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Medizinische Studie : Stillende Frauen bekommen seltener einen Infarkt oder Schlaganfall

Eine Mutter stillt ihre Tochter: Wie eine neue Studie ergab, ist Stillen nicht nur für das Kind, sondern auch die Mutter gesund. Bild: dpa

Kinder, die als Säuglinge die Brust bekommen, sind gesünder als ihre Altersgenossen. Doch auch die Mütter profitieren, wie eine neue Studie zeigt.

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          Mütter, die ihre Kinder stillen, haben ein geringeres ­Risiko, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden, als Frauen, die nicht gestillt haben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studienauswertung, die jetzt im „Journal of the American Heart Association“ (JAHA) erschienen ist. Sie fußt vor allem auf den Erkenntnissen anderer zuvor veröffentlichter Studien, die unter anderen Peter Willeit und Lena Tschiderer von der Medizinischen Universität Innsbruck zusammengetragen haben.

          Peter-Philipp Schmitt
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Demnach werteten sie die Gesundheitsdaten von acht verschiedenen Studien und knapp 1,2 Millionen Frauen aus. Das Durchschnittsalter der Teilnehmerinnen bei Studienbeginn lag bei 51,3 Jahren, ihr erstes Kind ­hatten sie im Durchschnitt mit 24,6   Jahren bekommen. Weitere Daten, die einflossen, waren nach Angaben Tschiderers unter anderem, wie lange die Frauen gestillt, wie viele Kinder sie bekommen und ob sie im späteren Leben einen Infarkt oder Schlaganfall erlitten haben.

          Das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung war bei den 82 Prozent Frauen, die angaben, irgendwann im Leben gestillt zu haben, elf Prozent geringer als bei den Frauen, die angaben, nie gestillt zu haben. Über einen Beobachtungszeitraum von zehn Jahren zeigte sich zudem, dass stillende Mütter in ihrem späteren Leben ein 14 Prozent geringeres Risiko hatten, herzkrank zu werden. Die Gefahr, einen Schlag­anfall zu erleiden, sank um zwölf, die an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben um 17 Prozent.

          Vorteile auch für stillende Mütter

          Dabei spielten das Alter der Frauen und die Zahl der Geburten kaum eine Rolle, die Zeit, wie lange die Frauen stillten, hingegen schon: Bei Frauen, die in ihrem Leben zwölf Monate oder länger gestillt hatten, traten Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems klar erkennbar seltener auf als bei Frauen, die ihren Kindern nie die Brust gegeben hatten.

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          Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt das Stillen zum Wohle von Kindern schon lange – und zwar für mindestens sechs Monate nach der Geburt, ausschließlich sollten es dabei volle vier Monate sein. Der gesundheitliche Nutzen für die Kinder ist nach Experten-Meinung groß: So erkranken sie vor allem seltener an vielen Infektionskrankheiten wie etwa Infektionen der Atemwege.

          Eine Vielzahl an Studien belegt aber auch schon länger die gesundheitlichen Vorteile für die stillenden Mütter: Sie erkranken – genauso wie übrigens ihre Kinder – seltener an Diabetes Typ 2 oder auch an Eierstock- und Brustkrebs. Obwohl fast 90 Prozent der angehenden Mütter in Deutschland angeben, ihre Kinder stillen zu wollen, geben nach Angaben des Bundesernährungsministeriums nur etwa zwei Drittel der Frauen nach der Geburt ihren Kindern die Brust. Nach zwei Monaten sind es etwas mehr als die Hälfte, nach vier Monaten knapp 40 Prozent.

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