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Sucht nach Nasenspray : Alle naselang

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Fauliger Geruch aus den Nasenlöchern

Gerd Glaeske sagt dagegen, dass manche Apotheker nicht ausreichend auf das Suchtpotential hinwiesen. „Es gibt Apotheker, die machen das toll und richtig“, sagt der Pharmakologe, „aber es gibt leider auch welche, die machen das gar nicht, da fällt die Beratung flach.“ Das sei problematisch, denn da man für abschwellende Nasensprays kein Rezept benötige, würden in der Folge viele Menschen denken, dass diese auch keine gravierende Nebenwirkungen haben könnten. Glaeske fordert deshalb sogar, den Arzneimittelherstellern zu verbieten, für Mittel wie die abschwellenden Nasensprays zu werben. Auch müsse der Warnhinweis in der Packungsbeilage deutlich hervorgehoben werden.

Tatsächlich riskiert, wer die Mittel zu lange nimmt, seine Schleimhaut dauerhaft zu schädigen. Durch die verminderte Durchblutung werden Schwebstoffe nicht mehr so gut herausgefiltert. „Die Selbstreinigung der Nase funktioniert nicht mehr“, sagt Achim Beule, Leitender Oberarzt an der HNO-Klinik der Universitätsklinik Münster. Die Folge ist eine chronische Entzündung der Schleimhaut, gekennzeichnet durch Trockenheit und kleine Risse, die sich durch Blut im Taschentusch bemerkbar machen. Ein guter Indikator für den Zustand der Nase sind auch die Krusten – umgangssprachlich: „Popel“. Normalerweise sind sie laut Beule „leicht schleimig-zäh“. Je stärker die Schleimhaut durch die regelmäßige Gefäßverengung angegriffen ist, desto trockener sind sie. In fortgeschrittenem Zustand ist auch der Knorpel in der Nasenscheidewand derart angegriffen, dass sich ein Loch zwischen den beiden Nasenlöchern bilden kann.

Das Schlimmste, was den Abhängigen droht, ist aber eine „Stinknase“, unter Fachleuten auch „Ozäna“ genannt. In diesen Fällen ist die Befeuchtung der Nasenschleimhaut derart eingeschränkt, dass sich dauerhaft Bakterien auf den trockenen Krusten ansiedeln – darunter auch solche, die dafür sorgen, dass die Nase einen fauligen Geruch verströmt. Die Betroffenen selbst können diesen nicht riechen, Umstehende aber schon. Er kenne Patienten, die wegen einer solchen „Stinknase“ nicht mehr ihrem Beruf nachgehen könnten, sagt Beule, der auch Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Rhinologie der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde ist. „Da dreht sich alles nur noch um die Nase.“ Einen Weg zurück zur „Normalnase“ gebe es für diese Menschen nicht. So müssten Betroffene den Feuchtigkeitshaushalt ihrer Nase dauerhaft mit Pflegemitteln und Spülungen befördern.

Der Geiselnahme durch die kleinen Fläschchen entkommen

Auch ihren Riechsinn gefährden die Betroffenen in diesen extremen Fällen. Bakterien könnten die Riechzellen angreifen, sagt Beule, ein durch den Rückgang der Schleimhaut und die Krustenbildung veränderter Luftstrom könne den Geruchsinn eintrüben. Nasensprays mit Konservierungsmitteln wie etwa Benzalkoniumchlorid haben laut Beule womöglich einen negativen Effekt. Man solle daher besser solche ohne Konservierungsstoffe nutzen. Eine Regeneration des Riechsinns sei allerdings „in gewissem Maße“ möglich.

Gleichwohl taugt die „Stinknase“ wohl nur sehr eingeschränkt als Schreckensszenario für die Abhängigen. Fälle von Patienten, die wegen ihrer Abhängigkeit von Nasensprays eine Ozäna ausbilden, sind selten. „Grob geschätzt“, sagt Beule, habe einer von 50 Patienten, die wegen einer Abhängigkeit von Nasensprays eine chronische Entzündung ihrer Nasenschleimhaut entwickelt haben, eine.

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