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Universitätsklinikum : Transplant-Befunde in Heidelberg manipuliert

Die Leitung des Universitätsklinikums Heidelberg räumte inzwischen Versäumnisse ein. (Archiv-Foto) Bild: dpa

Im Universitätsklinikum in Heidelberg wurden Befunde von Transplantationspatienten manipuliert. Ob dadurch herzkranke Patienten geschädigt wurden, ist unklar.

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          Am Herztransplantationszentrum des Heidelberger Universitätsklinikums sind in 34 Fällen Befunde von Transplantationspatienten manipuliert worden. In den Jahren 2010 und 2011 sind Tests zur Ermittlung der Herz-Leistungsfähigkeit dieser Patienten nicht vorschriftsgemäß gemacht worden. Bei diesen Tests, die von der Vermittlungsstelle „Eurotransplant“ verlangt werden, wird den schwer kranken Patienten über 24 Stunden das Medikament „Dobutamin“ verabreicht, um zu testen, wie stark sich damit die Herztätigkeit verbessern lässt. Erweist sich die Medikamentation als wirkungslos, ist eine frühere Transplantation angezeigt, insofern kann über einen manipulierten Test möglicherweise Einfluss auf den Zeitpunkt der lebensrettenden Operation genommen werden. Es handelt sich nicht um eine reguläre Medikamentengabe, sondern um einen Test.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Guido Adler, der Leitende ärztliche Direktor des Klinikums, sagte, dass gegen Regeln verstoßen worden sei. Es sei schwer nachzuweisen, ob andere schwer herzkranke Patienten durch diese Manipulation zu Schaden gekommen seien. Die Fälle hatte die Prüfkommission der Bundesärztekammer erst in einer zweiten Prüfung aufgedeckt. Das baden-württembergische Sozialministerium hatte nach einer ersten Prüfung verlangt, alle 121 Herztransplantationen der Jahre 2010 bis 2014 zu überprüfen. Die Manipulationen sind allesamt vor dem Inkrafttreten des neuen Transplantationsgesetzes gemacht worden. Schon Ende August hat das Universitätsklinikum Strafanzeige gegen unbekannt gestellt.

          Das Heidelberger Klinikum gehört zu den führenden Herztransplantationszentren Deutschlands. Die Klinik hat sich auf die Therapie der terminalen Herzinsuffizienz spezialisiert und 2012 eine spezielle Wachstation für diese Patienten eingerichtet. Seit Herbst 2012 ist das Qualitätsmanagement bei der Behandlung schwerkranker Transplantationspatienten in Baden-Württemberg verbessert worden: Für alle fünf Transplantationszentren ist das Sechs-Augen-Prinzip nun verbindlich vorgeschrieben, zudem muss es interdisziplinäre Transplantationskonferenzen geben. Die Aufsichtsratsvorsitzenden der Universitätsklinik Heidelberg, Simone Schwanitz, lobte den Aufklärungswillen des Klinikums.

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