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Tausende Kinder betroffen : Milchpulverskandal in China weitet sich aus

  • Aktualisiert am

Bild: AFP

Der Skandal um verunreinigtes Milchpulver in China hat größere Ausmaße als bisher bekannt. Das Gesundheitsministerium in Peking hat am Montag bisherige Zahlen deutlich nach oben korrigiert. Bis zu 10.000 Säuglinge und Kleinkinder könnten die gepanschte Milch getrunken haben.

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          Der Milchpulverskandal in China hat wesentlich größere Ausmaße als bisher bekannt: Mindestens 1253 Babys sind nach dem Verzehr von verunreinigtem Milchpulver erkrankt, wie das Gesundheitsministerium in Peking am Montag mitteilte. 340 Kinder lägen noch im Krankenhaus, 53 von ihnen seien schwer krank. Insgesamt etwa 10.000 Säuglinge und Kleinkinder könnten das vergiftete Produkt der Firma Sanlu getrunken haben, hieß es weiter. Damit korrigierte das Ministerium seine bisherigen Zahlen deutlich nach oben.

          In dem Skandal um giftige Chemikalien in gepanschter Milch sind nach amtlichen Angaben schon zwei kleine Kinder ums Leben gekommen und „hunderte“ an Nierensteinen erkrankt. Gegen zwei Täter sei inzwischen Haftbefehl erlassen worden. Die beiden Brüder hätten eine Milchsammelstation betrieben, die den Milchpulverhersteller Sanlu täglich mit drei Tonnen gepanschter Milch beliefert habe.

          Ein Geständnis, viele Festnahmen

          Der ältere der Brüder habe gestanden, seit Ende vergangenen Jahres die verbotene Chemikalie Melamin in die Milch getan zu haben, um den Proteingehalt zu erhöhen. Er habe Verluste gemacht, weil Sanlu seine Milch zuvor mehrmals wegen Qualitätsmängeln zurückgewiesen habe. Die Brüder gehören zu 19 Verdächtigen, die festgenommen worden sind.

          Der führende Hersteller Sanlu hat allerdings schon länger von gesundheitsschädlichen Stoffen in seinen Produkten gewusst, ohne die Gefahr aber öffentlich zu machen oder sein Milchpulver zurückzurufen. Die Hintergründe für die Verzögerungen sind unklar. Es gab auch Spekulationen, ob die Behörden den Skandal wegen der Olympischen Spiele und der Paralympics in Peking zunächst vertuschen wollten.

          Gefahr seit Anfang August bekannt

          Der neuseeländische Milchkonzern Fonterra, der zu 43 Prozent an Sanlu beteiligt ist, enthüllte, seine chinesischen Partner mindestens einen Monat vor dem jetzt behördlich angeordneten Rückruf gedrängt zu haben, das Milchpulver aus dem Handel zu ziehen. Der Vorstand von Sanlu, in dem drei Fonterra-Vertreter sitzen, wusste demnach mindestens seit dem 2. August von der Gefahr.

          Fonterra-Chef Andrew Ferrier berichtete im neuseeländischen Wellington, das Unternehmen habe das gesundheitsschädliche Milchpulver daraufhin nur aus dem Vertrieb genommen, aber keine umfassende Rückrufaktion angeordnet. Es habe damit allerdings Anweisungen des Gesundheitsministeriums befolgt. Es sei ein „wahrlich tragisches Vorkommnis“, über das noch „eine enorme Menge Unklarheit“ herrsche, sagte Ferrier.

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