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Smog in China : Nicht einmal der Bürgermeister findet Peking noch schön

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Chinas graue Hauptstadt: Nur auf dem gewaltigen LCD-Bildschirm an einem Pekinger Wolkenkratzer ist der Himmel noch blau. Bild: dpa

Der bisherige Umweltplan der Stadtverwaltung zeigt wenig Wirkung. Nun will Pekings Bürgermeister den Zuzug begrenzen. Dabei ist der gesundheitsschädliche Smog nicht nur der Hauptstadt selbst zuzurechnen.

          Jetzt wird es selbst dem Bürgermeister zu viel. Peking sei keine lebenswerte Stadt, hat Wang Anshun, der Bürgermeister der chinesischen Hauptstadt, zugegeben. Er muss sich an die Brust klopfen, denn seiner Stadtverwaltung ist es auch im vergangenen Jahr nicht gelungen, die katastrophale Luftverschmutzung zu verringern.

          Im September 2013 hatte die Stadtverwaltung einen Umweltplan vorgelegt, der die Luft klären sollte. Die bescheidene Zielvorgabe einer Verringerung der Feinstaubwerte um fünf Prozent wurde verfehlt, knapp vier Prozent wurden erreicht. Derweil husten und keuchen Pekinger Bürger weiter, wenn sich der dicke Smog auf die gewaltige Stadt legt.

          Die Feinstaubwerte bewegen sich an vielen Tagen des Jahres in Höhen, die von der Weltgesundheitsorganisation als „gesundheitsschädlich“ gewertet werden. Doch obwohl mittlerweile auch chinesische Untersuchungen erwiesen haben, dass es einen Zusammenhang zwischen Krankheiten und Smog gibt, hat die Pekinger Stadtverwaltung auch an den schlimmsten Smogtagen noch nie Fahrverbote verhängt oder Schulen geschlossen. Allenfalls werden Warnungen ausgegeben, dass anfällige Personen und Kinder nicht vor die Tür gehen und alle anderen eine Schutzmaske tragen sollten.

          Die Luftverschmutzung wirkt auch abschreckend auf Touristen. Im vergangenen Jahr kamen zehn Prozent weniger Gäste. Die Stadtverwaltung verweist darauf, dass Peking im vergangenen Jahr 392 verschmutzende Unternehmen geschlossen und mehr als 400.000 alte Fahrzeuge aus dem Verkehr gezogen hat. Doch das Problem liegt nicht allein bei Peking, in den umliegenden Industrieregionen konzentrieren sich Fabriken und Kraftwerke, die viel Dreck in die Luft schleudern. Auch die zu kontrollieren ist schwierig.

          Der Bürgermeister schiebt die Schuld denn auch dem schnellen Bevölkerungswachstum der Hauptstadt zu. Jedes Jahr kommen 350.000 Zuzügler nach Peking, das jetzt mehr als 21 Millionen Einwohner hat. Das führt zu Dauerstau auf den Straßen, und die Züge der neuen U-Bahn-Strecken sind jetzt schon übervoll. Eine Beschränkung des Zuzugs sei deshalb Pekings dringendste Aufgabe, sagt der Bürgermeister.

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