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Transplantationen : „Die Deutsche Stiftung Organspende ist vom Skandal nicht betroffen“

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Eisgekühlte Leber: Ein Chirurg der Uniklinik Essen vor der Organtransplantation. Bild: LAIF

Günter Kirste, medizinischer Vorstand der Deutschen Stiftung Organspende (DSO), spricht im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über Spannung, Transparenz und Angehörige.

          Herr Kirste, wie ist das Leben als DSO-Chef dieser Tage?

          Spannend, manchmal aufregend und dann wieder ganz ruhig. Spannend, weil der Einsatz für die Organspende, für die Menschen, die ohne Transplantation nicht leben können, immer spannend ist. Aufregend angesichts der derzeitigen Skandale um Göttingen und Regensburg, die einen sich selbst fragen lassen: Habe ich zu sehr vertraut auf Kollegen und darauf, dass ein Minimum an Sozialverhalten zur Ausübung des Arztberufes nun wirklich erforderlich ist. Dann wieder ganz ruhig, weil die Menschen, die sich dieser Tage für sich oder für andere mit dem Thema Organspende beschäftigen müssen, verstehen, dass diese skandalösen Fälle sie nicht von ihrer grundsätzlich ehrenvollen Einstellung abbringen können.

          Na ja, es ist doch auch so, dass in den letzten Wochen zunehmend mehr Transparenz im Transplantationswesen gefordert worden ist. Die Bundesärztekammer hat deswegen auch schon eine Erklärung herausgegeben.

          Die Erklärung ist mir bekannt, ich war an der Formulierung beteiligt. Transparenz wird von der DSO seit Jahren gefordert, von der Aufklärung der Bevölkerung zur Organspende bis hin zur Qualitätssicherung der Transplantationsergebnisse.

          Wieso hat die DSO denn dann nicht mit unterschrieben?

          Dies ist eine Erklärung der sogenannten Auftraggeber des Transplantationsgesetzes, also derjenigen, die Richtlinien erlassen und die Tätigkeit der DSO und von Eurotransplant überwachen.

           Unterschrieben hat ja aber die Überwachungskommission, die eigentlich nur für die Kontrolle der Arbeit der DSO zuständig sein soll. Also ist die DSO doch betroffen.

          Ja, aber bei dem Skandal ist die DSO nicht betroffen. Betroffen sind Transplantationszentren, die unter Aufsicht der Länder stehen, nicht einmal der Überwachungskommission oder der Bundesärztekammer. Erst mit dem neuen Transplantationsgesetz seit 1.8.2012 hat die Überwachungskommission auch die Überwachungsfunktion der Transplantationszentren erhalten, und das ist gut so. Die Überwachungskommission hat die Fälle nach Meldung eines Verdachts durch uns sofort untersucht, Schritte eingeleitet und ist dringend an Aufklärung und Konsequenzen interessiert. Die Ergebnisse der Untersuchung sind im Übrigen den Aufsichtsbehörden zur Verfügung gestellt worden.

          Nicht wirklich. Die Tätigkeitsberichte sind ja nicht das Gleiche wie Prüfberichte, Fall- oder Gesprächsprotokolle. In die haben sogar Abgeordnete Schwierigkeiten Einblick zu gewinnen. Die Öffentlichkeit muss darauf vertrauen, dass die Überwachungskommission auch tatsächlich alle Unregelmäßigkeiten veröffentlicht.

          Die Überwachungskommission ist verpflichtet, Auffälligkeiten an die zuständigen Behörden, das Regierungspräsidium und das Sozialministerium, zu melden. Das hat sie im Fall Regensburg getan, jedoch ist nichts passiert. Hierin liegt der eigentliche Skandal!

          Die DSO ist ja eine Koordinierungsstelle. Sie ist beauftragt von der Bundesärztekammer, den Spitzenverbänden der Krankenkassen und von der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Diese drei Organisationen sind es aber auch, die die Überwachungskommission besetzen. Ist das nicht merkwürdig? Diejenigen, die die Koordinierungsstelle beauftragen, sollen sie auch in ihrer Arbeit beurteilen.

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