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Strahlungsbelastung in Flugzeugen : Piloten und Flugbegleiter kämpfen mit hoher Dosis

Häufiges Fliegen bedeutet eine höhere Strahlenbelastung für den Körper Bild: dpa

Wer mit dem Flugzeug reist war in den vergangenen Jahren immer höherer Strahlenbelastung ausgesetzt. Zu diesem Ergebnis kommt das Bundesamt für Strahlenschutz. Piloten und Flugbegleiter sind besonders stark belastet.

          Die Bundesbehörde hatte über einen Zeitraum von fünf Jahren (2004 bis 2009) ihr Strahlenschutzregister ausgewertet. Demnach lag die mittlere Strahlenexposition im Jahr 2009 mit durchschnittlich 2,35 Millisievert effektiver Dosis pro Person um 20 Prozent höher als 2004. Die Bandbreite reichte dabei von weniger als 0,2 bis zu Spitzenwerten von sieben Millisievert im Jahr. Männliche Flugbegleiter hatten mit durchschnittlich 2,9 Millisievert effektive Dosis pro Jahr die höchste Strahlenbelastung.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Flugreisende sind höherer Strahlung ausgesetzt

          In Deutschland gelten - zusätzlich zur natürlichen ionisierenden Strahlung, der ein Mensch ständig ausgesetzt ist - ein Millisievert im Jahr als unbedenklich. Die Stärke der kosmischen Strahlung aus dem Weltall hängt aufgrund der schützenden Lufthülle von der Höhenlage ab. Wer mit einem Flugzeug reist, ist in Abhängigkeit von Höhe, geographischer Breite und Datum des Flugs einer höheren Strahlenbelastung ausgesetzt.

          Wie viel kosmische Strahlung in die Atmosphäre gelangen kann, hängt eng mit der Sonnenaktivität zusammen, die in einem rund elfjährigen Zyklus zu- und abnimmt: Ist die Sonnenaktivität hoch, lenkt der Sonnenwind einen großen Teil der kosmischen Strahlung ab, ist sie niedrig, sind auch der Sonnenwind und die Ablenkung schwächer. Zwischen 2004 und 2009 hat die Sonnenaktivität kontinuierlich abgenommen, die Höhenstrahlung stieg zugleich an, die Strahlendosis bei Flügen nahm zu.

          Strahlenschutzüberwachung für Bedienstete

          Insgesamt überprüfte das Bundesamt 36 600 Beschäftigte von Fluggesellschaften, das waren etwa zehn Prozent aller Personen, die im Strahlenschutzregister aufgeführt sind. In Deutschland gab es 2009 etwa 372 000 Personen, die als beruflich strahlenexponiert eingestuft und deshalb strahlenschutzüberwacht waren, unter ihnen zum Beispiel nuklearmedizinisches und röntgenologisches Personal sowie Beschäftigte in der Kerntechnik.

          Piloten und Flugbegleiter zählen allerdings mit durchschnittlich mehr als 2,3 Millisievert pro Jahr zu den Berufsgruppen mit der höchsten durchschnittlichen Strahlenbelastung. Nach BfS-Angaben liegt im Vergleich die durchschnittliche Exposition des medizinischen Personals bei nur 0,5 Millisievert effektiver Dosis im Jahr.

          Das Alter macht den Unterschied

          Die höhere Strahlenbelastung der männlichen Flugbegleiter könnte nach Angaben des BfS darauf hinweisen, dass die Beschäftigten familiär ungebundener sind als ihre Kolleginnen und deshalb mehr zeitaufwendige Langstreckenflüge absolvieren können. Darum sind nach Meinung der Strahlenexperten auch jüngere Flugbegleiterinnen stärker betroffen als ihre älteren Kolleginnen. Bei den Piloten ist es umgekehrt: Da jüngere Piloten zunächst vorwiegend auf Kurz- und Mittelstrecken eingesetzt werden, sind sie weniger belastet als die erfahrenen Kapitäne auf ihren Langstreckenflügen.

          Bislang gibt es nach Angaben des Strahlenschutzamtes nur in einzelnen epidemiologischen Studien Hinweise darauf, dass fliegendes Personal leicht erhöhten Gesundheitsrisiken ausgesetzt ist. Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen der Höhenstrahlung und zum Beispiel der Häufigkeit von Krebserkrankungen sei nach gegenwärtigem Kenntnisstand wissenschaftlich nicht gesichert.

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