https://www.faz.net/-gum-938p2

Sucht nach Nasenspray : Alle naselang

  • -Aktualisiert am

Frauke Lamprecht hat es Ende vergangenen Jahres geschafft, von den Sprays loszukommen. „Ich habe mir gedacht, es wäre wirklich schön, nicht mehr die Geisel von so einem kleinen Fläschchen zu sein.“ Dass mit der Abhängigkeit Risiken verbunden sind, war ihr immer bewusst gewesen. Denn Lamprecht hat Biochemie und Medizin studiert. Heute arbeitet sie als Assistenzärztin, ausgerechnet in einer großen HNO-Klinik. Und sie hatte Glück. „Unter dem Strich kann ich nicht sagen, dass das viele Sprühen mir geschadet hat“, sagt Lamprecht.

Ein Jahr Verzicht zur Entwöhnung

Umso schwerer war es für sie, auf die täglichen Inhalationen zu verzichten. Sie unternahm mehrere Versuche, von dem Stoff loszukommen, setzte die Mittel abrupt ab, verdünnte sie oder sprühte eine Zeitlang nur in ein Nasenloch, um sich zu entwöhnen – ohne Erfolg. Nach ein paar Tagen Entzug sprühte sie so oft wie zuvor. Erst als Lamprecht begann, zusätzlich zu dem abschwellenden ein cortisonhaltiges Nasenspray zu verwenden, wurde es besser.

Schritt für Schritt konnte sie die Menge des abschwellenden Wirkstoffs in der Sprühflasche durch harmlose Salzlösung ersetzen, weil das cortisonhaltige Spray durch seine entzündungshemmende Wirkung dafür sorgte, dass ihre Nase auch ohne die abschwellende Wirkung der konventionellen Mittel meistens frei blieb. „Zwischendurch musste ich in Kauf nehmen, keine Luft durch die Nase zu kriegen“, sagt Lamprecht. Schließlich kippte sie auch die letzten Milliliter abschwellende Lösung weg. „So schlimm“ sei der Entzug letztlich gar nicht gewesen, erinnert sich Lamprecht. „Man traut es sich nur nicht.“

Sprinter – der politische Newsletter der F.A.Z.
Sprinter – der Newsletter der F.A.Z. am Morgen

Starten Sie den Tag mit diesem Überblick über die wichtigsten Themen. Eingeordnet und kommentiert von unseren Autoren.

Mehr erfahren

Eine stufenförmige Entwöhnung mit Hilfe von Cortisonsprays ist in der Regel auch der Weg, den HNO-Ärzte ihren Patienten empfehlen. Für die kurzfristige Behandlung einer Schnupfennase sind die Cortisonsprays allerdings keine Alternative. Ihre Wirkung entfaltet sich erst nach etwa vier Tagen – dann ist der Schnupfen fast schon vorbei.

Lamprecht, die sich wegen ihrer Fehlbildungen in der Nase nicht hat operieren lassen, greift heute noch immer zwei- bis dreimal in der Woche zu dem cortisonhaltigen Spray, um gut atmen zu können, schädigt damit aber nicht ihre Nase. „Es gibt Untersuchungen zu einer langfristigen Anwendung, die zeigen, dass die Schleimhaut nicht dünner wird“, sagt Mediziner Wagenmann. Auch bakterielle Infektionen oder Pilzbefall begünstige diese Cortisonbehandlung nicht. Auf abschwellende Nasensprays sollten ehemalige Nasenspray-Junkies dagegen mindestens im ersten Jahr nach ihrer Entwöhnung verzichten. Die Nase hat ein Gedächtnis und findet nach einem Zug womöglich schon wieder Gefallen daran.

Weitere Themen

Topmeldungen

Bei der fünften TV-Debatte der demokratischen Präsidentschaftsanwärter ging es vor allem auch um die Anschuldigungen gegen Präsident Trump.

TV-Debatte der Demokraten : Biden kämpft um seinen Status

Bei der fünften Debatte der Demokraten versuchten sich vor allem die zentristischen Kandidaten zu profilieren: Joe Biden ist nicht mehr der unumstrittene Favorit. Natürlich ging es dabei auch um das Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Trump.
Der amerikanische Präsident Donald Trump gemeinsam mit Apple-Chef Tim Cook in einem Computerwerk in Austin, Texas

Freundschaftstest : Trump macht Apple Hoffnung

Tim Cook empfängt den Präsidenten zum Fototermin in einem Computerwerk in Texas. Dieser nützt die Kulisse für Attacken gegen seine politischen Gegner – und signalisiert, dass Apple von Strafzöllen verschont werden könnte.
Roger Hallam, Mitbegründer von Extinction Rebellion, bei einem Treffen im Kriterion-Kino in Amsterdam.

Extinction Rebellion : Ganz normaler Genozid

Warum nur bedauert man die Deutschen dafür, ihre Schuld zu tragen? Der Mitbegründer der Klimabewegung Extinction Rebellion relativiert den Holocaust.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.