https://www.faz.net/-gum-8msvw

Impfung gegen Masern : Tausende Kinder unzureichend vor Masern geschützt

  • -Aktualisiert am

Bisher ist Deutschland weit entfernt davon, alle Kinder ausreichend gegen Masern zu schützen. Bild: dpa

Nur 63 Prozent aller Kleinkinder sind in Deutschland ausreichend gegen Masern geimpft. Die WHO will die Krankheit ausrotten. Doch keine Region erreicht den dazu notwendigen Wert.

          Zweimal sollten Kleinkinder bis zum Ende des zweiten Lebensjahrs gegen Masern geimpft sein. Das empfehlen Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Ärzteschaft. Doch Deutschland ist davon weit entfernt. Nur 63 Prozent aller Kleinkinder verfügen über den Schutz. Das geht aus Daten der Kassenärzte hervor, deren Zentralinstitut den Impfstatus von 2,2 Millionen gesetzlich versicherten Kindern der Jahrgänge 2009 bis 2012 analysiert hat. Demnach sind 73000 Kinder unzureichend vor Masern geschützt, 66000 von ihnen sind überhaupt nicht geimpft. Zwar werden mit der ersten Impfung unverändert 88 Prozent der Kleinkinder erreicht, doch fällt die zweite Impfung oft aus. Offenbar sind die Eltern für das Thema nicht genügend sensibilisiert.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Masern enden in drei bis fünf von 1000 Fällen tödlich, die Infektion kann auch für Erwachsene schwere Folgen haben. Die WHO will die Krankheit ausrotten. Dazu wären Impfquoten von 95 Prozent notwendig. In Deutschland erreicht keine Region diesen Wert, wie die Wissenschaftler im „Versorgungsatlas“ schreiben. Die besten Quoten werden in Niedersachsen erzielt. In Peine und Wolfsburg sind 78 Prozent der Kleinkinder bis zum zweiten Geburtstag vollständig geimpft.

          Die Kreise Osterode und Osterholz können zudem die höchsten Zuwachsraten mit je rund sechs Prozentpunkten pro Jahr für beide Impfungen verbuchen. Am unteren Ende liegen die bayerischen Landkreise Garmisch-Partenkirchen, Bad Tölz und Rosenheim, wo nur 36 bis 42 Prozent der Kinder zwei Mal geimpft sind. Die Impfmüdigkeit ist in Bayern und Baden-Württemberg stark ausgeprägt. In vielen Landkreisen und kreisfreien Städten lägen die Immunisierungsraten unter dem Bundesschnitt. „Respektable Werte“ wie im oberfränkischen Wunsiedel mit 78 Prozent oder im badischen Lörrach mit 70 Prozent änderten daran nichts.

          Auffallend sind die regionalen Unterschiede der Impfquoten, die innerhalb der Bundesländer größer sind als zwischen den Bundesländern. In Bayern liegt die Spanne zwischen 36 und 78 Prozent, in Baden-Württemberg zwischen 49 und 70 Prozent, in Rheinland-Pfalz – ähnlich wie in Nordrhein-Westfalen – zwischen 55 und 77 Prozent. Folge der Impflücken seien Masern-Ausbrüche und knapp 2500 gemeldete Krankheitsfälle. Anfang 2015 war erstmals seit Jahren ein nicht geimpftes Kleinkind an Masern gestorben. Vor diesem Hintergrund sei es besonders alarmierend, dass in 13 Kreisen bei den Jahrgängen 2009 bis 2012 die Quote für die zweite Impfung durchgängig gesunken ist.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Attacken in Sri Lanka : Anschläge in einem gespaltenen Land

          Im buddhistischen Sri Lanka sind die Christen in der Minderheit. Am Feiertag wurden sie Opfer einer der schwersten Anschläge seit dem Ende des Bürgerkriegs vor 10 Jahren. Hat es sogar Warnungen vor den Explosionen gegeben?

          Desinformation in der Ukraine : „Ohne Rücksicht auf Verluste“

          Der Präsidentenwahlkampf in der Ukraine war durchzogen von Lügen und falschen Behauptungen. Im F.A.Z.-Interview sagt Nina Jankowicz, Expertin für Desinformation, dass sie besonders das Verhalten der beiden Kandidaten erschreckt hat.

          FAZ Plus Artikel: Proteste in Frankreich : Notre Dame und das schnelle Geld

          Einige der reichsten Franzosen finanzieren quasi über Nacht den Wiederaufbau der Kathedrale. Das passt vielen Franzosen nicht, ein „Wir“-Gefühl bleibt aus. Stattdessen heizt die Frage nach dem Geld die Gelbwesten-Proteste an.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.