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Kinder- und Jugendsportbericht : Rumtoben statt Rumsitzen

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Der Deutsche Kinder-und Jugendsportbericht fordert auch eine verstärkte Inklusion Behinderter in Vereine. Bild: dpa

Der Nachwuchs verbringt viel Zeit in Kitas und Ganztagsschulen. Wenn Erzieher, Schulen und Vereine nicht gegensteuern, sitzen Kinder zu lange still, warnt eine Studie. Das könnte gravierende Folgen haben.

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          Kinder und Jugendliche treiben zu wenig Sport. Zu diesem Ergebnis kommt der am Freitag veröffentlichte dritte Deutsche Kinder- und Jugendsportbericht. Schuld daran sei auch der Ausbau der Ganztagesbetreuung in Kitas und Schulen, glauben die Forscher. Die Folgen seien Koordinationsstörungen, Haltungsschäden oder Übergewicht, heißt es in dem Bericht.

          Die Autoren der 640 Seiten dicken Studie sehen daher auch Vereine und Verbände in der Pflicht: Sie müssten dafür sorgen, erfolgreiche Kooperationsmodelle mit Schulen auch bei anderen Einrichtungen bekanntzumachen. Spiel und Sport müssten verstärkt in den Einrichtungen verankert werden, heißt es in dem in Essen vorgestellten Bericht, der in Zusammenarbeit mit der Krupp-Stiftung entstanden ist. Erzieher in Kitas müssten keine Rolle rückwärts vormachen, sagte der Hauptautor der Studie, Professor Werner Schmidt von der Universität Duisburg-Essen. Sie müssten aber Bewegung zulassen.

          Sport verliert zunehmend an Bedeutung

          Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) forderte mehr Sport in den Ganztagseinrichtungen. Er ermunterte Kindergärten, Schulen und Vereine zu verstärkter Kooperation. Dabei betonte de Maizière den Stellenwert des Sport in der Gesellschaft. „Es gibt für Kinder und Jugendliche nichts Besseres, als über den Sport zu lernen, was Leistung ist, aber auch, was Kameradschaft bedeutet. Das zu fördern, ist Aufgabe nicht nur des organisierten Sports, sondern auch von Kindergärten und Schulen, aber auch von Eltern“, sagte der auch für Sport zuständige Innenminister.

          Die gesellschaftliche Bedeutung von Sport nähme jedoch immer weiter ab, beklagen Sportmediziner wie Christine Graf von der Deutschen Sporthochschule in Köln. Sie warnt vor Bewegungsmangel und Übergewicht als Folge. „Dicke haben schon im ersten Schuljahr schlechtere motorische Fähigkeiten als normal- oder untergewichtige Kinder.“ Sie schlägt für Kinder daher 90 Minuten intensive Bewegung am Tag vor.

          Der Bericht geht auch auf den Gemeinschaft stiftenden Charakter von Sport ein und empfiehlt, Vereine und Sportlehrer besser auf die Inklusion behinderter Kinder vorzubereiten. Sport solle außerdem als Integrationschance für Migranten genutzt werden. „Das gleiche Trikot hat unglaubliche integrative Wirkung“, sagte de Maizière.

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