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Tagesklinik für Männer : So fühlt sich Angst an, Mann!

  • -Aktualisiert am

Tony Soprano (James Gandolfini), Protagonist der Serie „The Sopranos“, vertraut der Psychiaterin Jennifer Melfi (Lorraine Bracco) seine Ängste an Bild: HBO / Kobal Collection

Kerle haben keine Panik, sondern Schwindel; sie sind nicht deprimiert, sondern gestresst - Kerle sprechen nicht über ihre Psyche, schon gar nicht, wenn Frauen dabei sind. In der einzigen deutschen Tagesklinik nur für Männer sind sie unter sich. Ein Besuch.

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          Tom Schmitz* wollte es sich nicht eingestehen. Nicht, als er bei seinem Hausarzt saß und nur noch weinte. Nicht bei der Psychiaterin, die ihm gegen die Schlaflosigkeit, das nervöse Flimmern vor den Augen, die ständig aufschwappende Panik und die Antriebslosigkeit Medikamente verschrieb, und auch noch nicht, als die Diagnose feststand: „Angststörung und Depression“. Die Psychiaterin empfahl Schmitz eine mehrwöchige ambulante Psychotherapie. Er willigte ein. Doch selbst noch am Abend vor seinem ersten Tag in der Tagesklinik nahm Schmitz sich vor: „Du musst da so schnell wie möglich wieder weg!“ Er blieb fast drei Monate.

          In der zweiten Woche saß er mit zehn anderen Patienten in der Gruppentherapie, als die Symptome einer Depression besprochen wurden und was dabei im Körper geschieht. „Da hab’ ich mich auf einmal erkannt. Ich war krank, und das zu wissen war unglaublich erleichternd“, erinnert Schmitz sich jetzt, kurz vor seiner Entlassung: „Bis dahin hab ich immer noch gedacht: Komm, du doch nicht!“ Doch. Der 32 Jahre alte leitender Angestellte in der Hotelbranche hat ein psychisches Problem, genauso wie die Lehrer, Polizisten, Lagerarbeiter, Außendienstler, Selbständigen und Arbeitslosen, die er seit Wochen jeden Tag in der „Tagesklinik für Männer“ im Klinikum Wahrendorff trifft.

          Pünktlich sein, Erlerntes anwenden

          Die Tagesklinik ist im alten Amtshaus im Sehndener Ortsteil Ilten untergebracht. Spröde blättert hier und da der schönbrunngelbe Putz. In dem Eingangsbereich stehen schwarze Ledersessel und ein Flügel. In den Räumen erinnern weiße Seminartische und moderne Kunst an den Wänden eher an eine Fortbildungsakademie als an eine Klinik. Hinter dem Haus liegt ein kleiner Park, vor der Tür hält direkt der Bus. Das ist wichtig für viele der Patienten, die aus dem ganzen Umkreis von Hannover kommen; die Landeshauptstadt liegt rund 15 km entfernt.

          Von Montag bis Freitag erwartet die Männer in der Klinik täglich von 9 bis 16.30 Uhr ein straffes Programm mit Morgen- und Abschlussrunden, Emotionsregulationstraining, Achtsamkeitsübungen, Stresstoleranztraining, Yoga, Trommeln, Genusstraining, Imaginationsübungen, Gruppentherapie und Sportangeboten von Nordic Walking bis Tischtennis. Dazu kommen Einzeltherapiestunden und nur eine kurze Mittagspause. „Viele sind am Anfang richtig kaputt“, sagt Stationsärztin Franziska Ripken, „denn das Therapieprogramm ist fordernd und setzt eine gewisse Stabilität und eine hohe Eigenverantwortung der Patienten voraus, zumal sie zusätzlich abends und am Wochenende ihren Alltag bewältigen müssen. Dafür erlernen sie hier Kompetenzen, mit einer Tagesstruktur wie später auch.“

          Dazu gehört, früh aufzustehen und pünktlich zu sein, aber auch, das Erlernte abends und an den Wochenenden direkt umzusetzen. Ripken, 33, blonder Pferdeschwanz, schwarze Jeans und roter Schal statt sterilem weißen Kittel, sitzt mit ihren Patienten wie jeden Vormittag in der Morgenrunde. „Welche positiven Dinge haben Sie seit gestern erlebt, welche der hier erlernten Fertigkeiten haben Sie erfolgreich angewandt, und was ist Ihr Ziel für heute?“, fragt sie. Die Männer schweigen, ihre Arme sind vorm Körper verschränkt. Einer hat seine Baseballkappe tief in die Stirn gezogen.

          „Und ich hab' geheult“

          Also geht’s einfach links herum, bestimmt die junge Ärztin. „Den Männern fällt es schwer, etwas zu formulieren, was sie erreichen könnten“, erklärt sie später, „weil sie eine Enttäuschung vermeiden wollen. Oft haben sie auch nichts Positives. Dann bin ich streng, bis sie etwas finden.“ Ein Patient in roter Outdoorjacke hat sich als Ziel gesteckt: „Zuhören können, ohne derselben Meinung zu sein.“ Ein älterer Patient berichtet, dass es ihm abends zu Hause zusehends schlechter ging, er schließlich Atemnot bekam, „und ich hab’ geheult“.

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