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Transplantation : Patient erhält neue Beine

Der Operateur: Pedro Cavadas Bild: AFP

Zum ersten Mal weltweit wurden einem Patienten bei einem einzigen Eingriff zwei Beine transplantiert. Zehn Stunden dauerte die Operation des Fünfundzwanzigjährigen in einem spanischen Krankenhaus in Valencia.

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          Im Krankenhaus La Fe in Valencia ist zum ersten Mal auf der Welt ein Patient bei einem einzigen Eingriff mit zwei Beintransplantaten versehen worden. Nach einem Verkehrsunfall hatten ihm seine Beine oberhalb der Knie amputiert werden müssen; Prothesen kamen nicht in Frage. Zehn Stunden dauerte die Operation, bei der der spanische Chirurg Pedro Cavadas und sein Team dem Fünfundzwanzigjährigen die neuen Beine annähten. Im November war die Operation, die den Patienten vor einem Leben im Rollstuhl bewahren könnte, vom spanischen Gesundheitsministerium genehmigt worden. Seitdem warteten Ärzte und Patient auf einen geeigneten Spender.

          Paul Ingendaay
          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Als es soweit war, standen die Chirurgen vor einer veritablen Herausforderung: Knochen, Gewebe, Nerven und Blutgefäße mussten in kurzer Zeit verbunden werden. Nach Angaben von Cavadas ist der Zustand des jungen Mannes stabil, er sei „überglücklich“ und habe beim Anblick seiner neuen Beine geweint. In Kürze könne er die Intensivstation verlassen.

          Operierter muss lebenslang Medikamente einnehmen

          Der Chirurg nimmt an, dass der Patient in sechs bis sieben Monaten laufen kann. „In drei Wochen wird er das Knie bewegen können, zunächst passiv, dann aus eigener Kraft“, sagte Cavadas nach der Operation. „In zwei Monaten wird er sich unter Wasser fortbewegen, und in drei Monaten werden die Beine sein Körpergewicht tragen.“

          Operationen dieser Art werden nur an jungen Menschen ausgeführt. Zum einen, weil der Leidensdruck durch die Verstümmelung den hohen Aufwand rechtfertigt, zum anderen, weil die lange Erholungszeit enorme körperliche und seelische Kräfte erfordert. Wegen möglicher Immunkomplikationen muss der Operierte lebenslang Medikamente einnehmen. Im Fall des jungen Mannes, so der Arzt, werde es ein ganzes Jahr dauern, bis sich verwertbare Schlussfolgerungen aus der Transplantation ziehen ließen. Weder die Identität des Patienten noch die des Spenders wird preisgegeben.

          Pedro Cavadas, Jahrgang 1965, gründete nach einem Aufenthalt in Kenia eine Stiftung, die afrikanischen Patienten Zugang zu einer Transplantation ermöglichen will, die sie sonst nicht erhalten könnten. Der Chirurg führte die erste Gesichtstransplantation in Spanien aus und ist in den vergangenen Jahren auch mit der Verpflanzung von Unterarmen und Händen bekannt geworden.

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