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Tropische Mücken in Deutschland : Das große Summen

Blutsauger: Die Tigermücke kann mit einem Stich das gefährliche Dengue-Fieber übertragen. Bild: Flora Press/BIOSPHOTO

Als nervig, aber harmlos gilt die Mücke in Deutschland. Doch immer häufiger sichtet man auch hierzulande Arten, die eigentlich aus den Tropen stammen und Krankheiten übertragen können.

          Kaum hat man es sich auf der Terrasse gemütlich gemacht, kommen sie auch schon um die Ecke geflogen. Mücken. Nicht nur für uns Menschen sind die heißen Temperaturen nach dem vielen Regen eine Freude, auch für die fliegende Plage ist der Wetterumschwung ein Segen. Hitze, die auf feuchtes Klima folgt: ideale Voraussetzungen für eine Vermehrung der Insekten. Überall schwirren sie herum, besonders betroffen sind die Flutgebiete entlang von Elbe und Donau.

          Lucia Schmidt

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das Tückische an den Tierchen: Noch bevor man vor dem Summen fliehen kann, stechen sie, auf der Suche nach Nahrung, meist schon gnadenlos zu. Schuld sind das Kohlendioxid, das wir ausatmen, und unsere Ausdünstungen. Sie verraten unseren Aufenthaltsort. Über sensorische Kanäle nehmen die Stechmücken Gase und Gerüche wahr, wissend, dass bei hoher Konzentration ein Säugetier, also eine Mahlzeit, nicht weit sein kann. Schnell werden menschliche Finger, Oberschenkel oder Bäuche zur Futterstelle. Sind die Moskitos satt, können sie eine rote, leicht geschwollene Einstichstelle hinterlassen, die mit kühlen Umschlägen gut zu behandeln ist. Schlimmeres bleibt in der Regel aus, zumindest in unseren Gefilden.

          Stechmücken übertragen Krankheiten

          Stechmücken, die Krankheitserreger übertragen, kennt man bisher nur von Reisen. Doch die Zusammensetzung der Mückenarten in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren verändert. „Die asiatische Tigermücke beispielsweise, eigentlich in den Tropen und Ostasien heimisch, wurde mittlerweile auch bei uns gesichtet“, sagt Johannes Ziegler vom Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin. „Das heißt bis jetzt allerdings nur, dass man zwar den Überträger bestimmter Erkrankungen hier in Deutschland hat. Das heißt aber nicht automatisch, dass man auch den Erreger hier hat.“ Tigermücken sind nur die Vektoren, also die Überträger der Erkrankung. Beim Blutsaugen an unserer Haut hinterlassen sie die Viren, ohne selbst krank zu werden.

          In Südfrankreich, in Kroatien oder auf der portugiesischen Insel Madeira sind in den vergangenen Jahren, anders als in Deutschland, Fälle von Dengue-Fieber aufgetreten, die nicht aus den tropischen Ländern eingeschleppt wurden, ausgerechnet bei Personen, die ihre Heimat nicht verlassen hatten. Dengue-Fieber, so sagen Experten, ist zu einem globalen Problem geworden, und das Dengue-Virus, das zu der Familie der Flaviviren gehört, ist ein echter Gewinner der Globalisierung. Seit den sechziger Jahren breitet sich die ursprüngliche Tropenkrankheit aus. „Seitdem haben sich die Fallzahlen der Erkrankung verdreißigfacht; damit ist das Dengue-Fieber die schnellste sich ausbreitende Infektionskrankheit, die von Moskitos übertragen wird“, sagt Ziegler. Laut Robert-Koch-Institut sind in Deutschland in diesem Jahr bis Anfang Juli schon 450 Fälle der fiebrigen Erkrankung aufgetreten. Im Jahr 2012 wurden 615 Dengue-Fieber-Erkrankungen gemeldet.

          Einstich verrät Blutsauger

          Die Ausbreitung wird dem Virus nicht schwer gemacht. Die Tigermücke reist in Koffern und Paketen oder direkt als Passagier im Innenraum des Flugzeugs mit. Auch den Transport von gebrauchten Autoreifen, Pflanzen, leeren Dosen oder Flaschen auf Containerschiffen weiß sie für sich zu nutzen. Hauptsache, es findet sich ein wenig Wasser, in dem die Mücke reisen oder ihre Eier ablegen kann. Schon kleinste Mengen reichen, dass die Tigermücke und ihre Larven darin überleben und in andere Gebiete gelangen. Dabei überstehen die Eier der Mücken auch kurze Kälte- und Trockenperioden. Außerdem können Mücken vermutlich das Dengue-Virus an die nachfolgenden Mückengenerationen weitergeben, was die Ausbreitung begünstigt.

          Wann und wo man gestochen wurde, kann ein Hinweis darauf sein, welcher kleine Blutsauger sich bei einem bedient hat. Die Tigermücke beispielsweise ist tagaktiv und mag es durchaus urban. Sie ist also dann auf der Suche, wenn wir Menschen auch aktiv sind. Ob über einen Stich Krankheitserreger übertragen wurden, merkt man meist nicht an der Einstichstelle, „viel mehr sollte man nach einem Stich auf das Allgemeinbefinden achten“, sagt Reisemediziner Ziegler. „Man sollte immer aufmerksam werden, wenn nach einem Mückenstich Fieber auftritt, auch wenn das erst nach Wochen der Fall ist.“

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