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Grenzen setzen : Bis hierhin und nicht weiter!

Stopp: Häufig übernehmen sich Personen, weil sie von sich selbst Höchstleistungen verlangen oder andere nicht enttäuschen wollen. Bild: F1online

Wenn andere oder wir selbst unsere Grenzen ständig missachten, überfordert uns das und macht uns krank. Die gute Nachricht: Selbstbehauptung kann man lernen.

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          Manchmal wächst uns alles über den Kopf: In der Firma stehen Überstunden an, der Terminkalender ist für Wochen voll, und die Freunde sind sauer, weil wir es nicht mehr schaffen, ihre E-Mails zu beantworten. Es ist einfach zu viel. „Grenz dich doch ab“, lautet dann der kluge Ratschlag von Unbeteiligten - wenn das so einfach wäre.

          Anne-Christin Sievers
          Redakteurin im Ressort „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Im Alltag gehen wir Konflikten gern aus dem Weg, die mit einem klaren Nein verbunden sind. Wir haben Angst, zurückgewiesen zu werden, wollen die Erwartungen anderer nicht enttäuschen, oder uns selbst beweisen, dass wir etwas schaffen können - auch wenn wir merken, dass unsere Kräfte schon erschöpft sind.

          Sich selbst immer wieder zu fordern und dabei an die eigenen Grenzen zu gehen ist per se nichts Schlechtes. Im Gegenteil: Nur so lernen wir hinzu, entwickeln unsere Fähigkeiten und wachsen an neuen Herausforderungen. Ebenso wären soziale Gemeinschaften, Nähe und Empathie kaum denkbar, würden Menschen sich nicht in andere hineinversetzen, sich anpassen und ihre eigenen Interessen ab und an zurückstellen. Wenn wir selbst oder andere unsere Grenzen aber fortwährend ignorieren, kann uns das überfordern und irgendwann krank machen.

          Grenzen haben einen schlechten Ruf

          Doch was ist eine Grenze überhaupt? „Vorab nicht mehr und nicht weniger als eine wirkliche oder gedachte Linie, durch die sich zwei Dinge voneinander unterscheiden“, schreibt der Wiener Philosophieprofessor Konrad Paul Liessmann in seinem Buch „Lob der Grenze“. „Die Grenze ist überhaupt die Voraussetzung, etwas wahrzunehmen und zu erkennen.“ Denn ohne diese Trennlinie wäre alles ununterscheidbar eins.

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          In einer Gesellschaft, die aber der Ideologie der Machbarkeit huldigt, haben Grenzen einen schlechten Ruf. Sie verhindern nur, frustrieren, berauben uns unserer unendlichen Möglichkeiten und sollen deshalb gerade überwunden werden. Das Ideal: Alles soll immer verfügbar sein. Am besten haben die Läden 24 Stunden sieben Tage die Woche geöffnet, die Kollegen sind rund um die Uhr erreichbar und die Bahnen immer pünktlich. Wenn mal etwas nicht gleich funktioniert, werden wir sofort ungeduldig, nervös, unzufrieden.

          Trotz ihres schlechten Ansehens erfüllen Grenzen aber wichtige Funktionen: Sie geben Schutz und Sicherheit, Orientierung und Klarheit. Moralisch sorgen Grenzen für stabile soziale Verhältnisse, in der Familie, am Arbeitsplatz oder in einem Staat; zwischen zwei Ländern sichern sie den Frieden. Auf der individuellen Ebene umschließt eine Grenze das Revier eines Menschen, schreibt der Stuttgarter Coach Rolf Sellin in seinem Buch „Bis hierher und nicht weiter“. Diesen geschützten Lebensraum gestaltet ein Individuum nach seinen eigenen Vorstellungen, für ihn trägt es Verantwortung, in ihm kann es sich autonom entfalten. Dringt jemand unerlaubt in dieses Revier ein, empfindet der Betroffene das als eine Grenzüberschreitung.

          Die wohl massivsten Grenzverletzungen sind solche, die die körperliche und seelische Unversehrtheit gefährden. Dazu zählen psychische, sexuelle oder körperliche Gewalt in der Partnerschaft oder sexueller Missbrauch von Kindern. Grenzüberschreitungen können aber viele Formen annehmen, die nicht gleich als solche zu erkennen sind: Ob es die Freundin am Telefon ist, die unentwegt weiter quatscht, obwohl man das Gespräch längst beenden wollte; der Kollege, der einen anderen mit blöden Sprüchen mobbt; oder der Saunagänger, der Frauen beim Schwitzen bespannt.

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