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Stiftung Organtransplantation : Ärzte sollen mehr für Organspenden werben

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Der Jahreskongress der Deutschen Stiftung Organtransplantation beschäftigt sich in Frankfurt mit der zuletzt gesunkenen Bereitschaft zur Organspende. Bild: dpa

Die Zahl der Organspender ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Auf ihrem Jahreskongress ruft eine Stiftung Ärzte zu mehr Engagement auf.

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          Die Deutsche Stiftung Organtransplantation hat Klinikärzte dazu aufgefordert, der Möglichkeit von Organspenden mehr Aufmerksamkeit zu schenken. „Es ist unser Interesse, Ärzte dazu zu motivieren“, sagte Axel Rahmel, Medizinischer Vorstand der Stiftung, am Donnerstag in Frankfurt. Dort findet bis zum heutigen Freitag der zweitägige Jahreskongress der Stiftung statt.

          „Der Schlüssel zu mehr Organspenden liegt vor allem in den Krankenhäusern“, sagte Rahmel. Wichtig sei, früh mit den Patienten und deren Angehörigen über eine mögliche Spende zu sprechen. Er wisse um die „enorme Leistungsverdichtung“ und den Zeitdruck in Kliniken. Die Zahl der Krankenhäuser sei geschrumpft, gleichzeitig aber die Zahl der Patienten auf Intensivstationen gestiegen. Rahmel rief die Ärzte dennoch dazu auf, eine Therapie nicht zu beenden, ohne an die Option Organspende gedacht zu haben.

          Auch die Hausärzte sieht er in der Pflicht: Sie sollten besser über die Organspende informieren, wenn sie in Gesprächen über Patientenverfügungen aufklärten. So könne jemand, der zu einer Spende bereit sei, eine intensivmedizinische Behandlung nicht kategorisch ausschließen.

          Die Zahl der Organspender ist Rahmel zufolge seit 2014 relativ stabil. Für dieses Jahr geht er für ganz Deutschland von rund 850 Spendern aus. Allerdings ist deren Zahl in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen, auch die Zahl gespendeter Organe. In Hessen gab es nach Angaben der Stiftung von Januar bis Oktober vergangenen Jahres 49 Spender und 161 gespendete Organe, in diesem Jahr waren es in jenem Zeitraum 46 beziehungsweise 142. Die Zahl der Organverpflanzungen lag 2015 bei 121, in diesem Jahr waren es bisher 93.

          Organspendern mit mehr Wertschätzung begegnen

          Rahmel verwies darauf, dass die Stiftung Krankenhäuser vielfach unterstütze. Außerdem qualifiziere sie die Transplantationsbeauftragten in den Kliniken. Von den 1600 Beauftragten seien bisher 20 Prozent geschult worden. Diese Kräfte gibt es seit einer Novellierung des Transplantationsgesetzes im Jahr 2012.

          Wie Rahmel forderte auch Heiner Röschert, Organspendern mit mehr Wertschätzung zu begegnen. Sie würden in der Öffentlichkeit schnell vergessen, sagte Röschert, dessen erwachsenem Sohn nach einem tödlichen Verkehrsunfall Organe entnommen wurden. Röschert rief dazu auf, seinen Willen für oder gegen eine Organspende gegenüber Angehörigen klar zu äußern. „Dies zu wissen ist so wichtig.“

          Zu Gast bei den Kongress war auch die Sportlerin Franziska Liebhardt. Sie hatte im September bei den Paralympics in Rio de Janeiro eine Gold- und eine Silbermedaille gewonnen. Sie bekam nach einer schweren Erkrankung eine neue Lunge und eine Niere. Dass sie ihre sportliche Laufbahn würde fortsetzen können, hielten Ärzte anfangs für unmöglich, doch Liebhardt hat es geschafft. Sie rief die Transplantationsmediziner dazu auf, Organempfängern Mut zum Leben zu machen.

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