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Neuer Transplantationsskandal : Staatsanwaltschaft ermittelt wegen versuchten Totschlags

  • -Aktualisiert am

Deutsches Herzzentrum in Berlin Bild: dpa

Eine Oberärztin am Berliner Herzzentrum soll Patienten zwischen 2010 und 2012 zu besseren Plätzen auf der Warteliste für Organspenden verholfen haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen sie und weitere Ärzte.

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          Das Deutsche Herzzentrum Berlin hat am Donnerstag Selbstanzeige bei der Staatsanwaltschaft gestellt, um Unregelmäßigkeiten in der Behandlung von Transplantationspatienten zu überprüfen. Bei einer routinemäßigen Kontrolle der Prüfungs- und Überwachungskommission von Bundesärztekammer, Deutscher Krankenhausgesellschaft und dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung, die seit dem Organspendeskandal vor zwei Jahren eingerichtet worden war, hat sich nach Berichten der Berliner Zeitungen „Tagesspiegel“ und „Berliner Zeitung“ der Verdacht auf Manipulation in möglicherweise 28 Fällen ergeben.

          Berlins Gesundheitsminister Mario Czaja (CDU) sei vor einer Woche über den Verdacht in Kenntnis gesetzt worden. Er habe das Herzzentrum um einen Bericht gebeten, wie es Missbrauch verhindert wolle, und habe diesen am Mittwoch erhalten. Nun warte er den Bericht der Prüfkommission ab, mit dem jedoch erst für Ende des Monats oder Anfang September gerechnet werden könne.

          Sprecher des Herzzentrums und der Staatsanwaltschaft bestätigten die Berichte. Es werde wegen des Verdachts des versuchten Totschlags ermittelt, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, denn durch Praktiken des Herzzentrums hätten Patienten auf Dringlichkeitslisten („High Urgency“) der Organvergabestelle Eurotransplant vorrücken können.

          „Das Vertrauen ist bereits stark erschüttert“

          Dem Vernehmen nach hat eine Oberärztin vielen Patienten hohe Dosen eines in der Notfallmedizin eingesetzten herzstärkenden Medikaments (aus der Gruppe der Katecholamine) verschrieben, das so dosiert nur eingesetzt wird, wenn sich ihr Zustand dramatisch verschlechtert. Dann aber rücken sie auf der Dringlichkeitsliste nach oben, und ihre Chancen auf ein Spenderorgan wachsen. Die Routineüberprüfung der Kommission hatte im Frühjahr einige Auffälligkeiten entdeckt und daher im Sommer weitere Patientenakten angefordert.

          Es bestehe der Verdacht, so Senator Czaja am Freitag, dass die hohen Dosen eingesetzt worden seien, bevor die Aufnahme der Patienten in die Dringlichkeitsliste beantragt worden sei. „Das Vertrauen der bundesweiten Öffentlichkeit in die Transplantationsmedizin ist bereits stark erschüttert“, sagte Czaja.

          Die Deutsche Stiftung Patientenschutz forderte eine Überwachung von Transplantationen durch das Robert-Koch-Institut. Der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen, Heiko Thomas, schlug vor, das Land Berlin könne einen eigenen Beitrag zur weiteren Reform des Organspendewesens leisten. Er verwies auf eine „Berliner Erklärung“ von 2013, die auch maßgebliche Vertreter der Charité sowie des Herzzentrums unterzeichnet hatten. Sie enthält Vorschläge zur Verbesserung der Transparenz.

          Czaja wies auf die Verdienste des Herzzentrums hin: Es habe sich „durch große Leistungen ein hohes Renommee erworben, das nicht in Misskredit geraten darf“. Lückenlose Aufklärung wird seiner Ansicht nach dazu beitragen, es wiederherzustellen. Seit 1986 hat das Berliner Herzzentrum mehr als 1800 Transplantationen vorgenommen. Die Bundesärztekammer teilte am Freitag mit, die Prüfungs- und die Überwachungskommission analysiere seit Oktober 2013 in deutschen Kliniken 37 Programme. Im Herzzentrum Berlin sei das Gesamtprüfungsverfahren noch nicht abgeschlossen. Über die Ergebnisse der abgeschlossenen Prüfungen werde im September informiert.

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