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Studie zu Abtreibungen : „Die Frauen finden ihre Entscheidung richtig“

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Auch in Deutschland wird zur Zeit viel über das hiesige Abtreibungsgesetz diskutiert. Paragraf 219a, ein Verbot zur Werbung für Schwangerschaftsabbrüche wurde zwar gelockert, aber nicht abgeschafft. Stattdessen kündigte die Bundesregierung als „Kompromiss“ eine Studie an, die abermals prüfen soll, wie Frauen Abtreibungen verarbeiten. Was kann Ihre Studie dieser Debatte beisteuern?

Ich bin der Meinung, dass diejenigen, die die Gesetze machen, ihre Politik zum Thema Abtreibungen auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse dazu stützen sollten, wie Frauen mit dieser Entscheidung umgehen. Die überwiegende Mehrheit der Frauen ist von der Richtigkeit ihrer Entscheidung überzeugt. Demnach sind gesetzliche Einschränkungen, die auf der Annahme beruhen, Frauen würden ihre Entscheidung für einen Schwangerschaftsabbruch eher bereuen, wissenschaftlich nicht fundiert.

2015 haben Sie bereits einen Teil der Studie veröffentlicht – damals über den Befragungszeitraum von drei Jahren. Unterscheiden sich die Ergebnisse von denen nach fünf Jahren?

Die Studie von 2015 hat untersucht, ob der Zeitpunkt der Abtreibung im Schwangerschaftsverlauf Einfluss auf die Gefühle der Frauen hat. Wir kamen zu dem Ergebnis, dass es für die Gefühlswelt der Frauen unerheblich ist, wie weit die Schwangerschaft vorangeschritten ist. Die aktuelle Studie hat hingegen untersucht, wie der Verlauf der Gefühle durch Stigmatisierungen und eine erschwerte Entscheidungsfindung beeinflusst wird, weil diese beiden Einflüsse zu negativen Gefühlen gegenüber dem Schwangerschaftsabbruch führen können. Bei beiden Faktoren hat sich jedoch herausgestellt, dass sie nur kurze Zeit die Gefühle der abtreibenden Frauen beeinflussen: Hier haben die Gefühle von jenen, denen die Entscheidung zum Abbruch zunächst schwergefallen ist, nach einer gewissen Zeit mit denen übereingestimmt, die sich mit der Entscheidung nicht schwer getan haben. Ebenso glichen sich die Gefühle der Frauen, die mit Stigmatisierungen durch den Schwangerschaftsabbruch in ihrem Umfeld zu kämpfen hatten jenen an, bei denen das nicht der Fall war. Eine überwiegende Mehrheit dieser Frauen teilte am Ende vor allem ein Gefühl der Erleichterung über ihre Entscheidung.

Werden Folgestudien an die Ergebnisse Ihrer aktuellen Studie angeschlossen? Und wenn ja, welche?

Die aktuelle Forschung zu Abtreibungen konzentriert sich bislang auf die Frauen, die den Eingriff in einer Abtreibungsklinik durchführen lassen. Frauen, die den Abbruch anderweitig, vielleicht sogar selbst durchführen, werden in der Forschung also vollkommen vernachlässigt. In unserem nächsten Forschungsprojekt begleiten wir Frauen von dem Moment der frühen Schwangerschaft, über die Entscheidung zur Abtreibung, bis hin zur Zeit nach dem Eingriff. So können wir nachvollziehen, wie Frauen die Entscheidung zu einer Abtreibung treffen, ob Frauen die Betreuung bekommen, die sie sich wünschen und ob Frauen besonders dort, wo Abtreibungen schwer zugänglich sind, sich für eine inoffizielle, meist risikoreiche Variante entscheiden.

Corinne Rocca forscht an der Universität von Kalifornien in San Francisco. Mit ihrem Team untersucht sie die Einstellungen von Frauen hinsichtlich Schwangerschaften und Abtreibungen sowie deren Zugang zu medizinischer Versorgung.

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