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Stammzellenspende : Ein Wattestäbchen gegen den Blutkrebs

  • -Aktualisiert am

Spender bei einer Blutstammzellenentnahme Bild: Picture-Alliance

Vor 40 Jahren erhielt in Deutschland zum ersten Mal ein Mensch eine Stammzellenspende. Heute gibt es hierzulande das weltweit größte Spenderregister. Dennoch sterben auch heute noch Menschen, weil sich kein passender Spender findet.

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          Christoph Meckes ist acht Jahre alt, als seine Ärzte etwas von „therapeutischer Verzweiflung“ in seine Krankenakte schreiben. Meckes leidet an aplastischer Anämie, an Knochenmarksversagen: Sein Körper produziert nicht mehr die Blutbestandteile, die er zum Leben braucht. Kurz vor Weihnachten war seiner Mutter aufgefallen, dass ihr Sohn immer blasser wurde. Nach dem Jahreswechsel kommt Meckes in die Kinderklinik in München-Schwabing. „Damals war ich ja noch ziemlich klein, und meine Eltern und die Ärzte haben den Ernst der Lage ziemlich gut von mir ferngehalten“, erzählt er.

          Als Bestrahlung und eine Chemotherapie nicht anschlagen, ist klar, dass Meckes nur noch mit einer Knochenmarkspende gerettet werden kann. Zu diesem Zeitpunkt ist so eine Behandlung in Deutschland noch nie durchgeführt worden. Meckes’ Ärzte nehmen Kontakt zu Hans-Jochem Kolb auf; der inzwischen emeritierte Professor für Onkologie hatte in den Jahren zuvor in den Vereinigten Staaten über Knochenmarkstransplantationen geforscht. Kolb erklärt sich bereit, die Transplantation durchzuführen. Jetzt fehlt nur noch ein geeigneter Spender.

          Geschwister waren Meckes Glück

          Meckes hat Glück: Er hat sieben Geschwister, von denen vier als Spender in Frage kommen. Sein ältester Bruder spendet ihm schließlich Knochenmark; am 18. März 1975 erhält Meckes die Transplantation. Er ist damit der Erste, dem in Deutschland jemals Stammzellen transplantiert wurden.

          Bis heute wurden weltweit mehr als 250.000 Knochenmarkstransplantationen durchgeführt. Zu verdanken ist das den Spenderregistern weltweit, in denen sich grundsätzlich jeder registrieren lassen kann. Alles, was man zunächst dafür braucht, ist ein Wattestäbchen-Abstrich der Wangeninnenseite des potentiellen Spenders. Die darin enthaltenen Stammzellen werden im Labor auf ihre Gewebemerkmale untersucht und anschließend in einer Datenbank registriert.

          Der erste Empfänger einer Stammzellenspende 40 Jahre danach: Christoph Meckes
          Der erste Empfänger einer Stammzellenspende 40 Jahre danach: Christoph Meckes : Bild: Privat

          Erkrankt irgendwo auf der Welt ein Mensch an Blutkrebs oder einer anderen Krankheit, die dazu führt, dass sein eigener Körper nicht mehr genügend Blut produziert, kann sein Arzt in den Registern nach jemandem mit denselben Gewebemerkmalen suchen lassen. An vielen deutschen Kliniken gibt es eigens Suchbeauftragte. In der Regel fragen sie zuerst bei den deutschen Registern an. Finden sie dort niemanden, weiten sie ihre Suche auf die Register anderer Länder aus.

          Nur wenige Spender werden zur Transplantation gebeten

          Manche Patienten haben das Glück, dass es für sie gleich mehrere passende Spender gibt. Für andere findet man nur einen, und für jeden fünften Patienten gibt es überhaupt keinen passenden Spender. Wie schwierig es ist, zwei Menschen mit zueinander passenden Stammzellen zu finden, sieht man daran, dass nur drei bis fünf Prozent der registrierten Spender auch tatsächlich zur Transplantation gebeten werden.

          Begonnen hat die Geschichte der Spenderregister in Deutschland Mitte der achtziger Jahre, als der damals 16-jährige Stefan Morsch an Leukämie erkrankte und es in seiner Familie keinen passenden Spender gab. In einer Zeitschrift las sein Vater einen Artikel über die Stammzellenspende eines Fremden an ein achtjähriges Mädchen in England und über eine Londoner Organisation, die eine Liste mit 50.000 potentiellen Spendern führte.

          Ein Abstrich schafft Klarheit: Die Möglichkeit, ein Wattestäbchenset online zu bestellen, hat die Zahl der Spender massiv wachsen lassen.
          Ein Abstrich schafft Klarheit: Die Möglichkeit, ein Wattestäbchenset online zu bestellen, hat die Zahl der Spender massiv wachsen lassen. : Bild: Picture-Alliance

          Der Vater setzte sich mit der Organisation in Verbindung, die bei der Spendersuche für seinen Sohn half. Es wurde jemand gefunden, der passte, und im Juli 1984 war Morsch der erste Europäer, dem Stammzellen von jemandem übertragen wurden, der nicht aus seiner Familie stammte. Morsch überlebte die Transplantation, starb aber ein halbes Jahr später an den Folgen einer Lungenentzündung. Seine Eltern gründeten daraufhin die Stefan-Morsch-Stiftung und riefen ein Register ins Leben, das heute rund 400.000 Spender enthält.

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