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Stallpflicht : Eier von unglücklichen Hühnern

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Freilandhühner: Unzufrieden im Stall Bild: dpa/dpaweb

Die Stallpflicht macht vor allem Bio-Bauern zu schaffen. Sie fürchten um den guten Ruf der Freilandhaltung, wenn als Vorbeugung vor der Vogelgrippe ihre Hühner eingesperrt werden müssen. Außerdem könnte die Tierseuche ganze Existenzen gefährden.

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          Aufgeregt steht eine Herde weiß-braun gefiederter Hühner am Maschendrahtzaun ihres wintergartenähnlichen Stalls. Die warme Herbstsonne wirft gitterartige Schatten auf ihr geschecktes Federkleid. Ihre Schnäbel leuchten hellrot in der Sonne. Einige picken damit gegen die Metallklappen, durch die sie normalerweise auf die fußballfeldgroße Wiese vor ihrem Stall hinaus können. Heute aber bleiben die grauen Klappen für die 3000 Hühner verschlossen. Es sind bayerische Hühner, ihr zu Hause ist ein Bauernhof in Vohburg, 80 Kilometer nördlich von München gelegen.

          Das Freilandverbot für Geflügel, welches Bayern am Mittwoch als erstes Bundesland flächendeckend zum Schutz des Geflügels vor möglicherweise mit Vogelgrippe infizierten Zugvögeln verhängt hat, erlaubt ihnen vorerst keine Spaziergänge mehr nach draußen. Spätestens vom Wochenende an wird die Stallpflicht auch für ihre Artgenossen in den anderen Bundesländern gelten.

          „Das Verbot ist richtig“

          Im Haus gegenüber steht ein Mann am Fenster und blickt auf den Hühnerstall hinunter. „Ich finde das Verbot richtig, wenn die Tiere so wirklich geschützt werden können“, sagt Walter Höhe. Der 46 Jahre alte Mann ist Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft CW Öko Ei GmbH. Die Hühner, auf die er hinabblickt, gehören zu einem der 22 Betriebe, deren Eier er vertreibt. Alle Betriebe sind Bio-Höfe. Sie trifft die verordnete Stallpflicht besonders. Denn die Bio-Bauern erlauben ihrem Geflügel zur artgerechten Haltung normalerweise Freilandausflüge. „Kurzzeitig haben es die Käfighühner momentan sogar besser. Sie müssen sich nun gar nicht erst daran gewöhnen, drinnen zu bleiben“, sagt Höhne sarkastisch. Er ist nicht gut auf die Käfighaltung zu sprechen. Als vor etwa 20 Jahren die Bioprodukt-Bewegung aufkam, war Höhne selbst noch Landwirt und hatte einen eigenen Geflügelhof. „Für mich war von Anfang an klar, daß nur artgerechte Haltung in Frage kommt. Wegen der Viecher.“

          Seit vier Jahren schon hat der blonde Landwirt keinen eigenen Hof mehr und ist nur noch für den Eiervertrieb zuständig. 250.000 Eier werden jede Woche von den 22 Bauernhöfen in seine Firma geliefert. Sie werden dort gewogen, nach Gewichtsklassen sortiert, in Kartons verpackt und an Supermarktketten abgegeben. So haben es Höhne und seine Kollegen geschafft, daß sie Bioeier rentabel verkaufen können. Jetzt aber hat Höhne Angst um den Ruf der Freilandhaltung. "Es besteht die Gefahr, daß die Käfig-Mafia die Presse für sich mißbraucht und die Freilandhalter als Schuldige für die Vogelgrippe hinstellt." Einen Verkaufsrückgang bei seinen Eiern stellt er bislang nicht fest. Noch hättenn die Kunden das Vertrauen in die biologischen Produkte und seien bereit, dafür auch einen höheren Preis zu bezahlen.

          Kommt die Vogelgrippe, ist die Existenz bedroht

          Mulmig ist es Höhne dieser Tage aber dennoch zu Mute, wenn er neue Meldungen über die Vogelgrippe hört. „Kommt die Vogelgrippe tatsächlich nach Deutschland und nach Bayern, dann ist meine Existenz bedroht.“ Anders als die Landwirte, die ihn mit Eiern beliefern, würde er kein Geld aus der Tierseuchenkasse bekommen, falls es zu Notschlachtungen käme. "Mein Vertrieb ist noch nicht einmal versichert, ich hätte dann gar nichts mehr." Er steht auf und blickt schweigend aus dem Fenster. Dann sagt er: "Ich habe ja auch noch 18 Mitarbeiter, denen ich nicht so einfach kündigen kann."

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