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Brustkrebs : Hauptsache, die Sache ist überstanden

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Keine Seltenheit: Mehr als 70.000 Frauen erkranken jährlich an Brustkrebs. (Symbolbild) Bild: Reuters

Zwei kleine weiße Flecken in der Brust veränderten ihr Leben: Sylvia Reichardt ist eine von 70.000 deutschen Frauen, die jedes Jahr an Brustkrebs erkranken. Über den Weg zu einer neuen Brust.

          Als Sylvia Reichardt im Sommer vergangenen Jahres ihr Lebensgefühl hätte beschreiben sollen – ihr wären nur Superlative eingefallen. „Es ging mir hervorragend“, erinnert sich die 53-Jährige. Die Internistin hatte eine exzellent laufende Praxis in Aying bei München, ihre Ehe war glücklich, und Tochter Sophie Pacini gehörte mit damals gerade 25 Jahren schon zur weltweiten Spitze der jungen Pianistengeneration. Auch körperlich fühlte sich Reichardt so gut wie schon lange nicht mehr. Bedingt durch die Wechseljahre, hatte sie zuvor einige Kilos zugelegt. Jetzt hatte sie angefangen, wieder regelmäßig Sport zu treiben, und dadurch zehn Kilo abgenommen.

          Sie war felsenfest davon überzeugt, dass sie kerngesund sei, und in diesem Bewusstsein vereinbarte sie auch einen Termin, als die Einladung zum Mammographie-Screening in der Post lag. Das Programm zur Früherkennung von Brustkrebs richtet sich bundesweit an zehn Millionen Frauen zwischen 50 und 69 Jahren und wird von den gesetzlichen Krankenkassen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung getragen. Als Ärztin wusste Reichardt zwar, dass der Behandlungserfolg gerade bei Krebs entscheidend davon abhängt, wie frühzeitig dieser erkannt wird und wie wichtig deshalb die Vorsorgeuntersuchung ist. Trotzdem hatte sie den ersten Mammographie-Termin zwei Jahre zuvor nicht wahrgenommen, weil sie „beruflich einfach zu viel um die Ohren hatte“.

          Jetzt waren aber zwei ihrer Patientinnen an Brustkrebs erkrankt, das gab ihr zu denken. Also ging sie zur Mammographie. „Mach dir keine Sorgen, da wird nichts sein!“, beruhigte sie ihr Frauenarzt, ein langjähriger Freund aus Studienzeiten. Doch es kam anders.

          Zwei kleine weiße Flecken in der rechten Brust veränderten ihr Leben. Kalkeinlagerungen, sogenannter Mikrokalk, in der Nähe des Brustmuskels und bei der Brustwarze – so lautete das Ergebnis der Mammographie. Bedrohlich hört sich das an, doch als Ärztin wusste sie: Nur in 20 Prozent der Fälle weisen die Kalkeinlagerungen tatsächlich auf eine Krebsvorstufe oder ein Karzinom hin. Also noch kein Grund zur Sorge. Ihr Frauenarzt sah das genauso, schickte sie sicherheitshalber aber in eine radiologische Praxis. Dort sollte eine Gewebeprobe des Mikrokalks entnommen und untersucht werden.

          „Warum ausgerechnet ich?“

          Sylvia Reichardts Tagesplan: Schnell in der Mittagspause hin, Biopsie machen lassen, dann sofort wieder zurück in die Praxis und weiterarbeiten. Hauptsache, „der Laden läuft und meine Patienten sind gut versorgt“. Dass sie krank sein könnte – Sylvia Reichardt glaubte es selbst dann noch nicht, als zwei Tage später ein Fax mit dem pathologisch-histologischen Befund in ihrer Praxis ankam: invasiv-lobuläres Mammakarzinom. „Wen hat es denn nun wieder erwischt? Welche meiner Patientinnen hat einen bösartigen Tumor?“, dachte sie. Verzweifelt suchte sie nach dem Namen der Betroffenen – und fand schließlich ihren eigenen. Ein Schock. „Als ich begriff, dass ich Krebs habe, zitterten meine Beine, und mir wurde übel“, erzählt sie. „Ich dachte, das kann einfach nicht wahr sein, das muss ein Fehler sein, warum ausgerechnet ich?“

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