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Simulation : Vogelgrippe: Lokal handeln, global stoppen

  • -Aktualisiert am

In Thailand hat sich 30 Tage nach dem ersten Fall ein lokaler Krankheitsherd gebildet. Bild: F.A.Z.

Immer häufiger tauchen Vogelgrippe-Viren auch außerhalb Asiens, dem bisherigen Herd der Seuche, auf. Die diffuse Angst vor einer Pandemie wächst stetig. Doch ein weltweiter Ausbruch der Vogelgrippe könnte mit dem nötigen Willen verhindert werden.

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          Wie in Zeitlupe rückt die Vogelgrippe näher. Mittlerweile klopft der Erreger schon an Europas Tore. Kürzlich ist er in den Geflügelbeständen einiger zentralsibirischer Regionen aufgetaucht. Womöglich haben infizierte Wildenten sogar schon Rußland und Kasachstan erreicht. Von dort aus könnten Zugvögel das Virus vom Typ H5N1 auch in Deutschlands Geflügelbestände einschleppen. Am Ende könnte die entscheidende Mutation, nach der das Virus von Mensch zu Mensch übertragen würde, sogar hierzulande stattfinden.

          Eine Pandemie, made in Germany? Vollkommen unmöglich ist das Szenario nicht. Vergangene Woche sorgte sich zumindest das Bundesverbraucherministerium derart um hiesige Geflügelbestände, daß es den Bundesländern empfahl, den Import von Vögeln oder unbehandelten Federn aus betroffenen Regionen zu stoppen.

          112 Sprünge über die Artbarriere

          Was Deutschland angeht, gibt es zwar keinen Grund für Panik. Die größere Gefahr lauert immer noch in Südostasien. Bis zum Juli 2005 ist H5N1 dort immerhin schon mindestens 112mal der Sprung über die Artbarriere von Tier zu Mensch gelungen. 57 Erkrankte starben.

          Nach 60 Tagen ist der Vormarsch des Erregers selbst durch entschlossene Maßnahmen kaum noch zu stoppen
          Nach 60 Tagen ist der Vormarsch des Erregers selbst durch entschlossene Maßnahmen kaum noch zu stoppen : Bild: F.A.Z.

          Was wohl passieren würde, wenn der Erreger den Trick lernte, von einer menschlichen Lunge zur nächsten zu reisen, haben jetzt zwei Forschergruppen simuliert. Die Untersuchungen wurden zeitgleich in den aktuellen Ausgaben von Science und Nature veröffentlicht. Ziel der Arbeiten war es, zu modellieren, ob der Mensch erstmals in seiner Geschichte eine Chance hätte, einen globalen Seuchenzug der Grippe im Keim zu ersticken.

          Ein Monat Zeit

          Die Simulation wurde unter realistischen Annahmen durchgeführt. Das Ergebnis erstaunt: "Im ersten Monat einer beginnenden Pandemie kann man sie noch stoppen", sagt der Brite Neil Ferguson vom Imperial College London. Aber nur, wenn auch der politische Wille vorhanden ist. Neu auftretende Fälle müssen frühzeitig dokumentiert, lokale Maßnahmen sofort eingeleitet werden. Die müssen vor allem verhindern, daß sich die Epidemie weiter ausbreitet als über einen Radius von wenigen Kilometern. Nur wenn sich wenige Menschen zur gleichen Zeit infiziert haben, kommt ein Seuchenzug zum Stillstand. Dazu müßten aber schon Maßnahmen ergriffen werden, wenn weniger als 50 Menschen erkrankt sind.

          Wichtig ist auch, daß Medikamente zum vorbeugenden Schutz, wie beispielsweise Tamiflu, in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. Fehlen sie in der betroffenen Region, sollten sie innerhalb von 30 Tagen dorthin verschickt, und, was noch wichtiger ist, "auch an die Richtigen verteilt worden sein", sagt Ferguson.

          Medikamente, soziale Maßnahmen

          Als äußerst wirksam erwies sich in den Simulationen auch die Strategie, 10000 bis 50000 potentielle Kontaktpersonen innerhalb eines 10-Kilometer-Rings möglichst rasch mit antiviralen Medikamenten zu behandeln. Außerdem müßten im Ernstfall die bereits Erkrankten umgehend isoliert, Schulen geschlossen und Massenversammlungen verhindert werden. Auch Reisebeschränkungen außerhalb des Rings um die ersten Krankheitsherde sind im Zweifelsfall sinnvoll.

          Das Fazit der Studien lautet: Erst die Kombination aller medikamentösen und sozialen Maßnahmen zusammen könnte eine Pandemie mit über 90 Prozent Wahrscheinlichkeit verhindern und die Seuche regional eindämmen, wo sie dann ausstirbt. Sind die Maßnahmen nur zum Teil von Erfolg gekrönt, können sie immer noch dazu beitragen, einen globalen Seuchenzug zu verzögern. Es bliebe dann mehr Zeit für die Impfstoffproduktion. Alle Berechnungen setzen allerdings voraus, daß sich der Grippe-Erreger in etwa so verhält wie bei den vergangenen Pandemiewellen im 20. Jahrhundert. Vor allem darf das neue Virus nicht zu schnell Resistenzen gegen die verfügbaren Grippemittel entwickeln.

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