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Sterbefälle : Herzversagen bleibt die häufigste Todesursache

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

2004 starben in Deutschland weniger Menschen an Herzversagen als im Jahr zuvor. Dennoch ist dies weiterhin die häufigste Todesursache. Ein Viertel der Verstorbenen erlag einem Krebsleiden.

          Im vergangenen Jahr sind weniger Menschen in Deutschland gestorben als 2003. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Mittwoch in Wiesbaden bekanntgab, starben 2004 insgesamt 818.271 Personen - 383.388 Männer und 434.883 Frauen -, das waren 35.675 Sterbefälle oder 4,2 Prozent weniger als im Jahr zuvor (853.946).

          Eine Erklärung dafür gebe es nicht, teilte ein Sprecher des Bundesamts mit. Die Anzahl der Sterbefälle unterliege allerdings über die Jahre erheblichen Schwankungen. So starben 1998 in Deutschland 852.382 Menschen, 1999 waren es 846 330. In den Jahren 2000 und 2001 sank die Zahl weiter auf 838.797 und 828.541, bevor sie 2002 (841.686) und 2003 (853.946) wieder sprunghaft stieg.

          Ältere Menschen wieder besonders betroffen

          Obwohl 2004 merklich weniger Menschen - nämlich 368.472 - an Erkrankungen des Kreislaufsystems gestorben sind als noch vor sechs Jahren (1998 waren es 411 404), so hat sich insgesamt an der Rangfolge der häufigsten Todesursachen auch im vergangenen Jahr nichts geändert. Bei nahezu jedem zweiten Verstorbenen (152.468 Männer und 216.004 Frauen) - wie auch schon in den Vorjahren - führte eine Kreislauferkrankung zum Tod. Auch ältere Menschen waren 2004 wieder besonders betroffen: Mehr als 90 Prozent der Verstorbenen waren älter als 65 Jahre. Frauen starben entsprechend häufiger, weil sie im Durchschnitt älter als Männer werden. Zur Gruppe der Kreislauferkrankungen gehört auch der Herzinfarkt, an dem 67.149 Personen starben - davon 54,8 Prozent Männer (36 803) und 45,2 Prozent Frauen (30.346).

          Einem Krebsleiden erlag im Jahr 2004 gut ein Viertel aller Verstorbenen (111.013 Männer und 98.316 Frauen). Bei den Männern starben die meisten an bösartigen Tumoren der Verdauungsorgane (35.936) und der Atmungsorgane (30.427), bei den Frauen führten ebenfalls vor allem bösartige Tumore der Verdauungsorgane (32.539) zu einem vorzeitigen Tod, vor Brustdrüsenkrebs (17.592). An nichtnatürlichen Todesursachen (etwa Verletzungen und Vergiftungen) starben 33.309 Personen (20.758 Männer und 12.551 Frauen). Von den 10.733 Personen, die im Jahr 2004 freiwillig aus dem Leben schieden, waren 74 Prozent Männer und 26 Prozent Frauen.

          Unvollständige Angaben des Arztes

          Die Demographen verweisen darauf, daß sie nur bedingt Aussagen über Auffälligkeiten bei den Todesursachen treffen können. Daß etwa mehr Frauen (56,6 Prozent) als Männer (43,4 Prozent) bei Stürzen ums Leben kommen, hänge vermutlich damit zusammen, daß Frauen sich häufiger bei Haushaltsunfällen tödlich verletzten. Umgekehrt sterben merklich mehr Männer (62,3 Prozent von 33.309 im Jahr 2004) an Verletzungen und Vergiftungen als Frauen. „Uns fehlen aber Daten, die zum Beispiel Auskunft über den Beruf geben“, sagt der Amtssprecher. Nur so könnten aber auch inhaltliche Aussagen zu den Todesursachen getroffen werden.

          Das Statistische Bundesamt stützt sich auf den von einem Arzt ausgestellten Leichenschauschein. Darin wird neben demographischen Angaben (Alter, Geschlecht, Wohnort) auch die Todesursache verzeichnet. Im Idealfall stellt der Arzt das sogenannte Grundleiden fest, das ursächlich zum Tod geführt hat. Ein Wort als Todesursache reicht dabei aus, allerdings steht in dem Dokument oft auch die Anamnese, die Vorgeschichte einer Krankheit. Nach Angaben des Bundesamts ist die Eintragung des Arztes oft unvollständig oder problematisch. Ein Grundleiden sei nicht immer auszumachen, Herzversagen wohl auch deshalb die häufigste Todesursache, weil dem Anschein nach das Herz bei fast jedem natürlich Verstorbenen versagt hat. Etwa ein Prozent der Todesursachen bleibt für die Ärzte rätselhaft und wird als „Sonstige ungenau oder nicht näher bezeichnete Todesursachen“ registriert.

          13.000 Todesursachen werden unterschieden

          Der Leichenschauschein wird vom Einwohnermeldeamt (Eintrag ins Sterbefallregister) und vom Gesundheitsamt - lag eine ansteckende Krankheit vor - geprüft, bevor die Angaben bei den Statistischen Landesämtern wieder zusammenlaufen. Dort stellen Signierer jeweils eine einzige Todesursache fest, die fortan alphanumerisch registriert wird.

          Grundlage ist die „International Classification of Diseases“ (ICD-10), die 10. Revision (seit 1998) der „Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme“. Etwa 13.000 Todesursachen werden unterschieden. Jedes Jahr kommen neue hinzu: etwa die Lungenkrankheit Sars oder seit kurzem auch die Vogelgrippe.

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