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Coronafolgen für Hochschüler : Zahl der internetsüchtigen Studenten hat sich 2020 verdoppelt

Studierende der FU Berlin zu Beginn des Wintersemester 2021/2022 Bild: Jens Gyarmaty

Durch die Pandemie hat die Internetsucht unter Studenten stark zugenommen. Auch der Beratungsbedarf steigt. Das könnte die Rückkehr an die Universitäten belasten.

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          Die Zahl internetsüchtiger Studenten hat sich schon im ersten Pandemie-Semester im Sommer 2020 verdoppelt. Einer Untersuchung der Universität Mainz zufolge wiesen 7,8 Prozent der Studienteilnehmer deutliche Anzeichen für eine Onlinesucht auf. Ein Jahr zuvor waren nur 3,9 Prozent der Studenten betroffen.

          Julia Schaaf
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Verhaltensstörung gehe in vielen Fällen mit einer depressiven Symptomatik, Einsamkeit, während der Pandemie aber auch mit gesteigerten Ängsten einher, heißt es in der Studie, die demnächst in der Fachzeitschrift „Suchttherapie“ veröffentlicht wird und der F.A.S. vorliegt. Dabei grenzten die Forscher Internetsucht als exzessiven Konsum mit schädlichen Auswirkungen klar ab von einer gesteigerten Internetaktivität ohne Störungscharakter, wie sie unter anderem durch die Umstellung der Hochschulen auf Onlinelehre verbreitet war.

          Manfred Beutel, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Universität Mainz, nannte das Ergebnis alarmierend. Mit Blick auf das beginnende Wintersemester sagte er: „Ich persönlich glaube, dass die Rückkehr an die Universität nicht ganz einfach wird. Die betroffenen Studenten haben einen großen Bedarf an aktiver Unterstützung.“ Beutel rechnet sowohl mit Leistungseinbußen als auch mit sozialen Schwierigkeiten.

          Das Deutsche Studentenwerk fordert infolge der stark gestiegenen psychischen Belastungen der Studenten durch die Pandemie einen Ausbau seiner psychosozialen Beratungsangebote mit staatlichen Mitteln. Matthias Anbuhl, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, sagte der F.A.S.: „Die Auswirkungen von drei Digitalsemestern, vor allem Isolation und depressive Verstimmungen, lassen sich nicht mit einem Präsenz­semester beheben. Wir gehen davon aus, dass es bis zu vier Semester dauern wird, bis die Folgen der Pandemie bei den Studierenden aufgearbeitet sind.“ Bisher werden die Beratungsstellen des Studentenwerks maßgeblich aus Beiträgen der Studenten finanziert.

          Nach Auskunft der Deutschen Hochschulrektorenkonferenz ist für das Wintersemester ein hoher Anteil an Präsenzveranstaltungen geplant. Studenten des Zusammenschlusses „OnlineLeere“ kritisierten, neben guten Gründen wie Vorerkrankungen von Professoren stünden dem „auch Banalitäten wie Bequemlichkeit“ im Weg. Ob Konzepte zufriedenstellten, müsse man im Einzelfall sehen.

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