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Telemedizin : Zum Arzt, ohne zum Arzt zu gehen

Technologien für die Medizin nutzen

Friedrich Koehler hofft auch deshalb, dass er den Beweis bald erbringen kann. Der Berliner Kardiologe macht eine Studie in Nordbrandenburg, finanziert vom Bundesforschungsministerium. 250 Herz-Patienten nehmen schon daran teil, insgesamt sollen es 750 werden. Sie alle sind vernetzt, messen selbst ihre Gesundheitsdaten und senden sie von zu Hause an Koehlers Zentrum für kardiovaskuläre Telemedizin an der Charité

Koehler spricht schnell, er ist begeistert von seiner Arbeit. Als Erstes sagt er: Sein Zentrum sei kein Call-Center, und er wolle auf gar keinen Fall „Telemediziner“ genannt werden. Weil es Telemediziner nämlich gar nicht gebe. „Die Telemedizin ist lediglich die Art und Weise, Technologien für die Medizin zu nutzen. Das wird immer mehr Teil unseres Alltags. Und der Arzt bleibt trotz der Entfernung immer persönlich verantwortlich für sein Tun.“

Verschlüsselte Übertragung der Daten vom Patient zum Arzt

Nachdem das geklärt ist, erzählt Koehler von seinen Patienten. Eine Krankenschwester bringt ihnen zu Hause bei, wie sie Blutdruck, Gewicht und EKG-Werte selbst ermitteln. Das lernen die meisten in einer Stunde und brauchen dann nur ein paar Minuten am Tag, um alles zu erheben. Danach drücken sie auf einen großen Knopf und senden ihre Werte drahtlos und verschlüsselt an Koehlers Team.

Das medizinische Personal in der Charité checkt die Daten ständig. Es meldet sich nur, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Schickt Patienten bei Bedarf zum Haus- oder Facharzt, bestellt nachts oder am Wochenende einen Hubschrauber. Oder entscheidet, dass es reicht, wenn der Patient am Montag zum Arzt geht. Koehlers Ziel ist es, dass seine Patienten möglichst lange zu Hause leben können. Und dass sie mit Hilfe der Telemedizin später sterben.

„Rahmenvereinbarung“ der Krankenkassen

Weil die Bundesregierung die Studie finanziert, kann es den Teilnehmern egal sein, dass die Krankenkassen telemedizinische Leistungen derzeit normalerweise nicht vergüten. Bislang haben die Kassen nämlich noch nicht umgesetzt, was die Regierung ihnen 2012 per Versorgungsstrukturgesetz vorgeschrieben hat: in Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) eine Liste von telemedizinischen Leistungen zu erstellen, die die Kassen künftig übernehmen.

Bisher haben es die KBV und der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) nur zu einer „Rahmenvereinbarung“ geschafft. Darin nennen die beiden Verbände aber noch keine konkreten Leistungen. Und dementsprechend auch keine Beträge, was solche Leistungen wert sein könnten.

Beide Partner geben dem jeweils anderen die Schuld am Stillstand. Beim GKV-Spitzenverband heißt es: „Wir wollten schon weiter sein, als wir jetzt sind, aber wir sind vom Datenschutz ausgehebelt worden.“ Denn das Abrechnungssystem der Kassenärztlichen Vereinigungen müsse datenschutzrechtlich überprüft werden; die Ärzte hätten gesagt, telemedizinische Leistungen sollten über dieses „KV-Safenet“ abgerechnet werden. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hält dagegen, die Kassen verschleppten die Verhandlungen. „Es geht uns überhaupt nicht darum, dass telemedizinische Leistungen ausschließlich über das sichere Netz der KVen laufen.“

Bundesländer fördern Telemedizin

Das Bundesgesundheitsministerium lässt die Verhandlungspartner derzeit machen – oder auch eben nicht machen. Es betont lediglich die „Bedeutung dieser Leistungen für die Versorgung der Versicherten“ und gibt an, das Verfahren „sehr aufmerksam“ zu beobachten. Im Koalitionsvertrag steht, dass die Regierung Telemedizin fördern und angemessen vergüten will – aber nicht, wann.

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