis vor etwa sieben Jahren hat zudem kein großes Pharmaunternehmen mehr auf dem Gebiet der Tuberkulose geforscht. Sämtliche Antibiotika stammen aus den vierziger bis sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Der 1921 von den beiden französischen Forschern Albert Calmette und Camille Guérin entwickelte Impfstoff bleibt bei der Lungentuberkulose wirkungslos und wird in Deutschland seit 1998 nicht mehr eingesetzt.

          Auf der Konferenz in Kapstadt, die von der Internationalen Union gegen Tuberkulose und Lungenkrankheiten (IUATLD) mit Sitz in Paris jährlich organisiert wird, war gleich von 30 möglichen Antibiotika-Kandidaten die Rede. Die meisten befinden sich aber noch in einem frühen Stadium ihrer Entwicklung. Bis ein neues Medikament Marktreife erlangt, vergehen zumeist mindestens acht bis zwölf oder sogar 15 Jahre. Die gemeinnützige TB Alliance (“The Global Alliance for TB Drug Development“), die vor acht Jahren in Kapstadt gegründet wurde und sich massiv für die Entwicklung neuer TB-Medikamente einsetzt, stellte gleich zwei vielversprechende Kandidaten vor.

          Vielversprechende Studien

          Das schon auf dem Markt befindliche Moxifloxacin, ein Antibiotikum aus der Gruppe der Fluorchinolone (Gyrasehemmer), erreicht demnach in wenigen Wochen die Phase III seiner klinischen Studien, das heißt, sein Wirkungsmechanismus wird schon bald an Tausenden Patienten an sechs verschiedenen Orten in Kenia, Südafrika, Tansania und Sambia unter dem Programmtitel REMoxTB getestet. In Deutschland wird Moxifloxacin (Bayer AG) unter den Handelsnamen Avalox und Actimax therapeutisch bei Bronchitis, Lungenentzündungen und akuten Entzündungen der Nasennebenhöhlen verabreicht. Auch gegen Chlamydien, Mycoplasmen und Legionellen wirkt das Präparat gut. Nun soll gezeigt werden, dass es in Kombination mit drei weiteren TB-Antibiotika die Behandlungsdauer um mindestens zwei Monate verringern kann. Bislang dauert die Therapie der TB sechs Monate. Moxifloxacin soll dabei eines der Standardantibiotika (Ethambutol oder Isoniazid) ersetzen. Vielversprechend scheint der Einsatz auch, weil Moxifloxacin nach Angaben von Maria C. Freire, der Vorsitzenden der TB Alliance, problemlos zusammen mit den antiretroviralen Medikamenten von Aidspatienten eingenommen werden kann. Freire hofft, dass das Antibiotikum als TB-Medikament bis 2011 seine Marktreife erlangt.

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