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Sport begünstigt die Genesung : Zirkeltraining gegen den Tumor

Auf dem Crosstrainer: Michaela Daverkausen bei der Sporttherapie Bild: Schoepal, Edgar

Michaela Daverkausen hat Brustkrebs. Noch während der Bestrahlung treibt sie wieder Sport. Denn mit Bewegung, so sagen Mediziner, erhöhen Krebspatienten ihre Chance aufs Überleben.

          Michaela Daverkausen hatte sich einige Fitnessstudios in ihrer Heimatstadt angeschaut, bevor sie sich für den schmalen Raum entschied, in dem sie seit zwanzig Minuten auf dem Crosstrainer steht. Nicht etwa weil sie dort die neusten Laufbänder nutzen kann oder das Interior besonders en vogue ist. Im Gegenteil: Die Wände glänzen in eintönigem Orange. Weitläufige Duschen und schöne Saunen zum Entspannen fehlen. Zu den Umkleiden muss man öde Flure passieren, und die Musik schallt aus einem kleinen Kofferradio in der Ecke.

          Lucia Schmidt

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch die Zweiundfünfzigjährige hat sich genau diesen Ort zum Sporttreiben ausgesucht, weil sie hier mit Menschen trainiert, die das gleiche Schicksal ereilt hat wie sie selbst: die Diagnose Krebs. Vor rund eineinhalb Jahren stellte man bei Michaela Daverkausen Brustkrebs fest. Es folgten Operation, Bestrahlung und regelmäßige Medikamenteneinnahme. Ein Einschnitt in alle Lebensbereiche. Einschränkungen und Umstellungen bestimmten plötzlich den Alltag.

          Die Ratschläge lauten häufig: Viel Ruhe und Schonung

          Der eigentliche Lebensplan wurde auf den Kopf gestellt. Doch eins sollte so bleiben, wie es vorher war, dazu war Daverkausen, selbst Ärztin, fest entschlossen: Bewegung hatte bis zur Diagnose einen festen Platz in ihrem Leben gehabt; daran sollte sich auch danach nichts ändern. Schon einige Tage nach der Operation ging sie für leichte Übungen zur Krankengymnastik, und drei Wochen nach dem Eingriff meldete sie sich schließlich zur „Onkologischen Trainingstherapie“ (OTT) an, zu der das kleine Fitnessstudio im Erdgeschoss der Frauenklinik an der Kölner Uniklinik gehört.

          Sie war damals, im November 2012, eine der ersten, die dort mehrmals die Woche ein Ausdauer- und Krafttraining absolvierte. Heute sind die Besuche feste Termine in ihrem Alltag mit der Erkrankung. Geht es nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen, dann hat Daverkausen alles richtig gemacht. Zwar lauten die Ratschläge für Krebspatienten auch heute, gerade am Beginn der Therapie, noch häufig: möglichst viel Ruhe und Schonung, wenig Belastung, das Immunsystem bloß nicht zusätzlich strapazieren.

          „Aktivere Patienten leben länger“

          „Doch diese Aussagen sind lange überholt“, sagt Professor Wilhelm Bloch von der Kölner Sporthochschule. „Man weiß mittlerweile sicher aus der Forschung, dass körperliche Betätigung bei onkologischen Patienten nicht schadet, sondern Nebenwirkungen und Folgeerscheinungen von Therapien mindert und damit die Lebensqualität verbessert.“

          Die Kölner Sportmediziner konnten zeigen, dass Sport, selbst anstrengender, nicht wie lange angenommen das Immunsystem des Patienten schwächt und damit das Metastasierungsrisiko erhöht - „sondern dass zwischen dem Aktivitätsniveau der Patienten und ihrer Prognose beziehungsweise ihren Überlebenszeiten ein Zusammenhang besteht“, so Bloch. Er betont: „Bei mehreren Tumorentitäten konnten andere Studien sogar zeigen, dass aktivere Patienten länger leben.“ Erkenntnisse, die bei der Behandlung von Krebserkrankten ganz neue Möglichkeiten schaffen.

          Doch Kölner Uniklinik und Sporthochschule, die im „Centrum für integrierte Onkologie Köln/Bonn“ kooperieren, sind bisher deutschlandweit die ersten und immer noch einzigen Einrichtungen, die ein solches spezielles therapeutisches Trainingszentrum wie die OTT ausschließlich für Krebspatienten anbieten. Und das mit Erfolg.

          Auch im Akutstadium solle man Sport treiben

          Insgesamt rund 500 Patienten haben Bloch und sein Team seit November 2012 betreut. Die gesponserten Geräte stehen dabei lange nicht nur Brustkrebspatienten zur Verfügung. Auch wenn sich die Räume in der Frauenklinik befinden, bringen dort ebenso Prostata-, Darm- oder Knochenkrebspatienten ihren Körper wieder in Form. Geben die behandelnden Ärzte ihre „Unbedenklichkeitserklärung“, darf sich auf der Fläche in Köln jeder Tumorpatient sportlich betätigen.

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